
Der 19.11. ist ja Buß- und Bettag, und ich frage mich da immer, wer außer mir noch daraus einen „Beet-Tag“ macht.
Aber Daniel, was bitte machst du Mitte November denn noch im Garten?
Nicht mehr viel. Aber bissel was geht schon noch. Kommt, ich zeig’s euch.
Herzlich willkommen beim brummschen Wintergärtnern
Auch wenn’s doof klingt, aber wir sind gerade in der Pflanzzeit. Maria Thun-Gärtner wissen was ich meine, Stichwort „Gelbes Heft“. Die 2026er Ausssaattage sind schon bestellt. Von allen – und damit meine ich wirklich allen – meinen Gartenbüchern (hier ne Auswahl) ist dieser jährliche Gartenkalender das wichtigste Stück Gartenliteratur. Die Grundlage ist eher esotherisch und damit eigentlich so gar nicht meins, aber meine Experimente haben mehrfach und jenseits jeden Zweifels bestätigt, dass das irgendwie funktioniert. Ich hab keine Erklärung dafür und nehme das achselzuckend so hin. Der Erfolg gibt dem Kalender recht.
Wie gesagt, Pflanzzeit. Und heute ist ein „Blatt-Tag“, also widmet man sich da allem Grünzeug, bei dem es hauptsächlich um die Blätter geht. Gartensalate, Kohlse, Rucola, Feldsalat, etc. Mein Ziel für heute: Einige der mehreren hundert (vielleicht tausend – hab nicht nachgezählt) Baquieu-Babies zu vereinzeln, die ich euch vor exakt einem Monat gezeigt hatte.
Hier mal ein paar vorher/nachher Vergleiche, damit ihr seht, was von Mitte Oktober auf Mitte November passiert ist:
Beet 1


Beet 2


Deutlicher Fortschritt, aber so richtig viel isses nicht – kein Vergleich zum Frühling, wenn alles explodiert – da hast du dieses Wachstum innerhalb von 2-3 Tagen. Aber für diese Jahreszeit finde ich das trotzdem beeindruckend. Und davon abgesehen: Die Beete lägen jetzt nach der Ernte ja eigentlich leer. Also ist alles, was da jetzt den Boden bedeckt, schon mal cool.
Na jedenfalls sind das die Baquieu-Babies, um die es geht. Genauer gesagt nicht exakt diese, sondern die in einem der Kastenbeete. Auch hier ein lohnt ein vorher/nachher Vergleich.


Ihr seht: Da ist so ne Art essbare Wiese entstanden… nur dass ich da niemalsnich drauftreten täte, versteht sich. Schon im Oktober sah man deutlich dass ich geringfügig zu dicht gesäht habe, aber das war mir schon klar, als ich breitwürfig mit Saatgut am Eskalieren war. Wenn ich nämlich eines im grotesken Überfluss habe, dann Salatsaatgut.
Baquieu zu verschenken
Nebenbei: Wer in Chemnitz und Umgebung gärtnert und Baquieu Jungpflanzen will, melde sich und wir machen gern einen Abhol-Termin aus. Saatgut hätte ich auch noch – die diesjährige Samenernte hatte ja so um die 190 Gramm – und damit ca. 175.000 Samen eingebracht. Der Salat ist winterhart und kann auch jetzt noch verpflanzt werden, idealerweise sollte es dazu natürlich frostfrei sein.
Was es heute erstmal nicht war. Wir hatten nämlich Nachtfrost:

Das ist erstmal doof, denn bei gefrorenem Boden verpflanzt es sich nur so mittelgut. Ergo hab ich den Vormittag über erstmal im Garten aufgeräumt.
Zeit schinden bis der Frost weg ist
Die Hälfte der Tomatenpflanzen standen noch, doch die haben mehrfach nächtens Frost abbekommen und waren nicht mehr genießbar. Aber für die Saatgut-Ernte ist das kein Problem, also hab ich von ca. 10 Sorten die matschigen, teilweise vergorenen Tomaten abgenommen und auf Küchenkrepp ausgedrückt. Jetzt liegen sie auf dem warmen (aber nicht heißen) Kachelofen und trocknen.
Anschließend kommen sie in die brummsche Samenbank. Die platzt schon länger aus allen Nähten, also werd‘ ich mir demnächst wohl oder übel Kiste Nr. 3 zulegen müssen.

Und falls sich jetzt wer fragt, wo ich diese geilen stapelbaren und stilvollen Holzkisten her habe: Die gibt’s im Hornbach. Findet ihr in verschiedenen Maßen, wenn ihr nach „Aufbewahrungskiste Holz stapelbar“ sucht. Meine ist die hier.
Planungsfehler und ihre Folgen
Unser kleiner Walnussbaum hat 2025 erstmalig zwei Nüsse getragen. So langsam kommt der ins Wachsen – dieses Jahr hat er gut zugelegt und ich habe das Laub erstmalig separat gelagert. Walnusslaub hat ja zu viele Gerbstoffe und sollte nicht auf den Kompost. Das wird mal ein ziemlicher Riese, und es ist jetzt schon klar, dass das große Gemüsebeet dort auf Dauer nicht bleiben kann.
Aber Daniel, warum steht der denn ausgerechnet direkt neben dem Gemüsebeet?!?
Tja…
Der Baum wurde zur Geburt unseres 2. Kindes gepflanzt*, leider ohne zu bedenken, dass er mal sehr, sehr groß werden wird. Für’s Umpflanzen isses jetzt zu spät, die Pfahlwurzel geht vermutlich 1 Meter oder tiefer in den Boden. Aber hey, ich hatte immerhin Hilfe beim Laub aufsammeln. (c:
* kennt ihr diese Zeitform? „wurde gepflanzt“ – das ist ein sogenannter passiver Exkulpativ. Damit weist man Verantwortung bzw. Schuld an etwas diskret von sich. Haste bspw. häufig in Zeitungsartikeln, wenn es um Unfallhergänge geht. Dort ist dieses widerliche Konstrukt auch gern in seiner aktiven Form anzutreffen: „Der Fußgänger geriet unter den Wagen“ statt „Der Autofahrer überfuhr den Fußgänger„. Mit anderen Worten: ICH hab die Walnuss dort hingepflanzt, in völliger Missachtung jeglicher Gartenplanung. Zu meiner Entschuldigung: Ich war gerade Vater geworden und hatte anderes im Kopf als langfristige Folgen meines gärtnerischen Tuns.

Zurück zum heutigen Pflanztag
Nach dem Mittag war’s dann so um die 5°C „warm“, der Boden aber stellenweise immer noch oberflächlich gefroren. Länger konnte ich beim besten Willen nicht mehr warten, also los.
Schritt 1: Ein paar Schollen mit Jungpflanzen aus dem Salatteppich heben und vo-hor-sich-tig in die Pappschalen tun. Mir war nicht bewusst, wie wichtig diese Arbeit ist – das habe ich erst realisiert, als meine Kontrolleurin eintraf und genau inspizierte, wie ich arbeitete. Sie hatte nichts zu bemängeln, also hab ich mich wohl nicht allzu blöd angestellt. Immerhin.

Ich hab insgesamt 8 solcher Schalen ausgebuddelt, vereinzelt und eingepflanzt. Unter anderem in diese Pflanzsäcke hier:

Da ist frischer Kompost drin, und ja: Diese Filzsäcke frieren im Winter so richtig komplett durch. Da kann ja von allen Seiten die Kälte ran. Ich hatte das letzten Winter mal ausprobiert – mit schockierend guten Ergebnissen: Die Salate haben nicht nur überlebt – im Frühjahr explodierten die wie ihre Geschwister in den anderen Kasten-, Hoch- und ebenerdigen Beeten. Scheinbar macht denen die durchgefrorene Erde nix aus.

Wie ihr seht, hab ich immer mehrere Salate in „Clustern“ eingesetzt. Das ist eigentlich zu eng, ging aber schwer anders, da die einzelnen Jungpflanzen noch sehr zart sind. Außerdem ist die Erde um die Pflämnzchen herum noch leicht gefroren – was gar nicht mal schlecht war, denn so konnte ich immer kleine Batzen abbrechen und im Ganzen einpflanzen. Vermutlich werden ein paar Pflanzen am Batzenrand das nicht überleben, aber dafür bleiben die in der Mitte relativ ungestört. Mal sehen ob mein Plan aufgeht.
Die Wichtelkästen bekommen ebenfalls Salat ab.

Und zwar alle drei. In meinem Kopf schaue ich denen schon vom Wohnzimmerfenster aus beim Wachsen im Winter zu… (c:

Das für’s Umpflanzen eigentlich übliche Angießen hab ich mir erspart, denn die Erde ist schon gut feucht und ich hatte Bedenken, dass sie zu nass würde, was bei Nachtfrösten dann evtl. doof wäre.
Am Ende der Umpflanz-Aktion hatte ich zwar ein paar Löcher im Ess-Rasen, aber die wurden einfach mit Kompost verfüllt:

Es ist immer noch mehr als genug zum Verschenken da. Meldet euch gern.
Möhren ernten
Letzter Punkt auf der heutigen brummschen Gartenliste: Die Möhren. Zwei Reihen stehen noch im Beet, und am liebsten würde ich die ja drin lassen und nur bei Bedarf ernten. Aber falls es demnächst mal so richtig knackig kalt wird, will ich nicht riskieren, dass die mir alle erfrieren. Wäre echt schade drum!
Also haben wir erstmal eine Reihe ausgebuddelt. Die Großen ins Eimerchen, die Kleinen ins Kaninchen.

Ganz ehrlich, seit wir die beiden Zwergkaninchen haben, ist der Effizienzgrad des Gartens mehrfach upgelevelt. Wisst ihr wie viele Küchenabfälle jetzt nicht mehr auf den Kompost, sondern in den Hasen-Napf kommen? Wo wir früher Löwenzahn gejätet hatten, freuen wir uns heute über jedes Blatt. Giersch ist kein Unkraut mehr, sondern eine Leckerei für die beiden Fellnasen. Es bewahrheitet sich wiedermal die alte Gärtner-Weisheit: „Das beste Mittel gegen ein Unkraut ist ein Rezept.“ …oder so.
Na jedenfalls haben wir erstmal nur eine Reihe Möhren geerntet. Diejenigen, die zu klein zum Selberessen, aber zu groß für die Kaninchen waren, hab ich experimentell wieder eingepflanzt:

Ich weiß natürlich dass Wurzelgemüse es hasst, verpflanzt zu werden, daher hab ich extrem vorsichtig gemacht. Und diesmal mit deutlich mehr Abstand zueinander. Ich bin gespannt, ob die a) wieder anwachsen und b) wie sie sich über den Winter machen. Nebenan auf’s Wirsingbeet sind auch noch ein paar eingezogen, die wohnen jetzt neben den ebenfalls dort verbuddelten Knobizehen:

So, fertsch.
Mehr ist gartentechnisch nicht passiert. Reicht aber auch für einen Tag, nebenbei gab’s ja noch bissel was anderes zu tun.
Ihr habt wiedermal fein durchgehalten, danke dafür. Zur Belohnung noch ein Schnappschuss meiner beiden Helfer:

Und die Erinnerung an das Angebot, Baquieu-Jungpflanzen hier vor Ort abzuholen. Meldet euch im Kommentar oder mailt an info@derbrumme.de wenn ihr vorbeikommen wollt.