Erste Gehversuche mit dem Dutch Oven: Chili con Carne, Spare Ribs, Gulasch

Ich bin ja neulich schwach geworden und hab mir einen Feuertopf/Schmortopf/Dutch Oven geimpulskauft. Oder heißt das impulsgekauft? Egal. Jedenfalls sind wir jetzt stolze Besitzer eines Petromax FT6, und seit letzter Woche gibt’s im brummschen Haushalt die beiden dazu passenden Kochbücher der Sauerländer Barbecrew, also das erste und das zweite.

Natürlich muss man, wenn man mit so nem Teil noch nie gekocht hat, erstmal Erfahrungen sammeln. Ist ja ne völlig andere Art des Zubereitens, irgendwo zwischen „Topf aufm Herd“ und „Fleisch aufm Grill“.

Die Premiere: Slow & Low Chilli Con Carne

Als einfachen Einstieg wurde mir Chili con Carne empfohlen. Ich hab mich dann für ein Gericht von Jamie Oliver entschieden. Klingt einfach, sieht lecker aus. Ist zwar nicht speziell für den Dutch Oven gedacht, geht aber bestimmt trotzdem. Mal gucken…

Zwei schöne Stücken Rinderbrust, beidseitig kreuzweise eingeschnitten. Auf die Art kommt die Marinade schön überall hin.

Ein leckerer Gewürzmix:

  • 2 TL geräuchertes Paprikapulver
  • 2 TL Oregano
  • 1 TL Kreuzkümmel
  • Salz & Pfeffer nach Belieben
  • 1 Zimtstange (das war ne echte Überraschung für mich, vorsichtshalber nur ne halbe genommen)
  • 1 geriebene Zitronenschale, plus der ausgedrückte Saft

Das Ganze verrühren, bis ihr eine lecker riechende Paste habt:

Die massiert ihr dann in das Rindfleisch ein… nein halt, an dieser Stelle hab ich einen Fehler gemacht: Mister O. brät das Fleisch erst in der Pfanne an, das hatte ich in der Hektik vergessen. Es hat auch so geschmeckt, vielleicht kann man sich den Schritt also sparen.

Anschließend kommen da die grob geschnittenen Zwiebeln ran, zwei geschnippelte Paprika, zwei Dosen gestückelte Tomaten dazu sowie eine halbe Tomatendose voll Wasser. Alles gut verrühren. Die Chilischoten haben wir weg gelassen, damit das Ganze kinderkompatibel bleibt.

Jetzt wird „der Dopp“ auf die Bricketts gestellt, obendrauf auf den Deckel kommen ebenfalls noch welche. Ich hatte den Fehler gemacht und Billigbricketts genommen, die nach jeweils einer Stunde durch waren, und musste regelmäßig für Nachschub sorgen. Spart euch den Ärger und holt euch das gute Zeuch. Es gibt Bricketts, die halten 3-4 Stunden. Das ist es definitiv wert, das spart soooviel Stress.

Zwischendurch mal schnell in den Topf gelunst… boah sieht das gut aus! (c:

Fünf bis sechs Stunden soll das vor sich hin köcheln. Vollkommen ungewohnt für mich, so ne lange Zubereitungszeit. Zwischenzeitlich musste ich de Kids aus Kita und Schule abholen und war mal ne Stunde weg. Vorher noch schnell neue Bricketts nachgelegt.

Als wir dann wieder da waren, ging’s sofort zum Dopp. Deckel auf, und… ein Bild des Grauens: Alles total angebrannt! )c:

Mein Fehler: Ich hätte zwischendurch mal Wasser nachgießen müssen, um das Verdampfte auszugleichen. Gut, diese Lektion hab ich gelernt, das passiert mir nicht nochmal!

Das Schwarze da ringsrum auf dem Boden? Das war das Gemüse. (c‘:

Ich hab dann das noch zu rettende Zeug in der Mitte vorsichtig rausgenommen und mühevoll alles Schwarze einzeln mit nem scharfen Messer entfernt.Anschließend alles in einen (anderen!) Topf, und damit die …nennen wir sie „Röstaromen“ ein wenig abgemildert werden, hab ich Tomatenmark, kleingeschnittene Tomaten und einen Schwubbs Ketchup dazu gegeben. Damit schmeckte es dann wieder recht lecker.

Dazu gab’s ne Guacamole (Rezept ebenfalls im oben verlinkten Video von Jamie Oliver) und Reis. Saulecker!

Dieses eingebrannte Zeug ist übrigens die Hölle. Das kriegste selbst nach stundenlangem Einweichen kaum weggekratzt. Mit Spüli darfste nie an gußeisernes Kochgerät ran, das zerstört die Patina und lässt eure Schätzelein rosten. Also in warmem Wasser einweichen und dann schrubben was das Zeuch hält. Mit einem hölzernen Topfkratzer bekommt man viel weg, und dann gibt’s noch solche Topfreiniger aus geflochtenen Edelstahlringen. Quasi das Kettenhemd unter den Topfkratzern. Damit hat die Reinigung dann nur noch ne halbe Stunde gedauert. Geschieht mir aber auch recht…

Zweiter Versuch: Spare Ribs

Rippchen sollen ja auch total lecker sein, wenn man sie im Dopp zubereitet. Leckere Videos dazu gibt’s zuhauf, ich hab mich derzeit auf die Sauerländer BBCrew eingeschossen. Deren Rezept gibt’s im Buch, wer das nicht hat, kann das Video gucken.

Ich hab das für 6 Erwachsene und drei Kinder geplant, 6 Schweinerippchen sollten da reichen. Ich kenn‘ doch meine Pappenheimer. Dazu gibt’s einen Salat, Kräuter- und Knobibaguettes und Hamburgerbrötchen. Spoiler: Es blieb ein Rippchen und ne Menge Brot übrig.

Die Rippchen werden am Vortag trocken mariniert. Unsere Lieblingsgewürzmischung nennt sich „Magic Dust“. Das klingt zwar wie illegale Chemie aus Tschechien, ist aber vollkommen legal. Obwohl es verboten gut schmeckt. Googelt das mal, es gibt verschiedene Rezeptvarianten davon. Ich mische mir das selbst zusammen und habe davon immer 1-2 große Schraubgläser voll da. Für die Rippchen hab ich aus dem Bauch raus noch 3 EL geräuchertes Paprikapulver und 2 EL getrocknete Zwiebelflocken rangemacht. Und nicht bereut.

Die Paprika für’s Rezept kommen aus dem eigenen Garten, jedenfalls diesmal. Ich wollte die ja überwintern lassen, hatte dann aber ein massives Blattlausproblem und mit dem falschen Zeuch gesprüht, sodass die Blätter welk wurden und ich die Pflanzen wieder vor die Tür gestellt hatte. Wir sprachen darüber. Überraschenderweise hatten wir bisher einen sehr milden Herbst, sodass die Paprika schön nachreifen konnten.

Ein bissche schrumpelig waren sie, klar, aber hey – die kommen in den Topf, da sieht das später eh keiner mehr. Lecker waren sie trotzdem.

Die Kerne habe ich alle getrocknet und aufgehoben, denn diese Sorte („King of the North“) will ich 2022 wieder haben. Soviele werde ich nie im Leben brauchen, wer also mag, meldet euch. (c:

Vier große Gemüsezwiebeln in dicke Streifen schneiden…

…und den Dopp mit Schinkenspeck auskleiden. Die Rippchen sind jetzt einen Tag durchgezogen und riechen schon herrlich.

Die Rippchen werden aufrecht kreisförmig rein gestapelt, immer abwechselnd mit dem Gemüse. Ist alles drin, kann man noch großzügig BBQ-Soße oben drüber gießen.

Bricketts im Anzündkamin durchglühen lassen. Ich hatte beim normalen Grillen bisher auf so nen Kamin verzichtet, weil ich das für Schnickschnack hielt und das auch so problemlos hinbekommen habe. Feuer machen ist ja kein Hexenwerk.

Für so nen Dutch Oven will ich aber so clean wie möglich arbeiten, also ohne großes Anzünd-Tamtam. Einfach Bricketts in das Teil rein, ein paar Grillanzünder dazu und – zack! – 10-15 Minuten später ist das Zeug durchgeglüht.

Ein letzter Blick in den Topf – moann riecht das geil! – und los geht’s. 10 Bricketts untendrunter, Dopp draufstellen und 14 Bricketts auf den Deckel.

Jetzt heißt es 2,5 Stunden warten. Was überhaupt nicht schwer fällt, bei diesem genialen Herbstwetter.

Das ist für mich ne völlig neue Art des Grillens, wenn man das überhaupt so nennen kann. Weniger Stress, weniger Dreck (der mich beim Grillen nicht stört, wohlgemerkt), weniger Rauch (Haare und Klamotten riechen danach trotzdem, but… so what.), einfach toll.

Nach zweieinhalb Stunden sind die Bricketts größtenteils zerfallen. Es duftet fast von Beginn an herrlich, man hat also definitiv nen megamäßigen Appetit wenn das Gericht fertig ist!

Guckt mal wie das brodelt:

Wir wollen die Rippchen auf Burgerbrötchen essen, und wenn man die 1-2 Minuten auf das fertige Zeuch legt und den Deckel drauf macht, dämpfen die nochmal kurz durch und schmecken dann weeesentlich leckerer.

Tip: Wenn ihr euch so nen Dutch Oven holt, spart nicht am Deckelheber. Das Teil ist irre praktisch.

Das ist alles was am Ende übrig bleibt.

Ab damit auf den Tisch. Die Gäste warten schon und sind genauso gespannt wie ich…

Boah,… egal was ich jetzt schreiben täte: Es kommt nicht annähernd an das Live-Erlebnis ran! Der Geruch, der Geschmack… Soooo lecker! (c:

Die Knochen lassen sich ganz leicht raus nehmen.

Fleisch, Zwiebeln, Paprika und Bacon auf’s Brötchen, wer will noch ne Scheibe Käse drauf.

Der. Hammer.

Abends dann noch ein kleines Feuer in der Feuerschale, zum Ausklang. Perfekt.

Teil 3: Gulasch

Ich schrieb ja schon, dass so’n gußeiserner Dutch nur so mittelleicht zu reinigen ist. Vermutlich geht’s besser, wenn man nicht die Hälfte der Zutaten zu Kohle werden lässt, klar. Aber heute (Sonntag) kommen gleich die nächsten Verwandten zu Besuch, und wir haben Gulasch geplant. Da gestern Abend noch ne Menge Soße und ein Rippchen übrig blieb, hatte ich die Reste im Topf auf der Terrasse übernachten lassen. Selbst der stärkste Waschbär bekäme den schweren Deckel nicht auf, also muss ich mir dahingehend keine Sorgen machen.

Ich geh‘ das Gulasch-Rezept jetzt nicht im Einzelnen durch, da hat eh jeder seine eigene Variante. Wir haben das Fleisch nicht sofort in den Dutch getan, sondern erstmal in einem speparaten Topf mit Gemüse, Salz & Pfeffer angebraten.

Als es dann schön angebraten war, kam es in den Dopp zu den Resten von gestern. Durch das Marinieren mit dem Magic Dust und die Flasche BBQ-Soße waren die gestrigen Rippchen ja schön süßlich, und das sollte dem Gulasch ebenfalls gut tun. So jedenfalls der Plan…

Der Plan ging dann auch voll auf. Zweieinhalb Stunden später war’s soweit…

Ich hab noch nie einen so leckeren Gulasch gegessen.

Einiges Manko: Ich hätte 10 Minuten vorm Schluss nochmal ca. 200ml Wasser nachgießen sollen, denn die Soße war fast komplett eingezogen bzw. verdampft. Das hab ich dann nachgeholt, indem ich erst das Fleisch auf die Teller verteilt und den Dutch nochmal auf den Gasherd gestellt habe. Ne große Tasse kochendes Wasser rein, ordentlich umgerührt und bei mittlerer Hitze immer schön umgerührt. War ja noch jeden Menge Gulasch im Topf. Keine fünf Minuten später hatte ich genug Soße für alle. Natürlich durfte ich mir ordentlich Kritik für diesen faux pas anhören. (c:

Fazit: Dutch Oven ist geil. Den hätte ich mir schon vor Jahren zulegen sollen. Das waren jetzt drei Gerichte… In den beiden Kochbüchern sind jeweils 60 Rezepte, wenn ich das jetzt richtig in Erinnerung habe. Und dann gibt’s ja noch das Internet… Das wird lustig! (c:

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