Schnecken mit Ablenkungsfütterung ködern

Das Thema Schnecken lässt uns Gärtner selten kalt. Auch Gartenblogger nicht, das ist immer ein „dankbares“ Thema, und ja: Das meine ich durchaus mit einer Spur Sarkasmus. Ich hab mich ja selbst schon öfter über Schnecken ausgelassen, ob nun moralisch/ethisch/pseudo-philosophisch, Hausmittel-ausprobierend, handwerklich-dekorativ (hier, da und dort) oder schlicht albern.

Diese Woche hatte ich mal wieder einen schneckoiden Aha!-Effekt:

Ich hatte einem der Kürbisse zwei Blätter abgebrochen und hinter’s Kastenbeet geworfen, weil er begann, seine Beetnachbarn zuzuwuchern.

Der Tatort: Ein 50cm breiter Streifen zwischen Kastenbeet und Zaun.

Tags drauf war es nass und kühl (14° und Regen) und am frühen Abend hatte ich ne kurze Schneckenabsammelrunde gedreht (normalerweise mache ich das an warmen Tagen immer erst nach 21 Uhr, wenn’s etwas abgekühlt hat). Erwartungsgemäß hatte ich ziemlich viele Schleimer absammeln können/müssen, aber was hinter dem Kürbiskastenbeet los war, das hatte ich so nicht erwartet:

Von einem der beiden Blätter war noch ca. 1/4 übrig, von dem anderen nur noch kleine Reste des Blattskeletts. Ich hab dort sage und schreibe 51 Nacktschnecken abgesammelt! Ja, richtig: Einundfuckingfümpfzisch!

Nur die Spitze des Eisbergs: Unter den Blättern waren noch deutlich mehr!

Das heißt wohl, dass die kleinen Schleimer total auf Kürbisblätter abfahren. Das sind in mehrerer Hinsicht gute Nachrichten, denn damit kann man sie effektiv an- und von anderen Pflanzen weglocken. Und: Kürbis wächst unheimlich schnell, dem tut es nicht weh wenn man immer mal ein oder mehrere Blätter entfernt.

Das ist dann so ähnlich wie mit Kartoffeln: Ich beobachtete jede Saison wieder, dass die Kartoffelzeilen im Beet deutlich stärker von Schnecken befallen werden als alles was da so ringsrum steht, selbst der von ihnen und mir so geliebte Gartensalat wird weniger belästigt, wenn Kartoffeln im Beet stehen.

Die Kartoffeln muss man als kleine Jungpflanzen noch gut vor den Schnecken schützen, aber ab einer gewissen Größe wachsen die so schnell, dass die Schnecken mit dem Fressen nicht mehr hinterherkommen und kein relevanter Fraßschaden mehr entsteht, während man gleichzeitig immer genau weiß, wo man als erstes nach den Schnecken suchen muss.

Probiert das mit dem Anlocken mal mit ein paar Kürbisblättern aus und berichtet! Vielleicht kann man das ja doch nicht verallgemeinern, weil „meine“ Schnecken einfach nur nen seltenen Geschmack haben… (c;

Ich bin natürlich nicht der Erste, der auf sowas kommt. Ich habe das in Marie Diederichs Wurzelwerk-Gruppe berichtet, und wenig überraschend praktizieren andere Wurzelwerker das schon lange vor mir.

Andrea Huber beispielsweise:

Ich gehe sie füttern und das funktioniert super. Heute gab es Kirschen, Kürbis und Kartoffelschalen. Sie lieben auch einfach Löwenzahnblätter, dann musst du deinen Zucchini nicht ständig rupfen.

Wichtig ist das sie regelmäßig gefüttert werden. Wenn’s sehr warm ist, alle 2 Tage. Ansonsten alle 3 bis 4 Tage, wenn nicht davor schon alles weg ist. Wenn das Futter zu trocken ist, dann mögen sie es auch nicht mehr.

Ablenkungsfütterung von Schnecken

Und Sonja Berndl vom Gartenblog Sonjas Gartenfreuden macht’s ähnlich:

Ich packe Gemüseabfälle vom Ernten direkt wieder ins Gemüsebeet. Und einige Gemüseabfälle gebe ich um neu gepflanzte, schnecken-gefährdete Zierpflanzen. Das hilft unheimlich viel. Denn die Schnecken machen sich vor allem über das welke Zeugs her und lassen das andere überwiegend in Ruhe. Und absammeln geht dann auch schnell, weil man ja weiß, wo man gucken muss. Das geht also nicht nur mit Zucchiniblättern sondern auch mit Salat, Kohlrabi und anderem Gemüse.

Die kleinen Schleimer gehen also scheinbar wirklich auf alles, was welk ist. Aber ich hab das Gefühl, dass das noch nicht die ganze Wahrheit ist: Ich erlebe oft, dass sie sich auf eine oder mehrere ganz bestimmte Pflanzen stürzen und diese dann – gerne auch gemeinschaftlich – regelrecht überfallen und ratzekahl wegfressen. Und zwar während die benachbarten Pflanzen komplett ignoriert werden. Ich habe an diesen „Opferpflanzen“ bisher noch nix Auffälliges feststellen können, vermute aber, dass die irgendwie schwächer waren als ihre Nachbarn, die Schnecken das im Gegensatz zu mir mitbekommen und voll darauf abfahren.

Wenn dem so wäre, dann wäre das ja sogar in meinem Sinne und ich könnte – nein – sollte sie eigentlich sogar einfach machen lassen, weil sie dann die schwachen Pflanzen frühzeitig ausmerzen, während die Starken überleben täten. Ich könnte das gar nicht, weil ich die Schwachen gar nicht erkenne. Schon deprimierend, dass Schnecken schlauer sind als ich…

Aber.

Das würde nur unter bestimmten Randbedingungen klappen, und eine davon ist, dass die Anzahl der Schnecken in einer Größenordnung bleibt, wo am Ende für den Gärtner und seine Familie noch genug zu ernten bliebe. Nächste Bedingung: Sie täten nur und ausschließlich (oder wenigstens so gut wie ausschließlich, ich bin ja nicht so) welkes, krankes und schwaches Grünzeug futtern. Ja, vermutlich könnte ich das meisten davon noch selbst verwerten, aber hey: Leben und leben lassen…

Beide Bedingungen werden – zumindest nach meinen bisherigen Erfahrungen – definitiv nicht eingehalten: Wenn ich die Schnecken nicht diszipliniert allabendlich absammle, werden es einfach sehr schnell viel zuviele Schleimer. Und: Sie fressen eben nicht nur welke, kranke, und schwache Pflanzen, sondern auch perfectly fine plants.

Schlimmer noch: Am liebsten sind ihnen frisch gekeimte Pflanzen. Ihr kennt das: Wie viele Grünbabies haben wir schon verloren? Na? Richtig: Ungezählte. Und ich meine das wortwörtlich: Wir sehen die frisch gekeimten Pflanzen ja manchmal nicht einmal aufgehen, weil die Schnecken die noch in der Keim-Nacht wegfressen. Und wir wundern uns dann, warum die Möhren schon wieder nicht gekeimt sind. Sind sie aber, ganz kurz jedenfalls… )c‘:

Also: Weiterhin Schnecken absammeln, aber die Fraßschäden ein wenig entspannter nehmen. Sie auch noch zu füttern mag auf den ersten Blick gegen jedes Gärtnerbauchgefühl verstoßen, könnte aber helfen. Und daran denken: Das was vorne grün in den Schnecken verschwindet, kommt hinten als Vorstufe zum Kompost wieder raus. Kreislauf geschlossen, bzw. beschleunigt geschlossen.

Wurzelwerkerin Ulrike J. hat dazu noch Folgendes bemerkt:

Ja, sie sind engagierte Kompostierer. 😉 Deswegen finde ich Mulch und Flächenkompost gar nicht so doof, man zieht natürlich aus der direkten Umgebung etwas die Schnecken an, aber lieber der Flächenkompost als mein Salat. Finden sie Salatmulch, sind meiner Meinung nach weniger im Salat. Bei Rucola muss ich das noch testen, da stehen sie voll drauf.

Daher lege ich jetzt wieder verstärkt geeignetes Grünzeug ins Beet. Das mulcht und hält damit den Boden bedeckt & feucht, es verkompostiert – ob nun mit oder ohne Schnecken – und düngt den Boden. Die Spinatreihen, die ich als Teil von Gertrud Francks Mischkultursystem Mitte April gesät hatte, die sind schon lange geschossen, haben geblüht und bilden jetzt wieder Samen. Die brauche ich für die kommende Gartensaison. In ein paar Tagen sollten das Saatgut reif zur Ernte sein, danach wird der Spinat wieder abgesenst und als Mulch liegen gelassen. Ich werde berichten. (c:

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