Bautagebuch Gartenhaus, Kapitel 2: Erster Spatenstich, schiefe Löcher und kein Holz für die Hütt’n

Am ersten März war’s dann soweit, der berühmte erste Spatenstich. Vorher müssen die beiden Kinderbeete umziehen (links hinten, die zwei identischen vor der Hecke). Das größere Hochbeet mit dem Frühbeetaufsatz (das hier) kann hoffentlich bleiben.

Btw: Habt ihr gemerkt, dass ich direkt auf’n Punkt gekommen bin und nicht wie üblich erst groß rumgelabert habe? Ja, der Brumme kann auch das. Ein Teufelskerl! (c;

Es wird also ernst, die Bauphase hat begonnen. Die Tiefbaubrigade rückt an und beginnt mit den Fundamentarbeiten. Will heißen: Yours truly hat zu Spitzhhacke und Spaten gegriffen und selbst gebudelt.

…was dachtet ihr denn?!? (c;

Damit ich keinen häßlichen Erdhaufen im Garten habe, hab ich den Aushub erstmal in die Maurertröge gefüllt, die später im Jahr mit allerlei Tomaten bepflanzt werden sollen. Bis dahin hab ich die Erde sicher irgendwo verklappt… dachte ich. Nur ein paar Tage… dachte ich. Dass ich die Bottiche nicht mit Folie abgedeckt hat, hat sich später gerächt: Es war ja schon im Frühjahr ordentlich verregnet, und der trockene Aushub wurde solange durchweicht, bis alles ein einziger lehmiger Pudding war. Und jetzt verklapp diese Suppe mal irgendwo… Dummheit muss eben bestraft werden, und ich hatte das wahrlich verdient.

Von dieser Perspektive sieht’s ganz gut aus, oder?

Na dann lasst uns mal aus der Gegenrichtung gucken…

Löcher im Gegenlicht.

Mit dem richtigen Licht sieht selbst sowas Banales wie ne Horde Löcher im Boden romantisch aus. Und weil die Kamera spontan und selbstständig den rechten Bildrand unscharf gemacht hat, wirkt das richtig professionell!

Weniger professionell dagegen sind meine Löcher geworden: Da ich nur den alten Gartenzaun hinter der Hecke als Referenzlinie hatte und vor allem, weil ich keinen richtigen 90°-Winkel hatte, hab ich eeewig gebraucht, bis ich das Trapez einigermaßen eingemessen hatte. Das war der bisher frustrierendste Teil des Projektes! Und um das self-shaming auf die Spitze zu treiben: Hätte ich in Mathe in der Schule besser aufgepasst, wäre mir die folgende Peinlichkeit erspart geblieben:

Ich hatte irgendwann am Ende des Tages ein Trapez abgesteckt, aber irgendwie war’s einfach nicht richtig genau. Mein selbstgebauter Holzwinkel hatte keine exakten 90°. Ich hab trotz intensiver Beratungen mit diversen sonst recht fischelanten* Nachbarn und Familienmitgliedern keine richtige Lösung gefunden, wie ich die Vermessung genauer hinbekomme. Also musste ich in den sauren Apfel beißen und dem Zimmermanns meines Vertrauens beichten, dass ich zu doof für 90° bin und ihn bitten, mir bei der Vermessung vor Ort zu helfen. Oh mann war mir das peinlich! )c:

* sächsisch für praktisch veranlagt

Natürlich kam der Gute vorbei, und natürlich gab’s ne einfache Lösung. „Mensch Junge, drei-vier-fünf, Satz des Pytagoras!“ Mir war sofort klar was er meinte. Euch auch?

Genau, das Maurerdreieck: Ihr spannt auf euren beiden Katheten (also die rechtwinkligen Seiten) die Vermessungsfäden und messt dort einmal 120cm (3x40cm) und auf der anderen 160 cm (4x40cm) ab. Dann legt ihr die Schmiesche* an beide äußeren Ecken an und verschiebt einen der beiden Fäden solange nach außen oder innen auf der Schmieche, bis die Hypothenuse 2m (5x40cm) beträgt. Der Winkel ist dann exakt 90°.

Ja, wenn man’s einmal weiß, isses easy peays.

* sächsisch für Zollstock oder Gliedermaßstab

Na jedenfalls hatte ich endlich die Position für meine Löcher. Einige musste ich korrigieren und nochmal zum Spaten greifen, bevor ich mit den Betonierarbeiten beginnen konnte. Die Steine habe ich separat aufgehoben, weil ich die später beim Betonieren mit verklappen kann.

Dass Lochbuddeln bei so steinigem Boden ein ziemlicher Sackgang ist, brauche ich nicht extra zu erwähnen. Tue ich natürlich trotzdem.

Nach der ganzen Lochbuddelei wäre eigentlich das Betonieren dran gewesen. Eigentlich. Denn betonieren kann man nur, wenn’s halbwegs warm ist, und in der ersten Märzhälfte hatten wir immer noch Bodenfrost.

Am Freitag dem 12.3. ging’s endlich weiter mit den Punktfundamenten fürs brummsche Gartenhaus. Die Fröste waren erst einmal wieder vorbei und ich konnte endlich weiter betonieren. Die zweite Vierteltonne Beton war im Boden, die dritte und letzte im Baumarkt erbeutet und harrte ihrer Bestimmung.

Leider kam nochmal ne ausgedehnte Nachtfrostperiode und das Betonieren musste warten. Aber hey, inzwischen kam das Dach:

Fundament fertsch, Dach vorhanden. Fehlt nur noch das Zeuchs dazwischen.

Sechs 4x1m Platten „Acryl Wellplatten 3mm Sinus 76/18 Wabenstruktur klar„. Bestellt beim Stegplattenversand. Ich erwähne die explizit, weil der Kundenservice lobenswert ist, nicht weil die mich sponsoren (I wish). Ruft an wenn ihr Fragen habt, die Jungs und Mädels dort am Telefon verstehen ihr Fach. Ich bin im stationären Handel schon wesentlich schlechter beraten worden. Nicht immer, klar. Aber fehlender Service und Beratung ist für mich kein Totschlagargument gegen den Onlinehandel, schon lange nicht mehr.

Na jedenfalls waren dann irgendwann die Punktfundamente fertig. Nicht schön, weil an einigen Stellen größer als gewollt (die Nachwehen der oben erwähnten brummschen Ungenauigkeit), aber brauchbar. Dann kann’s ja weitergehen, oder?

Ja, könnte es.

Man beachte den fu**ing Konjunktiv:

Man könnte jetzt weiterbauen, wenn man Holz hätte!

Der Plan war ja eigentlich, Ende März mit der Hütte fertig zu sein, damit die Tomatenanzucht da reinverlegt werden kann. Wer konnte denn ahnen, dass Holz das neue Klopapier wird?!¿?!? Ich zumindest hatte nicht damit gerechnet. Das Bauholz war bestellt, aber die Lieferanten konnten nichtmal mehr ne Lieferzeit angeben. Also so gar keine. Alles Holz ging nach Amerika und China.

Ein Jammer. Mein Projekt lag komplett auf Eis, die Tomatenvorzucht musste wie jedes Jahr im Haus stattfinden. Es war Ende März, und ich hatte ca. 40 Tomaten gesät, dazu noch zwei Dutzend Paprika, Gurken, Auberginen. Noch hatte ich Hoffnung, dass wir das Holz irgendwann demnächst bekämen und wenigstens rechtzeitig zum Umtopfen in die größeren Pflanzgefäße (Fünflitereimer) die Hütte stand.

Tja, daraus wurde nüscht: Die Tomaten mussten irgendwann in die großen Töppe und bevölkerten von da an die Anzuchtstation in der Speisekammer, die im Hauswirtschaftsraum, das Wohnzimmer, die Treppenhausfenster, das Kinderzimmer und das Schlafzimmer (Details siehe hier). Wir hatten drei Schubkarren Kompost im Haus. Da ich die Eimer mit einer ca. 2cm dicken Schicht Sand (Spielsand ausm Baumarkt) abgedeckt hatte, hielt sich das Insektenproblem in ertragbaren Grenzen.

Natürlich wurden die Tomaten lang und gagelig, wegen der für Vorzuchtverhältnisse zu warmen Temperaturen im Haus. Und als es dann Ende Mai ans Abhärten ging (guckst du hier), naja… so richtig tolle Pflanzen waren das dieses Jahr nicht. Wir waren froh, als wir am zweiten Juniwochenende nach dem großen Rauspflanzening das Haus wieder für uns hatten!

Als das Holz dann im Juli endlich da war, ging bei den Zimmerleuten die Urlaubszeit los. Manchma isses abor ooch wie vorhäggsd… Ich musste mich also noch bis Anfang August gedulden. Mehr davon im nächsten Kapitel.

Kommentar verfassen