Halloween-Laserexperimente: Geschwindigkeit ist nicht (ganz) alles

Nach dem BWL-lastigem Eintrag vom letzten Sonntag heute wieder was mit mehr technischem Inhalt…

In einer Sculpfun-Gruppe kam die Frage nach dem Verhältnis zwischen Geschwindigkeit des Lasers und der Anzahl der Durchgänge beim Schneiden auf:

Also: bekommt man dasselbe Ergebnis, wenn man Geschwindigkeit und Anzahl der Durchgänge identisch ändert?

Melvin hat in seinem Settings Guide schon einiges Hilfreiche dazu, aber (derzeit noch) nicht abschließend geklärt, ob man bei einer Verdoppelung der Geschwindigkeit das gleiche Ergebnis bekommt, wenn man die Anzahl der Schneid-Durchgänge (“passes” im Englischen) ebenfalls verdoppelt. Die Diskussion in der Gruppe brachte auch keine anderen klärenden Wortmeldungen.

Für mich ist das ehrlich gesagt überraschend, ich dachte solche Basics sind längst common knowledge unter erfahreneren Anwendern als ich es bin. Andererseits: Es ist Sonntag, vermutlich machen die meisten Laseristen was anderes als ihre Hobbygruppe zu checken.

Also hab ich erst die Frage nochmal konkretisiert:

…war dann aber zu ungeduldig um auf Antworten zu warten, also hab ich gleich selbst einen entsprechenden Test gemacht. Ich hatte mir am Freitag für Halloween – und für die Kinder, natürlich – ein paar Ornamente zusammengestellt und auf eine A3 Sperrholzplatte (3mm stark, was anderes hab ich aktuell eh nicht da) gepackt. Da das viele einzelne Motive sind, kann ich die immer schön nacheinander auslasern und muss die nicht alle auf einmal ausschneiden (was über 5 Stunden dauern würde). Ideal also, um mal verschiendene Parameter auszuprobieren.

Mein Ergebnis: Ja, wenn man sowohl die Geschwindigkeit als auch die Anzahl der Durchgänge verdoppelt, bekommt man ungefähr dasselbe Schneidergebnis.

Vorteil der schnelleren Geschwindigkeit: Es gibt weniger charring, also Verkohlung der Schnittränder. Wobei der Unterschied in meinen Experimenten nur minimal war. Wichtiger finde ich dagegen, dass man bei der schnelleren Variante flexibler ist und probieren kann, die Anzahl der Durchgänge schrittweise zu reduzieren. Wenn ich bei 5 langsamen Durchgängen einen weglasse, wird das Werkstück eher noch unfertig sein als wenn ich von 10 doppelt so schnellen Durchgängen auf neun reduziere. Ihr wisst hoffentlich was ich meine.

Hier nochmal Fotos in groß, damit man die Details besser sieht:

Da man’s im Foto schlecht lesen kann:

Linker Geist
Speed 250 mm/min, 5 passes.

Rechter Geist:
Speed 500 mm/min, 8 passes.

Für alle Test gilt:
Power 85%, air assist on, constant power on

Und die Seitenränder. Rechts langsam und mit 5 Durchgängen, rechts doppelt so schnell und (fast) doppelt so oft (8 statt 10 Durchgänge). Minimaler Unterschied in Bezug auf die Verkohlung und nicht kriegsentscheidend. Vermutlich hätten die Kanten bei 10 Durchgängen gleich ausgesehen.

Ich konnte die acht Durchgänge dann sogar noch auf sieben reduzieren:

Oberes Netz:
Speed 250 mm/min, 5 passes.

Unteres Netz:
Speed 500 mm/min, 7 passes. –> nochmal um einen weiteren Durchgang reduziert

Auch hier wieder für beide gleich:
Power 85%, air assist on, constant power on

Ich hoffe das hilft euch weiter. Probiert’s ruhig auch mal aus! Ich werde noch weitere Tests machen. Beispielsweise will ich wissen was jenseits von Verdoppelungen passiert: Was passiert, wenn ich Geschwindigkeit und Durchgänge …sagen wir mal… verzehnfache? Irgendwo muss es ja eine Grenze geben, ab der das nicht mehr klappt.

Ich weiß schon was ihr jetzt denkt. Der Brumme, was für ein Teufelskerl. Lasern am Limit! (c:

Update 23.10.22

Hier die Vorlage für Lightburn und als .svg als kostenloser Download. Ich habe die Schneide-Parameter auf 500 mm/min und 8 Durchgänge gestellt. / Durchgänge reichen bei mir aus, aber sicherheitshalber lieber einmal mehr. Viel Spaß! (c:

One response to “Halloween-Laserexperimente: Geschwindigkeit ist nicht (ganz) alles”

  1. […] bald Halloween ist*, will ich den Kids ein bissl Grusel-Deko lasern. Neulich hatte ich ja schonmal einen Satz Gruselzeuchs aus 3mm Birkensperrholz gelasert, aber das […]

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