Tomatensoße einkochen

Das Ganze ist schon wieder Wurzelwerk-inspiriert, wie schon die gestrige Geschichte mit dem Tomatenleder. Mit dieser Truppe wird’s einfach nie langweilig! (c:

Diesmal war’s Wurzelwerkerin Maika Jo, die uns Fotos ihrer Tomatenschwemme zeigte, uns auf einen siebenminütigen Rundgang durch das wohl genialste Tomatengewächshaus aller fünfeinhalbtausend Wurzelwerker mitnahm (ehrlich Leute, ich werde nie wieder das Wort “Dschungel” für mein Beet verwenden, nachdem ich das dort gesehen habe!) und die dann WIP*-Bilder ihrer Tomatensoße zeigte.

* Work In Progress, oder wie der Sachse sagen würde: In dor Mache

Der Clou an ihrer Zubereitungsvariante ist, dass die Zutaten grob geschnippelt erst einmal auf’s Backblech oder in die Auflaufform kommen und dann im Backofen erst 30 Minuten bei 160°C Umluft und dann nochmal 2-3 Stunden bei 110°C einreduzieren. Dabei wird die oberste Schicht leicht schwarz, es kommen also Röstaromen dazu.

Vielleicht ist das für alte Tomatensoßenhasen lapidar und nix Neues, für mich jedenfalls war’s komplett neu. Das wollte ich uuunbedingt ausprobieren, und das hab ich jetzt auch gleich:

Zutaten frei Schnauze, daher kann ich euch kein genaues Rezept geben. Was auf dem Foto fehlt, sind die Zwiebeln. Die hab ich geviertelt und dann die Schalen separiert, sodass sie sich möglichst fein verteilen. Der getrocknete Rosmarin wurde später noch durch vier frische Zweige ersetzt.

Über das Backblech kommt dann noch Rohrzucker drüber; ich hab für’s Blech zwei und für die Auflaufform einen gehäuften Esslöffel drüber gestreut. Die Tomaten sind dieses Jahr dermaßen süß, ich hätte den Zucker nachträglich betrachtet auch weglassen können.

Salz & Pfeffer kamen erst später dazu, als ich alles aus Blech & Form in einen großen Topf gegossen hatte.

Hier nochmal ein bisschen eye candy, kitchen porn oder wie auch immer ihr das nennen wollt. Eigentlich ist das schon wieder so’n Fall für hochauflösendes Desktop Wallpaper! (c:

Nach ner Weile im Ofen sieht das dann nicht mehr so Lecker aus wie “in frisch”, aber wenn ihr den Duft riechen könntet…. boah was ist das lecker! (c:

Wichtig: Rührt aller halben Stunde oder so mal um, damit das Gargut nicht zu schwarz wird. Wäre schade drum!

Nach einer halben Stunde reduziert ihr die Temperatur von 160°C auf ca. 110°C, und lasst das Ganze nochmal ca. 2-3 Stunden im Ofen. Ich hab’s nach zwo Stunden rausgenommen.

Jetzt ab in einen Topf damit und nochmal aufkochen. Dabei die Gewürzzweige (bei mir Rosmarin und Majoran) rausfischen. Wer lieber Ketchup mag und keine stückige Tomatensoße, könnte das Ganze noch pürieren und – wenn’s ganz sämig sein soll – durch ein Sieb drücken. Will ich aber nicht, wir Brummes mögen unsere Tomatensoßen nämlich schön stückig. Verbesserungspotenzial beim nächsten Mal: Ich werde die Rosmarinnadeln vorher mit dem Wiegemesser klein hacken, die bleiben nämlich unangenehm hart.

Spätestens jetzt, während das nochmal aufkocht – fuffzehn Minuten waren’s bei mir ungefähr – die Gläser und Deckel sterilisieren. Die Soße wird dann ja möglichst kochend eingefüllt, also kommt’s hier ein bissel auf’s Timing an.

Die Gläser kommen anschließend in den Einkochautomaten (mach ich zum allerersten Mal, hab das Teil vor ein paar Wochen neu gekauft) und sollte dort – je nachdem, wo man im Netz nachliest soundso lange bei soundso viel Grad einkochen. Ich hab 95°C und 45 Minuten gewählt, das ist tendenziell eher lange. Manche raten nur zu 20 Minuten bei 90°C…

Dazu fiel mir spontan noch ein Effizienz-Lifehack ein. Vielleicht ist ja auch das wieder ein alter Hut unter den Einkochprofis, keine Ahnung. Ich bin jedenfalls selbst drauf gekommen und sehr stolz auf meinen Effizienzbooster: Das heiße Wasser, mit dem ihr die Gläser sterilisiert, kippt ihr nicht einfach weg, sondern [Trommelwirbel] gießt es in den EKA! Damit muss der nämlich nicht bei Null anfangen zu heizen, und ihr spart ne Menge Energie. Cool, oder? Na, binnich ein KV* oder nich?

* KV (Ka-Vau gesprochen. Wie auch sonst?) steht für Cleverer Fuchs. Ja ich weiß… (c;

Dieser Spartip funktioniert natürlich besser, je enger ihr das Sterilisieren und das Einfüllen zeitlich beieinander habt. Wenn das Wasser in den Gläsern nur noch laububs ist, war das Ganze fast schon wieder für die Miez. Aber wenigstens hättet ihr dann noch das Wasser doppelgenutzt, auch wenn die schöne Energie verschwendet ist. Also: Zammnemm und offbassn! (c;

So, jetzt noch ein Foto vom fertschen Backblech, so wie’s aus’m Ofen kommt nach gut zweieinhalb Stunden:

Ich wiederhole mich sehr gerne und schwärme euch nochmal vor: Dieser Geruuuuch! (c:

Beim Einfüllen in die Gläser unbedingt einen Einfülltrichter verwenden! Lasst ihr den weg, werden die Glasränder besudelt und die Chancen steigen, dass euch die Gläser später schlecht werden. Das wäre der Supergau. Also: Immer schön die Ränder sauber halten! Legt euch Küchenkrepp hin und wischt sofort & diszipliniert jeden Spritzer weg, danach sofort zuschrauben.

Anschließend ab in den EKA damit. 95°C und 45 Minuten, wie oben erwähnt. Danach rausnehmen, abkühlen lassen, ein fotogenes Fleckchen finden und für’s Familienalbum knipsen. Oder für den Whatsapp-Status zum Angeben. (c;

Ich war ziemlich überrascht, dass aus den vielen Zutaten am Ende nur drei kleine und zwei große Gläser wurden. Die Großen sind standardgroße Gurkengläser – das ist ungefähr die Menge, die wir Vier für ein ordentliches Nudelessen brauchen.

Für fünfeinhalb Stunden Arbeit ist das nicht wirklich viel Ergebnis. OK, ziehen wir mal zwei Stunden ab, in denen das Zeug im Ofen war und ich mich mit anderen Dingen beschäftigen konnte (Fotos und Texte für diesen Artikel zurecht machen und entspannt Kaffe & Pflaumenkuchen genießen), dann ist die Bilanz nur noch halb so schlecht. Aber immer noch nicht wirklich gut. Deshalb muss ich beim nächsten Mal einfach mehr machen, damit sich der Aufwand ringsrum auf mehr Gläser verteilt. Siehe Fazit, Punkt Fümpf.

Der letzte Rest passte nicht mehr ins Glas, aber ich hatte noch Nudeln im Kühlschrank und konnte so gleich die Soße unter Realbedingungen verkosten:

Normalerweise kommt bei mir immer – immer! – geriebener Gouda auf die Nudeln. Heute hab ich ne Ausnahme gemacht: Die Soße ist dermaßen lecker, da brauch’ ich keinen Käse. Der leere Teller wurde selbstverständlich gründlich abgeleckt.

Fazit

Erstens: Hab ich schon erwähnt, dass die Soße lecker ist?

Zweitens: Die Zubereitung dauert ziemlich lange. Plant also genügend Zeit ein. Durch die lange Zeit im Ofen kann man das sehr gut eine Mahlzeit dazwischen schieben, das macht die Zubereitung einfacher.

Drittens: Ich stelle immer wieder fest, dass ich bei den Vorbereitungen von der Menge der Zutaten nur schlecht die Menge der Einkochgläser abschätzen kann. Daher sterilisiere ich immer ein paar Gläser mehr als ich geschätzt habe, nur zur Sicherheit.

Viertens: Bereitet soviel wie möglich vor, dann habt ihr in den stressigen Phasen weniger Hektik.

Fünftens: Kocht soviel wie möglich auf einmal ein, d.h. nehmt soviele Zutaten wie eure Ernte hergibt. Der ganze Aufwand ringsrum macht immer ungefähr gleich viel Arbeit, also macht lieber zehn Gläser als nur drei. Mein innerer BWLer will euch jetzt was von Stückkosten, sinkenden Grenzkosten und Economies of Scope erzählen, aber ich kann ihn inzwischen zuverlässig einbremsen. (c;

Sechstens: Die aktiven Phasen – vor allem das Einfüllen – sind beim Einkochen immer ziemlich stressig. Wenn ihr wie wir Kinder habt, die noch oft und gern nach Mama und/oder Papa rufen, dann isses schlau, wenn ihr sie während der Einfüllzeit entweder irgendwie wegwichteln oder zuverlässig beschäftigen könnt. Bei Oma & Opa abgeben, zu Freunden schicken oder im Notfall mal ne halbe Stunde vor den Fernseher setzen und ne alte Sendung mit der Maus gucken lassen. Hörspiele funktionieren bei unserem Großen gut, aber der Kleine hat dafür noch nicht so ie Geduld. Irgendso was… ihr wisst was ich meine. (c;

Es hilft natürlich, wenn man zu zweit ist oder zumindest für die Hektikphasen auf ein zweites Paar Hände zurückgreifen kann. Bei mir war’s heute ne Solonummer, weil meine Herzdame mit den Gartenzwergen über Mittag bis Abends in den Wald an einem Bach gefahren ist. So hatte ich zwar niemanden zum Helfen, wurde aber auch von niemandem abgelenkt bzw. musste mich nach niemandem richten, und das hilft mindestens genauso viel. Als die ganze Bande vorhin glücklich und erschöpft heimkehrte, war das Chaos längst beseitigt, die Küche wieder aufgeräumt und ich konnte stolz die fünf Gläser präsentieren.

Anschließend musste ich nur noch die eingeweichten Gummistiefel mit Zeitung ausstopfen…

…und konnte dann eine aufgehobene Kostprobe verteilen, die allen Beteiligten schmeckte und Vorfreude auf’s nächste Nudelessen gemacht hat. (c:

One response to “Tomatensoße einkochen”

  1. […] so rein mengenmäßig war das suboptimal: Zu wenig für Dörrothea oder um nochmal nen Schwung Tomatensoße einzukochen, aber zuviel für’n Salat und zum […]

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