Frühlingsgefühle in Brummehausen

Anfang März in Brummehausen: Der Schnee ist endlich* weg, die ersten Winterlinge, Märzenbecher und Schneeglöckchen blühen seit ein paar Wochen und endlich hört man wieder Vogelgezwitscher! Will heißen:

Es frühlingt!!1!!11!eins!1!!elf!!!

* nicht falsch verstehen: Ich bin froh, dass wir mal wieder einen sogenannten oder auch „richtigen Winter“ ™ hatten. Also so vong Schnee und Kälte her. Mehrere Wochen lang, nicht nur ein paar Tage. Ich bin definitiv mehr der Sommermensch, aber ich bin mir sicher dass so’n Winter, der seinen Namen verdient, gut für die natürlichen Kreisläufe ist, an die sich Flora und Fauna in Jahrtausenden angepasst haben. Die letzten 20, 30 Jahre sind die Ausnahme, auch wenn das für uns menschliche Eintragsfliegen inzwischen das neue Normal ist. Verdammisch, meine Kinder haben in ihrem bisherigen Leben jetzt vielleicht zum 2. Mal erlebt, dass es mehrere Wochen am Stück wintert… Hmpf. Aber hey, genug Trübsal geblasen, das will hier sicher keiner lesen!

Lasst uns stattdessen bissel in der Erde wühlen, das hilft bei mir zuverlässig gegen Miesepetrigkeit und ist nebenbei die einzige Variante, wo ich mich mal gerne mit braunem Dreck beschäftige. ….huch, Politik. Na sowas.

Erde also.

Aber Daniel, warum machst du jetze schon so nen Maurerbottich leer? Die Erde da drin sieht doch noch top aus! Ist dir langweilig?

Weil, aus Gründen. Geduld, junge Gartenjedis.

Wir sieben das erstmal aus. Ich weiß zwar, dass das quasi reiner Kompost ist, in dem 2025 lediglich ein paar Inkagurken wucherten und sonst keine Starkzehrer* weiter. Guter Stoff also. Ich weiß auch, dass diese Erde in diesen Kübeln ziemlich dicht bewohnt ist, und zwar mit den Engerlingen des Rosenglanzkäfers. Woher ich das weiß? Weil ich letztes Jahr ein Kastenbeet erneuern musste und darin 400 (jawoll, vierhundert) von den Gesellen gefunden habe. Guckst du hier.

* wobei: in reinem Kompost können bspw. fümpf Jahre hintereinander Tomaten – also Starkzehrer – wohnen, ohne dass ich irgendwelche Mangelerscheinungen bemerkt habe; ich hab nach 5 Jahren lediglich ein schlechtes Gewissen bekommen und die Kübel auf der Terrasse einmal komplett umkompostet.

Aus diesem einen Kasten auf dem Foto oben habe ich ca. 3 Dutzend Engerlinge gerettet. Die kann ich für das, was ich mit der Erde vorhabe, eher nicht so brauchen – ihre Hinterlassenschaften aber schon: Die Kerlchen ernähren sich nämlich von totem Holz, und wie ihr seht, sind im Kompost haufenweise kleine Stöckchen drin. Viele stammen von den Holzhackschnitzeln, mit denen ich die Beete mulche*, und irgendwann landet ein Teil des Mulchs wieder auf dem Komposthaufen-

* wer’s noch nicht kennt, Mulchen ist einer der Top 5 Gamechanger beim Gärtnern. Kannste gar nicht oft genug wiederholen…

Na jedenfalls mampfen die Kerlchen das Holz, und hinten kommen kleine Köttel raus, die ich als braunes Gold bezeichnen würde: Besteste Erde. So ungefähr wie die Regenwurmkacke, die manche Leute angeblich sogar mühsam einsammeln, weil das Zeuch so gesund für’s Grünzeug ist. Kannste jeden fragen. Die allwissend Müllhalde zum Beispiel:

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich will diese Erde für die bevorstehende Anzucht verwenden. Und da müssen die Engerlinge halt ausziehen. Deshalb sortiere ich die vor dem Sieben vorsichtig und gründlich aus.

Ein kleiner Teil der gesiebten Erde kommt in solche runden (und dank Beschichtung innen wasserdichten) Pappschachteln, die man sich im Supermarkt an der Salatbar füllt. Ich werfe die nicht weg, sondern wasche sie aus und verwende die dann als Pflanzschale, denn der praktische transparente Deckel lässt die Sonne durch und sorgt für gleichbleibende Feuchtigkeit, weil nix verdunstet. Idealbedingungen für diverses Saatgut. Dabei isses natürlich wichtig, dass die Erde nicht zu nass und nicht zu trocken ist.

Auf jeden Fall sind das prima Minigewächshäuser, und da kommen jetzt Zwiebelsamen rein:

Warum gerade heute Zwiebeln, dazu später.

Brummscher Lifehack

Der größte Teil der gesiebten Erde kommt aber in solche flachen Eurobehälter (oben links & mitte im Bild). Die lasse ich im Garten, an geschützten Stellen, wo kein Nachtfrost, wohl aber die Frühlingssonne hin kommt – und zwar ohne da irgendwas rein zu sähen:

Warum? Weil, wenn’s jetzt milder wird, alles was an wilden Samen in der Erde wohnt, beginnt wie blöde zu keimen.

Und dann von mir eiskalt weg-gemeuchelt wird. Muhahar!

Aber Daniel… warum?

Weil ich mir so spare, meine Anzuchterde zu dämpfen. Gut, ich hab dann immer noch das Problem mit den Trauermücken, aber dagegen gibt’s Nematoden. Das Dämpfen der Erde hat gleich zwei große Nachteile:

Erstens tötet es nicht nur Unkrautsamen und Trauermückenlarven ab, sondern einmal komplett das gesamte Biom – also alles was in dieser Erde lebt. Die ist dann halt steril – also tot. Das mag OK sein, denn die Nährstoffe sind ja noch drin, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass eine „lebendige Erde“ für die Pflanzen irgendwie besser ist als eine, in der alle biologischen Kreisläufe durch Erhitzen bis zur Lethalität gestoppt wurden. Belegen kann ich das nicht, vielleicht gibt’s da ja Studien, aber manchmal erlaube ich mir eben, auf den Bauch zu hören.

Zweitens müsste ich das Dämpfen mangels Erdedämpfspezialgerät im Backofen machen, also indoor. Ich mag den Geruch gedämpfter Erde zwar, bin damit aber allein in der Familie – die restlichen Brummes hassen „den Gestank“. Tja…

Zurück zum eiskalten Meucheln

Wenn da jetzt alles mögliche und unmögliche drin keimt und ich das fleißig entferne (die Kaninchen freuen sich über so zartes Grünzeug!), dann hab ich in ein paar Wochen, wenn ich das Zeuch brauche, unkrautfreie Erde, ohne dafür alles Lebendige massenmorden zu müssen.

Das mag jetzt trivial klingen, aber für mich war das ein ziemliches Aha!-Erlebnis, als mir das vor ein paar Jahren aufging. Ich war/bin einigermaßen stolz, dass ich da selbst* drauf gekommen bin, und seitdem ist das meine bevorzugte ich-mach-mir-unkrautfreie-Anzuchterde-Methode.

* das meiste Gartenwissen hab ich aus diesem einen Videoportal, aus Büchern oder der WurzelwerkGruppe.

Klar, man braucht ein paar Wochen Vorlauf und muss rechtzeitig dran denken… aber es macht wenig Mühe und kostet nix. Probiert’s mal aus!

Spontane Knobi-Aussaat

Heute war nicht nur Pflanzzeit, sondern auch Wurzeltag (Stichwort Maria Thun und so), das war der Grund, warum ich die Zwiebeln gesät habe. Aber ich hatte im Gartenhaus noch ne Handvoll 2025er Knobiblüten mit Brutzwiebeln stehen:

Aus denen wachsen im ersten Jahr sogenannte Rundlinge, also kleinere Knobizehen, die noch nicht unterteilt sind. Erst im zweiten Jahr werden die bekannten Knobizehen da draus. Ihr könnt Knoblauch aber problemlos schon als Rundling ernten, wenn ihr wollt – die sind halt nur’n bissel kleiner.

Normalerweise soll man Knobizehen ja in die Erde stecken, bei Brutzehen gilt vermutlich derselbe Rat. Das war mir bei dem kleinen Gekröse heute aber zuviel Arbeit… und, mal ehrlich: In freier Wildbahn fallen die doch auch einfach runter auf die Erde, da buddelt die auch keiner ein. Also hab ich die „in freier Wurftechnik“ einfach breitwürfig ins Erdbeerbeet und in ein paar Maurerkübel gestreut. Mal sehen ob da was passiert, ich werde berichten.

Ne ganze Menge von den Brutzwiebeln hab ich in dieses Kastenbeet fallen lassen, das ungefähr so groß wie ne Europalette ist (also 80×120 cm).

Da wohnen jetzt schon ne Menge Feldsalatbabies drin, die haben hier erfolgreich überwintert und vertragen sich gut mit Zwiebelgewächsen. Später kommen hier noch Stangenbohnen rein und vielleicht die eine oder andere Tomate. Mischkultur eben, gehört wie das Mulchen zu den wirklich, wirklich coolen Gamechangern im Garten!

Kommt ruhig mal näher ran, die beißen nicht! (c;

Wenn ihr nämlich genau hinguckt, erkennt ihr hier und da diese kleinen, fast schwarzen, reiskornähnlichen Köttel. Das ist die oben erwähnte Käferkacke. Ich sag ja: Beste Erde.

Übrigens wohnten in diesem Kastenbeet über den Winter auch jede Menge kleiner Baquieu-Babies. Aber dieses Jahr haben die erstmalig den Winter nicht überstanden… Ich hab den Baquieu zwar bisher immer als winterfeste Sorte erlebt* und hier im Blog auch angepriesen, aber dieses Jahr… ups. Man lernt halt nie aus. Und das ist auch gut so.

* die Salate überlebten in vielen Wintern schon mehrere Wochen Kahlfrost und kommen auch damit klar, wenn sie lange Zeit unter ner geschlossenen Schneedecke liegen

Schluss für heute

Mehr gibt’s vorerst nicht zu berichten, aber die Gartensaison geht ja gerade erst los – keine Sorge, die nächsten Vorzucht-Postings kommen bald. Ich hab nämlich diese Woche die Tomaten für dieses Jahr gesät: 30 Sorten, über 200 Samen… woopsie. Wir eskalieren also wieder fröhlich vor uns hin.

Und damit das hier kein trauriger flauschloser Artikel wird, hier noch’n Schnappschuss der Nachbarskatzen:

Sobald ich mich irgendwo im Garten werkel, sind die beiden da und beobachten mich. Sehr zum Leidwesen der brummschen Miez, die ihr Revier gegen die beiden Schwestern zu behaupten versucht.

Aber irgendwas ist halt immer.

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