Leinwand als Schneckenschutz, die Dritte – oder: Umpuschelung ist nicht alles.

Follow-up, drei Wochen später

Wer jetzt glaubt, nach dem Tiefschlag vor drei Wochen (dem hier) hätte der Autor deprimiert den Kopf in den Kompost gesteckt, irrt natürlich. Der Garten mag derzeit Gründe für alles mögliche bieten, nicht aber für Depressionen. Im Gegenteil: Jetzt ist diese magische Zeit, in der man täglich über das Wachstum der grünen Lieblinge staunt und erst einmal die kurze Pause zwischen Ausaatstress, Anzuchthektik und Ernteschwemme genießen kann.

Die letzten Tage sind ja wieder etwas feuchter geworden, daher hatte ich schon Schlimmes befürchtet in Sachen Schneckokalypse. Spoiler: Bisher alles harmlos. Seht ihr? Ich kann auch ohne clickbaiting schreiben! (c;

Derzeit ist wieder diese Zeit im Gartenjahr, wo alles nicht nur wächst, sondern explodiert. Vergleicht mal dieses Beetfoto von vorgestern…

Aktueller Stand am 23.6.2021

…mit dem von vor drei Wochen:

Das brummsche Gemüsebeet am 4.6.2021

Wahnsinn, oder?

Guckt mal besonders auf den vorderen Teil des Beetes, den, wo die Rahmenbretter noch nicht so vergraut sind. Das ist die neue Beeterweiterung, gefüllt mit dem letztjährigen Kompost. Der hatte keine richtige heiße* Rotte durchlaufen, daher waren die Samen da drin nicht sterilisiert. Welche Samen, fragt ihr? Nein, das fragt ihr natürlich nicht, denn ihr seht ja, wer diesen Beetabschnitt komplett übernommen hat. Mangold and Sonnenblume, it’s you I’m looking at!

* bis zu 70°C können das werden – 65°C hatte ich neulich im neu aufgesetzten Haufen gemessen!

Aber zurück zu den Schnecken.

Während dieser „Explosionzeiten“ wächst eigentlich auch immer die Schneckenpopulation mit, jedenfalls meine ich mich daran zu erinnern. Für eine perfekte Gleichzeitigkeit beider Phänomene kann ich mich nicht verbürgen, weil ich Dödel es ja immer noch nicht geschafft habe, ein ordentliches Gartentagebuch zu führen. Zettelwirtschaft, Exceltabelle, Dekadenbuch – nüscht hat bisher so richtig gefruchtet. Und so muss ich mich auf mein Gedächtnis verlassen. Will heißen: Keine Garantie für gar nüscht. (c;

Aber ernsthaft: Das Thema Gartendokumentation und systematischer Erkenntnisgewinn aus Fehlern und Erfolgen ist ein gar großes, und hat eigentlich einen eigenen Beitrag verdient.

But again: Zurück zu den Schnecken.

Ich meine mich jedenfalls daran zu erinnern, dass diese extremen Wachstumsphasen im Frühsommer (wenn man den 2020er Juli als solchen bezeichnen mag) auch genau die Zeiten gewese sind, in denen die kleinen Schleimmonster überhand nahmen. Und dieses Jahr?

Gestern und heute habe ich das allabendliche Absammeln ausfallen lassen, aber sonst… Ich komme selten auf mehr als 30 Schnecken pro Jagdabend. Die letzten Jahre war es in der jeweiligen „Hauptsaison“ (meist erst im Juli, wohlgemerkt) gut und gerne das Zehnfache. Allerdings hatten da meine Eltern noch mitgesammelt, und wir drei hatten jeder 200-300 Schnecken pro Abend, für ungefähr zwei Wochen, dann wurde es wieder weniger. Ich sammle dieses Jahr hauptsächlich im großen Beet (ca. 40m²) und in den kleineren Hochbeeten ringsrum, wo sich die kleinen Biester fast ausschließlich über die Kartoffeln hermachen. Meine Eltern sammeln nur unregelmäßig.

Dieses Jahr sind es bei uns im Garten also generell weniger Schnecken, ich habe aber den Eindruck, dass die Umpuschelung trotzdem etwas bewirkt. Befreundete Gärtner / gärtnernde Freunde in der Nähe (ca. 1km weit weg) klagen über ein besonders schlimmes Schneckenjahr – so krass können die Unterschiede also sein! Und: Ich habe seit dem „in flagranti„-Foto (dem hier) keine einzige weitere Schnecke auf der Umpuschelung ertappt. Mal sehn was die nächsten Wochen bringen.

Umpuschelung ist nicht alles!

Eine weitere Antischneckenmaßnahme will ich nicht unerwähnt lassen: Spinat.

Spinat, Daniel?

Genau, Spinat.

Das Zeug, das Popeye’s Bizepse anschwellen ließ, hilft auch gegen Schneckenschäden. Klingt komisch, ist aber so. Genauer: Umgesenster Spinat. Der fing an zu schießen und zu blühen und machte sich zu breit im Beet,…

…also wurde er knapp über’m Boden abgeschnitten oder abgebrochen und als dicke Mulchschicht liegen gelassen.

Foto vom 2020er Spinatmassaker, damals schon am 27.Mai. Früher war alles früher.

Was nach gärtnerischem Sadismus, mindestens aber nach unethischer Verschwendung klingt, ist integraler Bestandteil des Mischkultursystems von Gertrud Franck. Auch darüber gäbe es viel und ausführlich zu schreiben, irgendwann mal…

Die Kurzform: Zwischen die 50cm breiten Kulturzeilen wird jeweils eine Reihe Spinat gesät. Der lockert mit seinen Wurzeln den Boden, wächst schneller als die eigentlich geplanten Gemüses und spendet denen dann Wind- und Sonnenschutz. Nebenbei ist das dann eines der ersten Grünzeuge, die man im Frühjahr ernten kann – und man hat riiiichtig viel davon zu ernten, weil der ja zwischen jeder Zeile im Beet steht! Klassisch in der Pfanne mit angebratenen Zwiebeln, als Spinatlasagne oder – unsere Lieblingsverwertung – als grüner Smoothie, egal wie, das Zeuch ist lecker! Vergesst die Ab einer gewissen Größe wird’s dann natürlich eng im Beet, und dann kommt der wie oben beschrieben weg. Irgendwann mach ich mal ein Foodposting mit Spinat. Und Mangold. Ihr solltet mal die leckeren Mangold-in-der-Pfanne-Fotos sehen!

Aber zurück zum Spinat.

Der Spinat liegt dann also auf dem Beetboden, verwelkt erst und verrottet dann. In genau dieser Zeit schützt er nicht nur den Boden als Mulch* vor Austrocknung: Das welke Zeugs ist eine Leckerei für Schnecken, die dann (fast) alles andere ignorieren, sich daran gütlich tun. Dass sie sich dadurch mehr vermehren würden, kann ich nicht feststellen, wüsste aber fairerweise auch nicht, wie ich das wissenschaftlich solide ermitteln sollte. Jedenfalls mit vertretbarem Aufwand.

* Dank Hackschnitzelmulch musste ich dieses 40m² große Beet selbst in den Dürre- und Hitzejahren von 2018 und 2019 nicht gießen. Mulchen ist richtig geil, echt ma! Und der Spinat wirkt genauso wie die Hachschnitzelschicht, nur halt nicht so lange, weil er schneller verrottet. Dafür düngt er dann auch schneller als die langsam verrottenden Hackschnitzel. Beides wirkt in Kombination natürlich noch besser als jeweils allein.

Ich schrieb gerade, dass die Schnecken fast alles ignorieren. Ein Gemüse gibt’s da im brummschen Mischkulturbeet, das an dieser Stelle erwähnt werden muss: Die Kartoffeln!

Ich habe dieses Jahr ja eigentlich nur wieder die geliebten La Ratte anbauen wollen, stieß aber während der Suche nach Saatkartoffeln verhängnisvollerweise auf ein attraktives Probierpaket und war plötzlich und unerwartet Besitzer von 7 Sorten: Sechs mal 1 Kilo und die 2,5kg La Ratte. Daher wurde 2021 zum brummschen Kartoffeljahr. Und ich stellte fest, dass die Schnecken einige dieser Sorten absolut lieben. So gut wie alles andere im Beet wird ignoriert. Das hat zwei große Vorteile:

Erstens muss ich nicht das gesamte Beet bejagen, sondern kann mich auf die eine oder zwei Zeilen konzentrieren, wo die Sorten stehen, die ihnen ganz besonders schmecken.

Zweitens sind Kartoffeln nun gerade eine der Gemüsesorten, die extrem schnell wachsen und die damit die Fraßschäden unbeschadet wegstecken.

Die Szene kennt ihr schon aus dem Beitrag von Anfang Juni…

Toll, oder? (c:

Ich weiß übrigens nicht, warum mir das erst dieses Jahr aufgefallen ist. Entweder ist das ein neues Phänomen oder ich Depp hab das die letzten Jahre schlicht verpriemt. Oder positiver formuliert: Meine gewachsene gärtnerische Erfahrung ermöglicht mir, permanent Neues zu lernen. Klingt doch schon viel besser, oder? (c:

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