Überwintern im Gartenhaus

Nein, keine Sorge, ich bin nicht zuhause rausgeflogen und musste ins Gartenhaus ziehen. Es geht natürlich um’s brummsche Grünzeug und dessen Verbleib in der kalten Jahreszeit.

Das brummsche Gartenhaus ist jetzt nämlich offiziell VOLL. Aber so richtig. Man sieht’s schon von außen, siehe oben, und man sieht’s von innen, siehe unten:

Gäste in der brummschen Hütte

Kommt, ich nehme euch mal mit auf eine Achtzehnsekundentour. Bitte aufpassen wo ihr hintretet, es ist derbe eng da drinnen!

Aber Daniel, was ist denn das jetze alles für Grünzeuch???

Sag ich euch gern.

Paprika

Ich habe gestern (Samstag) drei 90L-Kübel und drei 10L-Eimer mit Paprikapflanzen reingeräumt, die alle noch viele und teilweise auch große Früchte dran haben. Einige von denen werden „schon“ rot, aber realistisch betrachtet wird das im November nüscht mehr, jedenfalls im Freiland. Ich behaupte mal, das lag vor allem an der zweiten Sommerhälfte, die war einfach zu kalt und nass. Das hat den Südfrüchten wie Paprika und Tomaten gar nicht gefallen. Aber hey, wenigstens hatten wir 2022 keine Braunfäule wie im Vorjahr.

Im Gartenhaus dagegen? Dort könnte es mit dem Nachreifen vielleicht noch klappen. Die Eimerpaprikas sind schon Anfang Oktober eingezogen, und einige von denen erröten jetzt:

Der Mangold im rechten Eimer hat sich selbstverständlich selbst ausgesät. Aber das überrascht wohl keinen.

Jetzt wird sich zum ersten Mal zeigen, ob das mit dem transparenten Dach tatsächlich so funktioniert wie erhofft: Tagsüber wird’s da drin bei Sonnenschein angenehm warm und wie man sieht, werden einige Paprika tatsächlich noch rot! Spannend werden die Nachttemperaturen, denn die Hütte ist natürlich nicht isoliert und verliert die Wärme nachts wieder. Die Temperaturspannen sind also sogar noch größer als draußen. Mal sehn wie die Pflanzen damit den Winter über klarkommen. Im Idealfall ertragen sie die Nachtkälte und nutzen gleichzeitig die wärmeren Tagestemperaturen, um die Früchte noch reif werden zu lassen.

Ich habe 2021 einen selbstgebauten Teelichtofen aus Terrakottablumentöpfen geschenkt bekommen, den werde ich demnächst mal ausprobieren. Aber da muss ich mir noch eine sichere – und das heißt vor allem feuerfeste – Unterlage bauen, damit ich das Teil aufstellen kann, ohne schlaflose Nächte zu haben. Mal sehn ob diese Dinger wirklich so gut als Frostwächter funktionieren wie überall angepriesen. Eine elektrische Heizlösung kommt für mich jedenfalls nicht in Frage.

Einige Paprika müssen leider trotz fortschreitender Errötung weg, die haben durch Kälte und/oder Schädlinge schon zu sehr gelitten. Vielleicht können wir hier noch ein paar Stellen ausschneiden und essen, aber hängen lassen ist keine sinnvolle Option mehr, da würden sich die Schadstellen nur noch mehr ausbreiten:

Die Frucht dieser Corno di torro rosso ist mehr oder weniger reif, beginnt aber zu vertrocknen, wird also vermutlich nicht mehr so dolle lecker schmecken. Ich werde trotzdem kosten und natürlich die Samen ernten, falls ich die Pflanze nicht durch den Winter bekomme.

Spannend: Diese Paprika der Sorte Oda steht im Freiland, direkt nördlich neben dem Gartenhaus – wird also bis zum späten Mittag von selbigem verschattet. Kein optimaler Standort, aber trotzdem reifen da tolle große Früchte. Ich traue mich nicht, die Pflanze jetzt noch umzutopfen und ins Gartenhaus rein zu holen, weil ich vermute dass der Umzug mehr Stress-Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Ich hoffe einfach mal, dass die noch rechtzeitig reifen, und vielleicht setze ich die Pflanze nach der Ernte noch mit rein, mal sehen.

Physalis

Und was steht noch in der Hütte?

Zwei große und drei kleine Physalisse zum Beispiel. Die beiden großen haben den letzten Winter im Haus verbracht und standen im Hauswirtschaftsraum. Wir haben sie geraaade so über den Winter gebracht und mehrfach Blatt- oder Wollaus-Invasionen abwehren können (mit Seifenwasser oder Natron-Knobi-Sud abgesprüht). Mal sehn ob das im Gartenhaus besser klappt. Ich hab heute zwei reife Früchte probiert – die haben um Welten besser und intensiver geschmeckt als die Physalis ausm Supermarkt. Wie immer. Physalis sind überraschend kältetolerant, das haben mir in den letzten Jahren viele Freilandexemplare gezeigt, die bis weit in den Winter vital geblieben waren. Das wird vermutlich das spannendste Gartenhausüberwinterungsexeriment von allen.

Die beiden großen Physalis hatte ich im Frühjahr nach dem Überwintern verschnitten und dann zu Pfingsten rausgesetzt (guckst du hier, im ersten Drittel des Artikels).

Drei der vier Geiztriebe sind richtig gut angewachsen. Leider sind sie nicht so gewachsen wie erhofft, aber das kann ja im nächsten Jahr noch kommen. Dann bekommen sie auch größere Gefäße. Jetzt haben sie die letzten halbwegs guten Plätze neben den Paprika bekommen:

Chilis

Oh, fast vergessen: Ein halbes Dutzend Chilipflanzen in verschiedenen Stadien von „mopsfidel“ bis „sterbender Schwan“ tummeln sich ebenfalls noch da drinne.

Ich hab gestern (Samstag) bei allen Pflanzen die Schoten abgeerntet, bis auf die Pflanze im großen flachen Kübel, das ist die eine Ungeschädigte, die keinen Überwinterungsversuch in die Wohnung erdulden musste. Jetzt muss ich mir Gedanken machen, wie ich die Chilis weiter verarbeite:

  • Trocknen?
  • Einlegen?
  • bei Vollmond tanzend im Garten vergraben?
  • Tee draus kochen und in Selbstverteidigungssprühflaschen füllen?
  • …?

Ideen, anyone? Her mit euren Lieblingsrezepten! (c:

Nachts wirds draußen kälter…

Ich hab jetzt endlich ein zweites Min/Max-Thermometer, sodass ich in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Innen- und Außentemperaturen vergleichen kann.

Der erste Test am Samstag Abend kurz vor 17 Uhr zeigt einen deutlichen Temperaturunterschied: Drinnen 10,5°C, draußen 6,8°C. Das hat aber nix zu sagen, denn die Sonne ist gerade erst untergegangen – will heißen: Die Abkühlung geht gerade erst los und die Luft drinnen ist noch warm. Sonntag früh wird’s spannend, wenn die Nacht vorbei ist und die Sonne noch nicht lange genug scheinen konnte, um temperaturtechnisch was zu reißen.

Bedeutet aber, dass ich am Sonntag früh aufstehen und nachgucken müsste. Man beachte den Konjunktiv.

Ha, eisenhart wie ich bin hab ich’s durchgezogen und so früh wie menschenmöglich den Temperaturunterschieds-Check gemacht!

Kurz nach halb Neun, an einem Sonntag also quasi noch mitten in der Nacht hab ich mich aus dem Bett gequält und bin zum Gartenhaus gewankt. Jaja ich weiß, ich bin ein harter Hund.

Also: Halb neune ist die Sonne bei uns noch nicht „rum“, kann also das Gartenhaus noch nicht nennenswert aufwärmen. Der aktuelle Temperaturunterschied zwischen Innen und Außen beträgt nur ein Grad (4,5°C innen vs. 3,4°C außen). Zum kältestens Zeitpunkt, vermutlich in den frühen Morgenstunden, waren’s immerhin 1,7°C Unterschied (3,3°C innen vs. 1,6°C außen), aber ich behaupte mal, dass es keinen großen Unterschied machen wird, ob das Gartenhaus nun 1,1 oder 1,7 Gräderiche halten kann.

Mit anderen Worten: Im Winter isses da drinnen nachts tatsächlich so kalt wie draußen. Gut dass wir das mal geklärt hätten.

Aber!

Ich werde noch die Lücken zwischen den Acrylplatten des Daches und den Dachträgern abdichten, dann kann nachts da oben deutlich weniger warme Luft entweichen. Diese Lückenfüller hatte ich Ende Frühling extra wieder entfernt, damit es tagsüber nicht zu warm wird. Das war auch bitter nötig, denn bei 26°C draußen hatten wir dank Sonnenschein im Gartenhaus durchaus mal über 40°C. Aber jetzt will ich jedes Grad drinnen halten. Ich ergänze hier ein Update, wenn ich neue Erkenntnisse habe.

Bonusfotos: Sonne + Regen = Pure Magie

Themenwechsel:

Am Samstag Mittag hatten wir strahlenden Sonnenschein plus Regen – gleichzeitig. Sowas ist ja recht selten. Den ersten Sonnenschein-Regenschauer hatte ich um wenige Sekunden verpasst und konnte „nur noch“ diesen tollen Moment festhalten:

Eine halbe Minute später kam der Regen nochmal zurück, aber ordentlich:

Ach hier kommt, einen Schnappschuss habsch noch… Wie immer werden die Fotos der Wirklichkeit nicht gerecht, aber das kennt ihr ja.

Ich hab’s jetzt schon wasweißichwieoft geschrieben: Ich liebe diese Farben!

One response to “Überwintern im Gartenhaus”

  1. […] messen kann, wieviel Gräderiche es die Nacht über da drinnen wärmer bleibt als draußen. Wir sprachen darüber. Die Verpackung hat ne ideale Größe für eine kleine Laterne, und der Karton ist sehr schön […]

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