Tomaten umtopfen

So, nach dem gestrigen Fiction Friday hier mal wieder was Handfestes: Der Brumme hat seine Tomaten umgetopft!

Wie?


Nein, mehr nicht.


Genau, nur darum gehts hier.


Nein, es passiert nix Weltbewegendes und ich hab mir auch keine coolen Lifehacks einfallen lassen. Ich sach doch dass das mit dem Blog hier ne ganz banale Kiste wird. ;o)


Also, los gehts.


Ende Februar hatte ich „ein paar“ Tomaten ausgesät. Ich weiche die 1-2 Tage vorher in Kamillentee ein, das soll die Keimfreudigkeit anregen und gut gegen Schimmelbildung sein. Natürlich war es total sinnlos, ne ganze Kanne Tee zu machen, ne kleine Tasse hätte vollkommen genügt. Da sind wohl die Pflanzhormone mit mir durchgegangen. Also hab ich noch zwei Tage lang Kamillentee getrunken.

Die Sorten und die Nummerierung der Pflanzstecker, die ihr in den späteren Bildern sehen werdet:
Ruthje (5), Bajaja (1), Golden Currant (14), Sibirisches Birnchen (3), Sorte unbekannt, „gelbe Beerentraube“ (7) – das waren mal „Überraschungstomaten“, die sich im Kompost ausgsät hatten. Vermutlich irgendwas im Supermarkt Gekauftes…, Zuckertraube (13), Cocktailtomate Black Cherry (…ups, Nummerierung vergessen), Cocktailtomate Vesennij Mieurinskij (10), Berner Rose (15), Black Krim (4), Sweet Aperitif (9), Golden Jubilee (8), Artisan Blush Tiger (6), Principe Borghese (12), Tschernie Prinz (2), Paprika Liebesapfel (16) und King of the North (17), Aubergine „De Barbentane“ (18).
Fast schon schade, dass die nur 2 Tage einweichen werden – ich liebe diese platzsparende Aufbewahrung.

Wenn alles zu 100% keimen würde, wären das 90 Pflanzen. Ja, das ist sportlich. Ich leiste mir eben ein bisschen Größenwahn. :o)

Aber ernsthaft – man hat ja bis zur Ernte auch ein paar Verluste. Ich erinnere mich mit Schaudern an das Umtopfmassaker vor ein paar Jahren, als der große Gartenzwerg mir mit viel Enthusiasmus helfen wollte – und rückwarts in die Pflanzen stolperte. Diese Bilder werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen.

Später kann’s dann Verluste durch unerwarteten Nachtfrost geben, durch zu große Hitze, vergessenes Gießen, Krankheiten… ein Wunder, dass am Ende überhaupt eine Tomate auf dem Tisch landet! Kurz: Lieber mehr aussäen und später den Rest verschenken, als von Anfang an zu wenig. Außerdem muss ich mit Tomatensaatgut jetzt nicht direkt sparen, denn von den Sorten die ich 2019 und 2020 angebaut habe, hatte ich reichlich Saatgut geerntet. Und wer hat, der kann.

Zwei Tage später kamen die Samen in zwei Quickpot-Platten, jeder in einen eigenen Pot. Man kann die auch gemeinsam säen und und später pikieren, aber wenn ich die gleich vereinzele, spare ich mir das Pikieren und kann die gleich größertopfen.

Unternrum jeweils ein bisschen Schafwolle. Damit fällt keine Erde durch die Bodenlöcher – weniger Sauerei ist immer gut – und die Wolle zieht das Wasser wie ein Löschblatt immer schön gleichmäßig hoch. Später wird sie mit umgetopft und beibt als langsam verrottender Dünger drin. Na, bin ich schlau, oder was? Ist aber nicht auf meinem Mist gewachsen.

Anschließend mit Erde auffüllen (herzliche Grüße von Captain Obvious).

Fehlen nur noch knapp 100 Pflanzstecker.

Ich hatte um den Jahreswechsel rum mal ein paar schöne gemacht. Die könnte man auch im Wohnzimmer stehen haben kann, ohne Augenkrebs zu bekommen. Buchenholzstäbchen, mit Farbe besprüht:

11 Zehnersets, alle in Lieblingsfarben. Nur leider hatte ich nicht bedacht, dass ich erstens mehr verschiedene Farben, und weniger viele von jeder einzelnen Farbe brauchen würde, zweitens wusste ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, wieviele Pflanzen von wievielen Sorten ich säen würde. Klassischer brummscher Planungsfehler. Aber gut, Spaß hat’s immerhin gemacht. :o)

Also wirds dieses Jahr wieder die Ranz-Variante: Plasteschilder mit Edding beschriftet.

Immerhin isses Upcycling, denn die Zazikibecher wären sonst in den Müll gewandert. So hammse wenigstens noch nen Nutzen, und vielleicht verwende ich die nächstes Jahr gleich wieder.

Die Anzuchtstation ist schon seit einer Weile fertig. Dieses Jahr hab ich eine Regalebene in der Speisekammer freigeräumt und die Pflanzlampen unten an einen der Regalböden gebammelt. Nicht schön, aber funktionabel. Mit 16-18°C ist das der kälteste Raum im Haus, außerdem stört uns hier die Beleuchtung nicht so. Lila Pflanzlichter verbreiten immer so einen Hauch von „Amsterdamer Hafenpuff“, und das mag nicht jeder. Lacht nicht, ihr werdet die Teile gleich noch in Aktion sehen.

Vorher noch kurz was zum Thema Anzuchtplattenbewässerung: Von oben gießen ist doof, von unten Wässern ist knorke. Damit überschwemmt man die Pflänzchen nicht, und weil das Wasser von unten kommt und immer schön gleichmäßig, fördert das wohl das Wurzelwachstum. Also von unten. Noch besser wirds, wenn man ein Bewässerungsflies reinlegt. Das speichert die Feuchtigkeit und gibt sie über einen längeren Zeitraum wieder ab. Ich hatte mir nachträglich son Flies gekauft, aber die beiden Platten hier haben andere Maße – das Vlies passt nur in meine dritte Anzuchtplatte, die leicht andere Maße hat als die beiden Quickpots… daher musste ne andere Lösung her. Ich habs spontan mal mit Lumpen probiert, d.h. mit alten T-Shirts und ausrangierten Kinderhosen. Sogar ein altes Baumwollschlüpper kam zum Einsatz.

Und wisst ihr was? Die Lumpenlösung geht weeesentlich besser als das Flies! Der Baumwollstoff speichert die Feuchtigkeit länger (über mehrere Tage) und auch deutlich mehr Wasser als das Flies, das durch Verdunstung am nächsten Tag oft schon wieder trocken ist. …ok, also doch Lifehacks im Artikel. Hab euch in der Einleitung angelogen. Tschuldigung.

So, jetzt wirds ernst. Das war bisher ja eigentlich nur ne Rückblende, ein „was bisher geschah„. So hier sahen die Pflanzen am 24.3. aus, also 2 Tage vorm Umtopfen:

Die große Mehrheit ist aufgegangen, und dieses Jahr standen sie von Anfang an unterm Pflanzlicht. Es gibt zwar deutliche Unterschiede im Wachstum, auch bei benachbarten Pflanzen, aber alles in allem bin ich recht zufrieden.

Thema Anzuchterde: Es ist zwar jedes Jahr dasselbe, aber vielleicht interessiert’s euch ja trotzdem nochmal. Ich hab sicherheitshalber lieber nochmal nachgeguckt, ob ich mir das mit der Tomatenanzuchterde richtig gemerkt habe. Ne kurze Rückfrage bei Tante Google…

https://www.tomaten.de/tomatenerde/#Die_passende_Anzuchterde

…jep, richtig gemerkt. Und jetzt kann’s losgehen. Ca. 70 Tomaten plus ein Duzend Paprika wollen bis Samstag umgetopft werden! Spoiler: Ich hab’s gestern (Freitag Nachmittag & Abend) komplett geschafft. Was super ist, denn jetzt gerade am Samstag Vormittag gießt es wie aus Kübeln. Platzregen, Sonne, Hagel, Regen… Klassisches Aprilwetter halt, nur ein paar Tage eher. Kein Ding, aber umgetopfen hätte ich jetzt im Garten nur so mittelgern gemacht.

Erstmal einen Eimer Komposterde sieben. Das Sieb ist übrigens ein upgecyceltes (geupcyceltes?) Lüftungsgitter, das ich vorm Container gerettet habe. (o:

Jetzt noch „magere Anzuchterde“. Letztes Jahr stand eines der drei Hochbeete leer (bis auf eine gigantische Sonnenblume, deren Stumpf ihr hier noch seht), und die Erde dort drin ist schon mal mit Spielsand abgemagert worden. Also noch ein Eimer davon. Die Erde ist übrigens bewohnt, später mehr dazu.

Jetzt noch einen Kokosziegel aufweichen (Mitte) und das Ganze schön mischen.

Als dann alles in der Schubkarre durchgemischt war und die Sonne so schön von schief nach schräg auf die Erde schien, war da wieder diese Stimme im Kopf: „Alder, geiles Motiv! Desktopwallpaper!!!“ Ich hab mich gar nicht erst auf die Diskussion eingelassen, dass sich wohl kaum jemand Kompost aufm Desktop tut, sondern hab ein halbes duzend Mal geknipst.

Ja, es sieht ganz nett aus. Würde ich nicht als Wallpaper verwenden, aber gut… Manchmal lohnt es sich halt nicht, mit den Stimmen zu diskutieren.

Die hier hab ich übrigens vorher raus sortiert. Das werden mal Nashornkäfer:

Die sind nützlich und einigermaßen selten, wir haben die erst seit ein paar Jahren im Garten. Oder vorher nie bemerkt (unwahrscheinlich, aber möglich). Letztes Jahr hab ich beim Umsetzen des Komposthaufens ziemlich viele gefunden, in allen Entwicklungsstadien:

Die sind übrigens recht groß, ca. 5cm und mehr:

Aber eigentlich sollte es ja um die Tomaten gehen…ich labere schon wieder. Jetzt aber.

Die Dosensammlung ist imLaufe der letzten Jahre stetig gewachsen – bei Brummes wird jede Konservendose aufgehoben. Ich hab jedes Jahr aus Dumdiedeldei (Sächsisch für „Spieltrieb“) ein paar neue Farben und Muster ausprobiert. Da ich im November mit Sprühfarben so richtig ernst gemacht habe (dazu gibts sicher nochmal nen eigenen Artikel), hab ich ca. fuffzich verschiedene Farben zum Spielen da. Und die muss man natürlich nutzen.

Leider sieht man die so eng gedrängt kaum, das war wieder son klassischer brummscher Denkfehler. Aber hey, besser als unbemalt allemal. Und ich schweife schon wieder ab.

Tomaten soll man beim Größertopfen ja so tief wie möglich setzen, am besten bis zur ersten Blattachse, weil dann am Stämmchen Wurzeln wachsen und die Pflanzen sich durch die größeren Wurzelballen besser entwickeln. Ich hab die Dosen also jeweils nur mit soviel Erde gefüllt, dass die Pflanze nach dem Auffüllen gerade noch so oben rausguckt.

Das hier ist die Ausnahme: Bei den meisten war die Wolle nicht so schön fest mit der Anzuchterde verbunden. Aber vermutlich lag das daran, dass ich vergessen hatte, vor dem Umtopfen nochmal sehr großzügig zu wässern. Bei dieser Gelegenheit kann man das übrigens auch von oben tun – Sinn und Zweck ist, dass die nasse Erde klebriger ist und beim Umtopfen nicht so leicht auseinander bröselt.

Am Ende haben die Dosen gerade so gereicht (ein glücklicher Zufall und nicht etwa ausgezählt), und auch meinem Rücken hat es gerade so gereicht: Ich weiß jetzt, dass diese Anzuchttische, die einem überall hinterhergeschmissen werden, durchaus ihren Sinn haben. Die leicht gebückte Haltung durch den 20cm zu tiefen Tisch ist Gift fürs Kreuz. Gut, ich wusste das vorher und hätte den Palettenstapeltisch easy peasy höher machen können, also selber schuld.

So, ihr habt’s fast geschafft. Jetzt schnell noch ne Ansichtskarte aus dem Amsterdamer Hafen und ein letzter Lifehack:

Damit die Pflanzen schöne stabile Kerlchen werden, sollte man die am besten mehrfach täglich „ärgern“ – also leicht schütteln. Man simuliert damit quasi den Wind, der das im Freien auch machen würde. Dadurch entstehen wohl kleine Mikrorisse in den Zellwänden, in denen die Pflanzen dann irgendwas einlagern, was die stabiler macht. Oder so ähnlich. Jedenfalls werden gerüttelte Pflanzen stabiler. Wer faul ist, stellt einfach einen kleinen (!) Ventilator so auf, der immer ein bisschen Wind macht.

Ich hatte noch son USB-Teil rumstehen und dachte mir in einem spontanen Anfall von Mcgyverismus: „Hey, hängste das Ding doch an die Solarpowerbank und lässt die über die Pflanzlampen laden!“ Schön schlau, oder?

Spoiler: Klappt nicht. Das Licht reicht nicht, und der Akku war nach wenigen Stunden leer. Aber ein beliebiges USB-Ladegerät tut’s genauso.

Na bitte – Artikel mit nem weiteren Lifehack beendet. :o)

Und jetzt bin ich gespannt wie die lieben Kleinen den Umzug verkraften. Alle 90 sind übrigens nicht gekommen, ich schätze dass ich knapp 20 leere Quickpots hatte. Damit kann ich gut leben.

6 responses to “Tomaten umtopfen”

  1. katharina sagt:

    hallo Daniel, man denkt, man weiss schon alles und schwupps, wieder was dazugelernt. Woher beziehst du die Schafswolle? Diese Theorie find ich sehr spannend. Vielen dank für den intensiven Einblick in dein Gärtnerleben

    • Der Brumme sagt:

      Das mit der Schafwolle hab ich 2020 irgendwo in Marie’s Gartengruppe aufgeschnappt, und irgendwann später hatte dann jemand aus der Gruppe in meiner Nähe hatte Schafwolle zu vergeben. Seitdem hab ich nen großen Sack duftende Wolle hier rumstehen und warte schon seit Monaten darauf, endlich mal was damit machen zu können. Ziel ist, dieses Jahr die Tomaten auf der Terrasse damit zu mulchen. Sieht „ordentlicher“ aus als Hackschnitzelmulch, auch wenn mich dessen Optik nie gestört hat. Und: Unsere Miez wird den Wollmulch lieben. 🙂

  2. […] Aussaat, Pikieren und das erste Umtopfen von Tomaten habsch mich ja schon hier erschöpfend ausgelassen, das zweite und letzte Umtopfen in die großen Fünflitereimer am 23. […]

  3. […] Umtopfen in die Dosen gibt’s jetzt nicht so viel zu sagen, das hab ich außerdem neulich schon erschöpfend beschrieben. Also fast forward zum Weidensmoothie – darum soll’s ja hier […]

  4. […] Sorte unbekannt) und mehrere Physalis ins Freiland. Ein Bild mit allen Tomatensorten findet ihr hier. Das war Ende März, zur Aussaat. Die „Berner Rose“ hat sich komplett verweigert, da […]

  5. […] die Tomatenvorzucht musste wie jedes Jahr im Haus stattfinden. Es war Ende März, und ich hatte ca. 40 Tomaten gesät, dazu noch zwei Dutzend Paprika, Gurken, Auberginen. Noch hatte ich Hoffnung, dass […]

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