Kartoffelpyramide, oder: Der Turmbau zu Brumme

Ich wollte schon seit Jahren mal so ne Kartoffelpyramide ausprobieren, and guess what: Ich hab jetzt eine im Garten stehen.

…gut, an der Dramaturgie arbeiten wir noch. Muss jetzt als Artikeleinstieg so gehen. Scheiß auf den Spannungsbogen, ich will Kartoffeln, und zwar in etagenweise anbauen.

Also, jetze aber… von vorn.

Am Anfang war das Holz. Bretter, um genau zu sein. Wir sprachen darüber, neulich.

Dort gab’s nicht nur die oben abgelichteten Bretter, sondern auch noch jede Menge schöne Balken: 4cm dick, 9cm hoch, 1,2m lang. Das waren mal Palettenbalken, und dankenswerterweise waren auch hier alle Nägel entfernt. Trocken war das Holz auch, und nachdem ich es über den Tellerschleifer gejagt hatte, durchaus ansehnlich. Also im Sinne von „rustikaler Holz-Charme“ jetzt.

Leider war kein einziger dieser Balken gerade, die waren alle – ALLE!!1!eins!11!!elf1!! – komplett verzogen. Allerdings nicht „nur“ krumm, sondern geschraubt. Ich weiß nicht ob’s unter Verziehungsexperten da einen Fachterminus gibt, ich sag dazu immer „die schräubeln“… Egal, jedenfalls waren die gedreht wie Makkaroni, übertrieben gesagt. Und das ist schlecht. Untertrieben gesagt. Mit bloßem Auge konnte man das nicht sehen, wenn man nicht darauf achtete. Aber wollte man die Balken übereinander legen… Vollkatastrophe. Jawoll, mit „ph“. Also verabschiedet sich das Heimwerkerle von der Idee kaum sichtbarer Spaltmaße, holt tief Luft, schnauft durch und macht weiter. Hülft ja nüschd.

Fast forward, denn das Sägen und Schrauben ist jetzt nicht wirklich eine ausführliche Beschreibung wert. Das sind vier Kästen, die man diagonal übereinandersetzen kann. So wirklich viel Schlaues und/oder Unterhaltsames gibt’s dazu nicht zu schreiben. Außerdem gibts vermutlich drölfzfigdausend Tutorials out there. Eine weitere Anleitung bringt da nicht wirklich Mehrwert.

Guckt, so sah das Teil aus als es das erste Mal Frischluft schnupperte:

Im Hintegrund seht ihr die zwei Türme*, die müssen weg. Wir haben damit drei Jahre lang rumexperimentiert und keine sinnvolle Möglichkeit gefunden, die zu nutzen: Das Ganze startete als Erdbeerturmidee: Im ersten Sommer wuchsen die Pflanzen recht gut, brachten aber kaum Früchte. Gut, wurden ja auch erst im Frühjahr eingesetzt, also müssen die erstmal mit dem Verpflanzen klarkommen. Nächstes Jahr, dann aber…! Leider kam es nicht dazu, denn trotz dicker Frostschutz-Einmummelung (Schilfmatte, die ringsrum großzügig mit Blättern und Kiefernnadeln ausgepolstert wurde, oben abgedeckt), sind alle Erdbeeren erforen. Und das in einem gar nichtmal so strengen Winter. Enttäuschend.

* …ha! Filmtitel untergebracht, sneaky me.

Im zweiten Jahr kam dann oben links Pfefferminze rein, Erdbeerminze um genau zu sein. Klingt leckerer als es ist, werde ich nicht nochmal anbauen. War aber immerhin so robust, dass es erst im Januar 2021 erfroren ist. Zusammen mit der letzten Frühling in die rechte Turmspitze gepflanzte und voll leckere Hugo-Minze: Auch hinüber.

Apropos „hinüber“: Die liebevoll vorgezogenen Gartensalate wollten ebenfalls lieber sterben als in den Türmen wachsen. Der Einzige der alles überlebte, war ein Schnittlauch. Knallharter Typ, ein echter Survivor. Ihr lernt ihn später noch kennen. Das zweite Einzige, das immer zuverlässig wuchs, war Kapuzinerkresse. Optisch schön, die Blüten erfreuen Auge und Gaumen und selbst die Blätter kann man wohl essen, aber das haben wir mangels Rezepten und Ideen viel zu selten gemacht.

Zurück zum Thema: Die Türme müssen also weg. Ich hatte die damals tief genug in den Boden eingebuddelt, dass die nicht umfallen und auch möglichst kein architektonisches Pisa-Zitat sind. Ersteres gelang (niemand erschlagen), Letzteres… nuja. So ganz perfectly straigth waren die nie. Guckte sich irgendwann weg, aber schön wars nich.

In einer idealen Welt hätte ich die Türme einfach aus dem Boden gezogen, vorsichtig hingelegt und die Füllung rausgeschüttelt. Ging natürlich nicht. So gar nicht. Das ging damit los, dass die Rohre mit den Jahren wohl tiefer als ursprünglich gebuddelt in die sehr feuchte und weiche Erde (ca. 1m vom Teichufer entfernt – der Grundwasserspiegel war 20cm unter Rasennieveau!) eingesunken waren. Also erstmal in alle Richtungen „trichtern“ und das Loch erweitern.

Aber auch dann ließ sich nüscht machen, die Dinger waren einfach zu schwer. Also mit der kleinen Pflanzschaufel ausbuddeln, anfangs von oben, später durch die Löcher. War genauso mühsam wie es klingt, pro Turm über ne halbe Stunde. Dann endlich:

Fundstücke beim Erdaushub: Was wie parasitenbefallene Alienschädel aussieht, sind Kapuzinerkressesamen vom Vorjahr. Muss wieder irgendwo hin, die war echt toll.

Hier sieht man gut, wie nass die standen. Erstaunlicherweise hat der Kapillareffekt nicht ausgereicht, um das Wasser großartig weit nach oben zu ziehen. Vielleicht, weil ich zuviel Sand in den Kompost gemischt hatte?

Ca. 20cm über dem Boden wuchs der Schnittlauch aus zwei der untersten Löcher. Dessen Wurzeln gingen runter bis in den nassen Bereich – daher hat er also überlebt!

Oberhalb des Lauchs wird es sehr schnell sehr trocken. Zu trocken für alles andere, auch wenn man täglich gießt. Ich vermute, dass der Mißerfolg der Pflanztürme einerseits an der zu sandhaltigen Kompostmischung liegt – das Wasser konnte von unten nicht weit hochziehen – und andererseits daran, dass die Türme vormittags, mittags und ab späterem Nachmittag in der Vollsonne standen. Im Sommer wurde die Erde vermutlich einfach zu warm. Für mediterrane Kräuter vielleicht ideal, aber die wären im Winter dann erfroren.

Nur Pfefferminz und Kapuzinerkresse waren hart genug um da zu siedeln und haben ein veritables Wurzelgeflecht hinterlassen. Aber die -15°C (oder kälter?) im Januar waren dann doch ein paar Gräderiche zu kalt.

Soviel zu den Türmen. Zurück zur Pyramide. So’n Teil braucht ein halbwegs stabiles Fundament, und das wird bei der weichen Erde hier nicht einfach. Glücklicherweise lagen noch ein paar Betonschwellen und andere Restplatten im brummschen Bauhof. Wieder was alle gemacht und produktiv verwertet. So muss das.

Apropos „verwerten“: Das ekle Zeuch in der Mitte ist Lehm. Nasser Lehm von puddinghafter Konsistenz. Ein Teufelszeug. Memo an mich selbst: Brumme, wenn du JEMALS WIEDER Aushub in Kübeln lagerst und die dann nicht gegen den Regen abdeckst, dann… hast du’s verdient!

Fun fact am Rande und public self-shaming: Der Plan war eigentlich, die Löcher wo die Türme standen mit diesem Lehmpudding zu verfüllen. Einerseits wollte ich die Pyramide 30-50 cm weiter rechts platzieren als ihr das jetzt seht – die vorderen Ecken sind jetzt exakt über den ehemaligen Löchern – und da hätte der schwabbelige Lehm nicht gestört. Andererseits wollte ich das Zeug dringends loswerden. Also so ne Art Endlagerung.

Wie alle Endlagerprojekte scheiterte natürlich auch dieses. Es begann damit, dass der Herr des Gartens a.k.a. mein Vater (auf dessen Grund das Teichufer ist und der sich daher gestalterisches Mitspracherecht ausbedingt) der Meinung war, dass die Pyramide so dicht wie möglich an den großen Sitzstein rangerückt werden sollte. Weiß der Fuchs warum, aber gut. Leider saßen die Betonschwellen damit direkt auf den Löchern mit dem Lehmpudding. Geht natürlich nicht. Also…?

Genau: Den Lehm wieder ausgehoben (or nee, mei Kruiz!) und die Löcher mit Steinen und Schutt verfüllt. Sackgang hoch zehn, aber hey, jetzt isses wenigstens stabil. Väterchen durfte mitreden und ist langfristig zufrieden, und damit bin ich’s auch. Familienfrieden ist irre wichtig, aber wem sag ich das.

Jedenfalls… der Lehm. Der musste jetzt ja irgendwo hin. Da die Pyramide ein ziemliches Volumen hat und ich jetzt nicht gerade ne Kompostschwemme habe (in drei Wochen müssen 65 Tomaten, Physalis, Auberginen und Paprika in Kübel gepflanzt werden!), hab ich den Pudding einfach unten in die Mitte gekippt. Dort wachsen eh nie Kartoffeln hin, also wäre gute Erde dort Verschwendung.

Die Pyramide soll ne ja Weile halten, was bei Holz mit direktem Kontakt zur Erde immer so ne Sache ist: „Was Erde berührt, wird Erde“ sagten schon die weisen alten Gärtner. Einfach innen ne Plastikfolie drauftackern ist auch nur so mittelschlau, denn erstens rottet die schon nach zwei bis drei Jahren weg, d.h. die zerbröselt und ihr habt dann Plastikfetzchen in eurer Erde – weiß ich aus eigener Erfahrung – und zweitens: Zwischen Folie und Holz kommt zwangsläufig Feuchtigkeit hin, kann aber nicht wieder schnell genug weg und dann fängt das Holz trotzdem an zu gammeln. Also erstmalig diese Noppenfolie ausprobiert. Durch die Noppen ist immer Luft am Holz, die Feuchtigkeit kann abziehen und das Holz hält länger. So jedenfalls das Versprechen der Noppenfolieanbieter. Mal sehn.

Wer sich fragt, warum auf einer Seite soviel Folie übersteht: Ich will dass die Folie ca. 20cm nach innen reicht und so eine Art „Rahmen“ bildet, damit die Erde der Pyramidenfüllung nicht doch irgendwie an die Unterseiten des Rahmens kommt. So sieht das dann aus, wenn der Rahmen liegt:

Was man eigentlich nicht tun sollte, ist die Folie anzustückeln. Wasser und Feuchtigkeit suchen sich immer einen Weg und finden jeden noch so kleinen Spalt. Aber ich hatte noch ein geradeso passendes Reststückerl übrig, also… so what. Sieht später eh mal keiner, wird schon gut gehn.

Wie ihr seht, ist das Holz inzwischen gelber geworden. Das liegt daran, dass ich es innen und außen mit Leinölfirniß gestrichen habe. Damit hält’s nochmal länger, und die Maserung kommt schöner zur Geltung. Ich liebe dieses Zeuch.

So, jetzt aber… Jetzt die erste Stellprobe – passt das so?

…ja, passt. Gut sieht’s aus, ick freu mir! (c:

Aber noch simmer nich fertsch, da fehlt noch einiges…

Zum einen die Füllung. Der Aushub der Gartenhauspunktfundamente muss noch irgendwie weg, ein halbes Duzend 90L große Maurerkübel. Manche davon sind recht passable Gartenerde. Natürlich vom Regen mehrfach gut durchfeuchtet (wir sprachen darüber), aber gut, mische ich die Schlotze eben mit dem furztrockenen Zeugs aus den Türmen. Zweimal schlecht – da wird schon irgendwie was Gutes bei rauskommen…

Klingt so wie ein weiterer schlechter brummscher Einfall, hat aber halbwegs passabel funktioniert. Die Erde ist jetzt schön feucht, sollte aber noch halbwegs luftdurchlässig sein. Ich hoffe, den Kartoffeln gefällts…

Wo wir gerade dabei sind: Es wird Zeit, die Knollen aus der Werkstatt zu holen. Dort haben sie die letzten zwei Wochen bei 10-15°C verbracht und konnten fertig vorkeimen.

Ich hatte die Saatkartoffeln schon vor Wochen bestellt – dann aber vergessen, sie kälter zu stellen. Also lagerten sie in der Speisekammer, die zwar unbeheizt ist, aber trotzdem immer so 15-20°C hatte. Da haben die Knollen natürlich in ihren dunklen Tüten fröhlich angefangen zu keimen, und das sollten sie eigentlich erst, wenn sie kalt und hell stehen. Sind die dagegen warm und dunkel, werden die Keime sehr lang und „gagelig“, also schwach. Das macht sich dann später in der Erde nicht gut. Ich hatte das wohl gerade noch so rechtzeitig mitbekommen: Ich musste zwar die meisten Triebe abbrechen weil die unrettbar waren (10-15cm lang und dodahl gagelig – das wäre nie was geworden!), aber die übrig gebliebenen kleinen Keime sind danach schön kräftig geworden:

Damit begann das zweite „Projekt“ des Tages: Kartoffeln stecken. Sieben verschiedene Sorten… Die perfekte Arbeit für die samstägliche Mittagszeit, weil leise. Außerdem schien gerade die Sonne, und ich hatte charmante Begleitung:

Motiv „Katze im Knoblauch“:

Das Internet liebt ja Katzenbilder, also müsste dieser Artikel jetzt ja viral gehen und ich reich und berühmt werden. Schnell nochmal den Kontostand checken… nee, noch nix angekommen. Fanpost bleibt auch aus, also weiter im Text.

Die Kartoffeln waren am frühen Nachmittag alle gesteckt, bis auf die für die Pyramide. Denn die konnte ich erst stecken, wenn das Teil fertig gefüllt war, und das wiederum ging erst, wenn ich die einzelnen Etagen gegen Runterfallen gesichert hätte. Runterfallen, fragt ihr? Halten die Kästen nicht von selbst, die sind doch mit Erde gefüllt…?

Jein. Klar sind die schwer, aber ich habe die Ränder ordentlich geschliffen – Schiefer mag keiner – und der (das?) Leinölfirniß macht das Ganze nochmal ordentlich rutschig. Man kann die einzelnen Kästen ganz leicht verschieben. Also hab ich einige der Ecken mit Dübeln gesichert:

So, jetzt aber – Kompost her! (c:

Der Kompost ist noch nicht ganz fertig verrottet, aber das macht den Kartoffeln nichts. Ich hatte schon mehrfach Kartoffeln in halbfertigem Kompost angebaut, hat bisher immer prima funktioniert. Außerdem sind da jede Menge Kompostwürmer drin. Guckt mal wie das hier wimmelt – und das Foto hab ich ca. zehn Minuten geknipst, nachdem ich den Kompost da hin gekippt hatte! Würmer sind lichtscheu und verziehen sich normalerseise sehr schnell in die dunkle Erde. Will sagen, anfangs waren da noch viel mehr. Davon habsch aber kein Foto, also müsst ihr mir das jetzt glauben.

Viel mehr gibts jetzt eigentlich nicht zu berichten, was bleibt, sind zwei Bilder vom Endstand heute Abend. Alles wieder schön aufgeräumt, die Baumstammbank wurde noch ein Stück an die Pyramide rangerückt, damit die Lücke zwischen beiden nicht so groß wird.

Erkenntnis am Tagesende: Würde die Pyramide dort stehen wo ich sie wollte und nicht da wo Brumme Senior sie haben wollte und bekommen hat, würde die ganze Szene etwas gefälliger aussehen.

So steht das Teil sehr dicht am Sitzstein zur Linken und hat einen deutlich größeren Abstand zur Bank auf der rechten Seite. Gut, Abstand nach Rechts kann man nie genug haben, aber… OKOK, der joke war lame. SCNR. (c;

Was fehlt noch? Ein paar schöne Sortenschilder, aber das muss warten. Für heute bin ich erstmal komplett brehd (breit). Morgen ist auch noch ein Tag. Und früher war alles besser. Und früher.

Und bevor das Niveau jetzt komplett stirbt, sollte der Schrieb hier besser enden. Bis demnächst! (c:

Nachtrag 28.April 2021:

„Finishing touches“ würden unsere angelsächsischen Gärtnerkollegen sagen: Damit man weiß, welche Knollen wo wuchern, braucht’s ne Beschriftung.

Ich hab heute das Holzregal einmal komplett ausgeräumt, wieder halbwegs ins Lot gebracht und neu eingeräumt. Dabei fiel mir der Stamm unseren Weihnachtsbaumes in die Hände, der jetzt fertig durchgetrocknet ist. Daraus habsch dünne Scheiben geschnitten und mit Edding beschriftet.

Ich hoffe dass die Wind und Wetter aushalten, aber wenn nicht, auch nicht schlimm. Bis zur Ernte werden sie wohl durchhalten. ?

Follow-up vom 3.7.2021

Nach über 2 Monaten wird es höchste Zeit für ein Update.


Der ständige Regen scheint – noch? – nicht geschadet zu haben, jedenfalls oberirdisch nicht: Die Pyramide ist kaum noch zu sehen, die Kartoffeln haben alles überwuchert. 🙂

One response to “Kartoffelpyramide, oder: Der Turmbau zu Brumme”

  1. […] Die brummsche Kartoffelpyramide. Bauleitung hier. […]

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