Krokus-Porn

Mitte Februar, zweistellige Temperaturen. Sonne, gar. Wir erholen uns gerade von einer fiesen familienweiten Influenza- Attacke* und genießen das Frühlingswetter. Heute waren die Gartenzwerge die ersten, die zum Wischkästel gegriffen und die typischen Frühlingsfotos gemacht haben. Da konnte ich natürlich nicht taten- und bildlos zusehen, klar.

* Kind 2 für mehrere Tage im Krankenhaus, zusammen mit Frau Mama, die sich dort natürlich auch angesteckt hat. Kind 1 hat’s nicht so schwer und auch kürzer erwischt, mich hat’s als Letzten niedergestreckt. Das ist echt kein Spaß und spätestens jetzt weiß ich auch, dass Grippe und Erkältung zwei ganz andere Ligen sind…

Also kommt hier jetzt die alljährliche geballte Ladung…

Frühlingskitsch

But wait, there’s more! Wenn ihr das Nullachtfuffzn-Fotokapitel hinter euch gebracht habt, erwartet euch ne echte Überraschung. Zumindest die von euch, die keine semi-professionelle Fotoausrüstung haben und die wie ich nur Smartfonhobbyfotografen sind. Your mind will be blown.

Los geht’s mit den üblichen Verdächtigen. Schneeglöckchen und Winterlinge.

Zwischen den bemoosten Wurzeln der ca. 80 Jahre alten Kirsche sind die immer besonders fotogen.

Ich hab in unter einer Stunde knapp 150 Fotos geknipst, beschränke mich aber mal auf diese beiden und gehen zu den Stars des heutigen Artikels über, den Krokussen. Wie heißt der Plural von Krokus eigentlich? „Krokusse“ klingt irgendwie so unbefriedigend. Ich finde, das sollte „Kroken“ heißen. Ja genau. Ganz in Torsten Sträter-Manier. Dank ihm wissen wir ja inzwischen auch um die korrekten Pluralse* für wichtige Wildtiere (Puma – Pumen und Zebra – Zebren).

* Jawoll, Pluralse. Die Mehrzahl von „Kohl“ heißt ja auch Kohlse. Weiß heute ja kaum noch jemand.

Wo war ich? Ach so, die Kroken.

Schon ganz nett, aber aus den letzten Jahren weiß ich, dass da noch mehr geht. Sonnenschein, und vor allem Gegenlicht. Und wenn ich dann noch die Auto-Verschönerung vom Smartfon anwerfe, boostet das schlaue Ding die Farben. Dann isses zwar nicht mehr 100% wirklichkeitsgetreu, aber das muss Kunst ja auch nicht. „Nur schön“ reicht ja manchmal auch.

Boah, geil, oder? Ich staune ja über mich selbst, dass ich bei dem Motiv nur ein einziges Mal auf den Auslöser getatscht habe und mich nicht zu ner Dreidutzendmalknipsen-Serie hinreißen ließ. Was für ne Selbstbeherrschung, dieser Brumme.

Mal gucken was sonst noch so geht. Keine Sorge, ein paar Kroken kommen schon noch. Oh, und: Ein halbes Dutzend anderer Frühlingsmotive. Eigentlich hatte ich noch ein paar niedliche Fotos von den beiden Gartenzwergen, wie die mit Hingabe ins Fotografieren vertieft sind (natürlich ohne erkennbare Gesichter, klar), aber die beiden haben mir keine Fotofreigabe gegeben, und das respektiere ich natürlich.

Wo war ich? Ach so, mehr Kroken.

Auch sehr schön, finde ich. Die Farben sind nicht ganz so kräftig wie auf’m letzten Bild, aber dafür isses ne Spur realistischer. Falls wer auf sowas Wert legt. Aber hey, lasst uns doch mal näher ran gehen. Bei Nahaufnahmen ist näher dran immer besser!

Besser. Aber noch nicht gut genug: Ich bin jetzt angefixt, ich will die Blütenstempel, und zwar bildschirmfüllend!

Die Kamera-App meines Fons hat ne Makro-Funktion, damit kann ich deutlich näher ranzoomen als wie mit dem Autofokus, aber die Fotos werden pixelig und sehen nicht wirklich schön aus. Guckt selbst:

Nicht schön, nor? Ich glaube, die App behummst mich da und vergrößert einfach nur digital, aber was weiß ich schon.

Hier, noch’n Versuch. Bissel besser, aber man merkt deutlich, dass die Kamera an ihre Grenze gelangt ist.

Versteht mich nicht falsch, das sind alles total schöne Motive. Die kannste in jeden selbstgemachten Fotokalender tun, keine Frage…

…aber „mind blown“ ist halt was anderes.

Menno, das wurmt mich jetze: Ich weiß, dass da ein optisches Abenteuer wartet. Es ist in greifbarer Nähe, aber ich komm einfach nicht ran!

Oooookay, Zeit für das schwere Geschütz.

Ich hab mir letztes Jahr so’n billiges Aufsteck-Mikroskop für’s Fon gekauft. Damals unter 20€, dafür riskiere ich manchmal, dass es Schrott ist. Mit diesem Teil bin ich nicht reingefallen, das ist jeden Cent wert. Schon für die Kids zum Forschen ist das Ding genial! Hatte das im Mai 2023 schon mal kurz erwähnt.

Mein Modell ist das 1., 2. und 5. der ersten Zeile.

So, und jetzt… im Comic stünde neben meiner Figur jetzt definitiv *händereib*!

Zuerst der Mittlere Blütenstempel:

Wooooho, genau so will ich das! (c:

Aber Obacht, da geht noch mehr. Spannender sind nämlich die seitlichen, länglichen Blütenstempel:

So sehen Pollen von Nahem aus. Krass, oder? Die Gartenzwerge waren genauso fasziniert wie ich.

Bienen und Hummeln mampfen also kleine goldene Kügelchen. Wusstet ihr das? Ich nicht.

Ich liebe dieses Mikroskop! Kommt, zwei Bilder gehen noch. Hier sieht man sehr schön, dass diese Kügelchen mit winzigen „Stengeln“ am Stempel befestigt sind:

So, eins noch, dann ist Schluss. Selbes Motiv, nochmal näher ran.

Das Mikroskop hab ich jetzt gleich in Sicht- und Reichweite ins Wohnzimmer gelegt, damit wir das demnächst wieder öfter nutzen. Ordentlich weggeräumt im Schrank isses leider „aus den Augen, aus dem Sinn“.

Gern nochmal, falls meine Begeisterung noch nicht Spontankauf-Auslösend genug war: Gerade für Kinder ist das ein absolut geniales Spiel- und Lernzeug. In den Schulklassen 6+, wo viele Kids oft schon ein Fon haben (das zumindest bei uns während des Schulbetriebes aus und im Ranzen sein muss), würde ich mir wünschen, dass es in Fächern wie Biologie öfter mal zum Einsatz käme. Das wär‘ was!

Aber lasst uns für ein letztes Bild nochmal bissel mehr Abstand nehmen…

Sieht aus wie eins von Nicole Peters wunderbaren fotorealistischen Blütengemälden, hat aber nicht annähernd den künstlerischen Anspruch wie das, was bei ihr auf der Leinwand entsteht. Trotzdem schön geworden, finde ich. Auch wenn da schon jemand an einem Blütenblatt gesnackt hat.

So, das war’s jetzt mit den Prachtfotos. Der folgende Rest kommt so rein vong Ästhetik her nicht an den Krokus-Porn ran und ist vergleichsweise banal. You have been warned.

Themenwechsel: Banales Frühlingsgedöns

Die Eiben bekommen ebenfalls Frühlingsgefühle und bilden winzige Zapfen aus. Sieht’n bissel nach Alieneiern aus, aber solche Überraschungen hat man in der Natur sehr oft, wenn man genau hinguckt.

Noch so’n Beispiel für die Wunder im Kleinen: Ein Stück Holz mit Pilzbefall. Wer nicht genau hinguckt, übersieht die kleinen Fruchtkörperchen.

Themenwechsel: Hoch- bzw. Kastenbeete

Im Herbst hab ich ein weiteres Hochbeet gebaut, aus Europalettenbrettern und mit Noppenfolie ausgekleidet. Da kam dann Knobi rein, und der fühlt sich offensichtlich sehr wohl. Der war übrigens weder abgedeckt noch sonst irgendwie geschützt. Der hat Schnee und Kälte so wie ihr ihn hier seht überstanden. Nur falls wer Bedenken hat, Knoblauch schon im Herbst zu stecken.

Falls ihr auch Kastenbeete nutzt: Tut euch einen Gefallen und spart nicht bei der Noppenfolie! Damit hält das Holz viele Jahre länger! Die kostet gar nicht mal so viel, und hält lange genug, dass man sie auch nach Jahren wiederverwenden kann. Ganz wichtig: Die Noppen nicht Richtung Erde, sondern Richtung Holz, damit dort immer Luft zirkulieren kann und kein Schwitzwasser stehenbleibt. So bleibt das Holz schön trocken und schimmelt nicht.

Und ja, das macht tatsächlich einen Unterschied, hab’s unfreiwillig ausprobiert: Eines meiner ersten Kastenbeete hatte ich mit glatter Folie ausgekleidet. Schöne dicke Folie, von irgendeiner größeren Verpackung. Hielt ca. 3-4 Jahre lang (hab nicht genau gezählt), dann wurde sie dort wo Sonne rankam von der UV-Strahlung zersetzt und bröselte mir in die Erde. Urgs, Plastikmüll im Beet! )c:

Und schon nach einem Jahr konnte man, wenn man durch die seitlichen Ritzen dazwischenguckte, sehen, wie sich zwischen Folie und Holz weißes Pilzgeflecht ausbreitete. Das Beet ist inzwischen abgebaut, den Fehler mache ich nicht nochmal.

Die Kastenbeete auf dem nächsten Bild hatte ich noch komplett ohne Folie gebaut. Das vordere wurde vorletztes Jahr saniert, weil’s auseinanderfiel. Die komplette Füllung raus, Noppenfolie rein, Erde wieder rein. Wie ihr seht, war’s schon zu spät: Die Eckpfosten waren schon so vergammelt, dass durch die Belastung das untere Brett jetzt rausgedrückt wurde, weil der Pfosten morsch war.

Bei den niedrigen Beeten (maximal 2 Bretter hoch) hab ich die Noppenfolie allerdings bisher weg gelassen, das hält schon ne Weile.

Themenwechsel: Carportgeschichten

Am Carport hängt eins der beiden brummschen Mauerbienenhotels, das hab ich dort überwintern lassen:

Mal sehn ob dort bald mehr Türchen aufgehen und die kleinen Kerlchen schlüpfen. Ich verweise gern auf den 2022er Mauerbienenbericht und dessen Vorgeschichte aus Herbst 2021.

Ebenfalls Tatort Carport: Eine der Tomatenpflanzen hatte im Herbst noch 2 große Früchte, die nicht mehr nachreifen konnten und schon „moddelig“ waren. Also hatte ich die einfach auf der Erde im Kübel liegen gelassen und zum Experiment erklärt – mal sehn, ob da demnächst was sprießt und wenn ja, wie die sich dann entwickeln!

Themenwechsel: Würmer

Neulich im Kastenbeet: Unter einer dünnen Schicht aus Pflanzenresten fand ich überraschend viele dieser kleinen Würmer. Ich kenne die schon aus den Vorjahren, weiß aber nicht was genau das ist. Kann mich da von euch jemand aufschlauen?

Noch’n Bild, bissel näher dran falls das hilft:

So, das war’s. Ihr habt’s geschafft und ich bedanke mich brav bei allen, die bis hierher durchgehalten haben. (c:

Das Schlussfoto stammt vom Brummschen Komposthaufen, der mal wieder beweist, dass es ein Leben nach dem Tod gibt:

Dieser Lauchrest kam mit dem Küchenabfall auf den Komposthaufen und denkt nicht daran, aufzugeben. Der wird an prominenter, d.h. optimaler Stelle eingebuddelt und beobachtet. Das hat er sich verdient!

3 responses to “Krokus-Porn”

  1. Frank sagt:

    Sehr schön, Daniel. Ich bin ja der felsenfesten Überzeugung aus der sprachlichen Herleitung müsste es „Kroke_en“ heißen, analog wie beim Kaktus pl. = Kakteen.

    Mit den Würmern die Du da gefunden hast ist nicht zu spassen, das sind junge Drahtwürmer und so gefräßig dass ich die umgehend zu Vogelfutter verarbeiten würde, sonst sind Deine Pflanzen in dem Beet bald Wurmhumus. Wurzelgemüse und Kartoffeln mögen sie besonders gern.

    Ich werde mir im Herbst mal ein paar Safrankrokeen bestellen, ist die Blütenpracht hoffentlich auch zu was nutze.

    • Der Brumme sagt:

      danke für den Hinweis. Aber. Alles was ich an Drahtwurmfotos online finde, also deren verschiedene Stadien, sieht komplett anders als die geknipsten. Bin noch nicht überzeugt…

      Wobei absammeln eh nicht ginge, da viel zu viele. Chemieeinsatz ist keine Option, Tagetes dagegen überhaupt kein Problem, hab mehr als genug Saatgut davon. Und jetzt wo ich’s lese, fällt mir ein, dass ich das sogar nicht nur schon mal gewusst habe, sondern auch umgesetzt hatte! Oh Mann… Gartendemenz?!? Uff.

      Oh, und: Über die Krokeen muss ich nachdenken. Valide These! 🙂

  2. […] da ich was gegen Drahtwürmer tun will (siehe letztes Posting, ganz unten: Kontext), hab ich in jedn Kübel noch ein paar Gewürztagetes-Samen gekrümelt. Als Unterpflanzung bestimmt […]

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.