
Wie bei den meisten (gewächshauslosen) Gärtnern der hiesigen Klimazone ist das Rauspflanzen der Tomaten, Paprika und Gurken kurz nach den Eisheiligen Tradition in Brummehausen. Und irgendwann nach diesem wichtigsten Ereignis im brummschen Gartenjahr gibt’s den nachgeschobenen Bericht hier im Blog.
So wie heute.
Der Plan
Ich hab mir den Freitag vor Pfingsten frei genommen, weil der thunsche Pflanzkalender* ab 13 Uhr „Frucht“ vermeldet – ideal also, um sich um Fruchtpflanzen wie Tomaten, Paprika, Gurken und Inkagurken zu kümmern. Tags drauf, am Samstag dauert die Fruchtphase nur bis 13 Uhr, am Sonntag ist dann wieder ganztätig Frucht-Zeit. Der Plan also:
- Freitag vormittags alles vorbereiten: Alle Jungpflanzen nach Sorten sortieren (die stehen mehr oder weniger unsortiert im Gartenhaus) und dann gleich an ihre jeweiligen Standorte bringen. Klingt nach ner Kleinigkeit, aber in Summe kostet das richtig viel Zeit.
- Ab 13 Uhr lospflanzen, beginnend mit den Kübeln auf der Terrasse und am Gartenhaus. Mal sehen wie weit ich komme.
- Samstag bis 13 Uhr und Sonntag dann den Rest, voraussichtlich ins Freilandbeet. Außerdem müssen noch Bohnen und Inkagurken gesät werden.
* hier mehr zu Maria Thun und ihren Gärtnermethoden.
So zumindest der Plan.
Am Freitag morgen wachte Kind 2 mit Bindehautentzündung auf. Also ab zum Kinderarzt, der erst ab 8 Uhr öffnet und bei dem man erfahrungsgemäß 2-3 Stunden wartet. Wenn er denn nicht gerade über Pfingsten urlaubt. Da geht der Plan.
Also ab zur Vertretungspraxis, wo wir genauso lange gewartet haben. Der kleine Patient hat lobenswert durchgehalten, war aber am Ende genauso froh wie ich, als wir fertig waren und aus der Praxis raus waren. Zur Belohnung ging’s dann nochmal über den Markt bummeln, wo sich er was von den Gemüseständen raussuchen durfte. Wir landeten natürlich beim Stand einer Gärtnerei, die Jungpflanzen im Angebot hatte. Vater und Sohn im siebten Gärtnerhimmel! Wir haben uns zusammengerissen und diszipliniert beschränkt auf
- ein Gold-Oregano
- 6 Gurkenjungpflanzen (weil unsere nicht gekeimt sind)
- ein dunkelviolettes Basilikum
- eine Orangenminze
Wieder zuhause ging’s dann mit 4 Stunden Verspätung los. Kein Plan überlebt die Begegnung mit der Realität, kennt ihr sicher.
Tag Eins
Die ersten Kübel (ganz rechts) sind fix bepflanzt. Die Gartensalate und Roten Melden hatten sich selbst ausgesät, überwinterten hier drin und sind im Frühjahr schön gewachsen. Für die Rote Melde haben wir noch kein Lieblingsrezept gefunden, daher gehen die meist an die Kaninchen oder Hühner. Die Salate werden entweder umgesetzt oder stehen gelassen.

Ich muss – mal wieder – ein paar Worte über die Schafwolle verlieren. Stammleser mögen mir die Wiederholung verzeihen.
Das Zeug ist als Mulch ein absoluter Gamechanger, das kann man gar nicht oft genug sagen. Ihr seht ja, wie dick die Wollschicht ungefähr ist: Gar nicht mal so viel – aber das reicht, um in Verbindung mit dem Blumat Bewässerungssystem in den unteren Kübeln und den eingebuddelten Ollas in den oberen Kübeln dafür zu sorgen, dass die Erde in den Neunzigliterkübeln selbst im heißesten Sommer auf der Südseite des Hauses nicht austrocknet.

Ollas könnt ihr fertig kaufen (die Größe von 3 Litern ist für 90 Liter -Kübel ideal) oder für einen Bruchteil der Kosten aus Terracottatöpfen selbst bauen, siehe hier, da und dort.
Mal kurz in die Tiefe gebuddelt, damit ihr seht, wie gleichbleibend feucht die Erde ist. Tomaten und Paprika lieben konstante Bodenfeuchte und danken es mit besserer Ernte und robusterer Gesundheit.

Wenn ihr keine Schafwolle habt oder organisiert bekommt (kleinanzeigen.de ist euer Freund!), könnt ihr auch Holzhackschnitzel nehmen oder Rasenschnitt. Da mir gerade die Wolle ausgegangen ist, hab ich jetzt einen grünen Farbtupfer auf der Terrasse. Mal sehen wie gut sich Rasenschnitt gegen die Wolle schlägt.

Dieses Jahr probiere ich zum ersten Mal Microdwarf Zwergtomaten aus. Mal sehen ob die sich einen dauerhaften Platz in der brummschen Tomatenauswahl erobern. Passenderweise pflanzt man diese Zwerge natürlich ins Wichtelbeet, je zwei pro Kübel:

Jeder Kübel bekommt später noch ein halbes Dutzend Kletterbohnensamen rein, für die ich – wenn die Schnecken sie nicht wegsnacken – dann ein Rankgerüst bauen werde. Die hier gesäten Bohnen sind auch wieder ein Experiment: Ich hab erstmalig Spaghettibohnen ausprobiert, die angeblich 50-70 cm lang werden sollen! Genauer: Die Sorten Metro, Tapir und Red Noodle. Klar erntet man die eher, damit sie zart bleiben, aber in meinem Kopf sieht das trotzdem spektakulär aus. Mal sehen…
Noch sieht’s hier drin einigermaßen leer aus… die restlichen Feldsalate werden entweder in den nächsten Tagen geerntet oder bleiben bis zur Samenernte drin, je nachdem wie sehr die Tomaten und Bohnen Platz brauchen.

Die Paprikapflanzen sind dieses Jahr weiter als in den letzten Jahren: Alle blühen schon… ich habe es nicht über’s Herz gebracht, mehr als die erste Blüte – die sog. „Königsblüte“ – zu entfernen und sie stattdessen versuchsweise einfach machen lassen. Man soll, so hab ich das jedenfalls verstanden, ja anfangs alle Blüten abknipsen, damit die Pflanzen erstmal alle Energie ins Wachstum investieren. Tja, meine sind dieses Jahr spektakulär kräftig geworden UND blühen. Einige haben sogar jetzt schon die ersten Früchte!

Viele Tomaten dagegen sind arg vergeilt und deutlich unschöner als in den letzten Jahren. Die Ursache ist mir klar: Ich hatte sie zwar ins Gartenhaus mit seinem transparenten Acryldach gestellt, aber einige Standorte da drin waren trotzdem deutlich zu dunkel. Genau diese Pflanzen sind dann vergeilt. Das ist kein Beinbruch, die setzt man einfach tiefer ins Pflanzloch und lässt nur die Spitze oben aus der Erde gucken. Der Teil des Stängels, der dann unter der Erde ist, bildet dann neue Wurzeln, sodass die Pflanze sehr schnell aufholen kann. Ich wette, Mitte bis Ende Juli sieht man kaum noch Unterschiede zu den jetzt besser entwickelten Pflanzen.

Immer mit beim Gärtnern dabei: Die brummsche Gartenmiez. Hart am Arbeiten!

Sie verträgt sich zwar nicht mit den beiden Nachbarskatzen (die gehen sich inzwischen einigermaßen konfliktfrei aus dem Weg), aber letztere sind ultraneugierig und eigentlich immer mit dabei, wenn ich an den Beeten gärtnere, die in ihrer Sichtweite sind:

Das weiße Blütenmeer ist übrigens Feldsalat. Den kann man (auch das hab ich vermutlich schon mehrfach erwähnt – mea culpa) in allen Teilen außer der Wurzel essen, auch wenn er blüht. Bei Gartensalaten sollte man ab der Blüte bzw. wenn er beginnt zu schießen nicht mehr ernten, falls man nitratreichen Boden hat. Feldsalat ist da unkomplizierter. Was nicht gegessen wird, versorgt die Bienen und später ernte ich hier das Saatgut für’s nächste Jahr.
Zwischenrein fällt mir auf, dass ich ja noch das Frostschutzvlies auf der Kartoffelzeile habe. Das ist nun wirklich nicht mehr nötig und kann jetzt definitiv weg.

Darunter wächst, völlig unüberraschend: Der Erzfeind. Dieses Unkraut vermehrt sich über die Wurzeln und ich bekomme es seit Jahren nicht aus dem Beet. Lässt man’s wachsen, überwuchert es alle Nachbarn und erstickt sie mit meterlangen Ranken. Eine nur 10 cm große Pflanze kann gut und gerne ne über 50 cm lange Wurzel haben, und die reißen superleicht ab, selbst in Kompostbeeten mit ihrer lockeren Erde. Jeder Zentimeter Wurzel der im Boden bleibt, treibt neu aus. Habe das mal in einem Glas mit Erde getestet, ist also keine bloße Behauptung.
Noch ist das Beet größtenteils frei (der Spinat ist dieses Jahr nicht richtig aufgegangen, sonst wäre es hier schon deutlich voller), und ich komme überall gut hin, daher versuche ich – noch- jeden kleinen Mini-Erzfeind zu erwischen Sobald es auf’m Beet voller wird, werde ich diesen Kampf verlieren. Hmpf.

Leider fressen die Schnecken das Zeug nicht, und auch die Erdkröte ist an der Stelle keine Hilfe.

Am Ende des Tages sieht’s dann so aus:

Aus einem anderen Blickwinkel deutlich idyllischer:

…und nochmal von hier. Das wird in ein paar Wochen einen tollen vorher/nachher Vergleich geben! (c:

Ich bin einigermaßen knülle, aber zufrieden. Die Bilanz kann sich sehen lassen: 65 Jungpflanzen hab ich geschafft!
Ich bringe noch schnell ein paar Tomaten für morgen an ihren zukünftigen Wohnort, stelle dabei fest, dass hier vor’m Pflanzen erstmal Platz geschaffen werden muss…

…und erkläre dann den Gartentag offiziell für beendet.
Morgen geht’s weiter!
Tag 2
Hmmm… die 65 Pflanzen waren scheinbar ein paar zuviel: Ich wache auf mit schmerzendem rechten Unterarm. Und jetzt bitte keine Witze über Chemnitzer mit überanstrengtem rechten Arm – bittedanke… 😉
Erstmalig in der Geschichte des Großen Rauspflanzenings hab ich mir wohl ne Sehnenscheidenentzündung eingefangen. Überhaupt isses das erste Mal dass ich sowas hab. Na gut, man wird halt nicht jünger. Muss gehen, heute muss ich eigentlich nur noch die restlichen Jungpflanzen in die Erde bringen, und gestern hab ich bestimmt so um die 2/3 geschafft. Zähne zusammenbeißen, Indianer kennen keinen Schmerz, Gärtner sowieso nicht, und Männerkinder halten tapfer durch (während sie jammern). (c;
Los geht’s mit dem Freilandbeet.

Bevor ich hier loslege, muss ich erstmal die vertrockneten Stängel des Fenchel wegschneiden, die ich den Winter über stehen gelassen hatte, weil das prima Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten sind. Die ausladende, knapp 2m hohe Pflanze geht mittlerweile in ihr drittes Jahr. Wo die herkam, ist mir bis heute ein Mysterium – ich habe noch nie Fenchel gesät…

Für die Pflanzen schön, für mich eher ungünstig: Das Beet liegt morgens und vormittags in der Sonne, und die diesjährigen Pfingsttage sind ordentlich warm. Aber hey, ich will nicht meckern – wir müssen uns eh langsam an die Sommertemperaturen gewöhnen, und mir fehlt noch die 2026er Gartengrundbräune.
Nach einer schnellen Aufräumaktion (Hasen und Hühner bekommen heute mehrere außerplanmäßige Haufen Grünzeug) kommen die Tomaten zwischen die Bewohner, die hier schon seit Herbst wohnen: Zwiebeln, Garten- und Feldsalat, Rote Melde. Ich musste mich arg zusammenreißen, um nicht noch drei Dutzens solcher Gardenporn-Fotos zu knipsen…

Mischkultur und Wintergärtnern rulez!
Diese Art der Mischkultur ist einer der größten Gamechanger in meinem Garten-Leben geworden. Nicht nur dass bestimmte Pflanzen gute Nachbarn sind (der Klassiker: Möhren vertreiben die Zwiebelfliege, Zwiebeln die Möhrenfliege – also pflanzt man beide nebeneinander), der zeitliche Versatz bringt auch große Vorteile.
Beispiel: Zwiebeln steckt man im Herbst in die Beete, wenn die Tomaten abgeerntet sind. Die wachsen dann langsam über den Winter und Ende Mai pflanzt man dann die Tomaten dazwischen. In den kommenden 1-2 Monaten werden die Zwiebeln erntereif. Den Zwiebellauch könnt ihr vorher schon ernten, aber am besten immer nur eine Lauchstange pro Zwiebel, damit sich die Pflanze erholen kann. Wenn die Zwiebeln dann erntereif sind und rauskommen, sind die Tomaten groß und füllen schnell die entstehenden Lücken (die, zugegeben, bei den schlanken Zwiebeln gar nicht sooo groß sind).
Lasst ruhig ein paaar Zwiebeln blühen, sammelt das Saatgut ein und verwendet es anstelle der (i.d.R. gekauften) Steckzwiebeln. Mehr dazu ein andermal.
Übrigens: Für Mischkultur braucht ihr keine großen Beete, das geht auch auf kleinstem Raum. Hier, guckt mal in die 90 L großen Maurerkübel:

Der Gartensalat wurde im Herbst gesät und wuchst über den Winter. Dito der Feldsalat (den hab ich vorher schon geerntet, daher fehlt er hier). In einem Kübel steht noch ein einsamer Porree, und vor ein paar Wochen hab ich hier noch Rucola gesät – mal schauen ob der noch kommt. Jeder Kübel hat noch ein halbes Dutzend Buschbohnen bekommen. Die Tomaten werden in die Höhe wachsen und brauchen den Platz im Untergeschoss nur kurzzeitig.
Ähnlich in diesen Kastenbeeten: Feldsalat und Zwiebeln wachsen über den Winter, jetzt kommen ein paar Tomaten dazu und ich hab ebenfalls Bohnen gesteckt. Da ich hier ein Klettergerüst habe, sind’s Stangenbohnen geworden. Die konkurrieren zwar ein bisschen mit den Tomaten um den Platz in der Höhe, aber aus den Erfahrungen der letzten Jahre weiß ich, dass das nicht so wild wird. Außerdem habe ich zuviele Sorten Stangenbohnen und zu wenige Standorte dafür, also müssen die paar Tomaten hier durch. (c;

Auf diese Weise boostet ihr die Flächeneffizienz um ein Vielfaches, ohne irgendwelche Nachteile. In den Kübeln ist reine Komposterde, die kann gut und gerne vier Jahre drin bleiben, ohne dass ich düngen müsste. Hin und wieder gieße ich im Sommer mal mit verdünnter Brennesseljauche, aber dort wo ich das weg gelassen hatte, konnte ich keine Mangelerscheinungen feststellen.
Noch ein paar Worte zu den Bohnen
Anfangs hab ich ja „nur“ bei den Tomaten eskaliert. Dieses Jahr wurden ca. 30 Sorten gesät, wobei mir ein paar komplett ausgefallen und nicht gekeimt sind. Aber 2 Dutzend verschiedene Sorten sind’s sicher immer noch.
Seit so ca. 3 Jahren zeigt sich dieses Phänomen auch bei Bohnen. Leute, da gibt’s ja dermaßen viele Sorten…! Ich muss mich regelmäßig arg beschränken und ganz bewusst aufhören, online zu recherchieren. Dieses Jahr sind knapp 10 neue Sorten dazu gekommen, und am meisten bin ich auf die schon erwähnten Spaghettibohnen Metro, Tapir und Red Noodle gespannt.

Hier kommen Stangenbohnen der Sorte Neckargold rein, die ranken dann an Nylonschnur hoch und bilden einen lebendigen, wenn auch kurzen Wandelgang zwischen Kastenbeet und Gartenhaus. Weiter hinten in dem Kasten wohnt dieses Jahr eine Zucchini, daher habe ich hier vorsorglich keine weiteren Tomaten gepflanzt. Das grüne Gekröse, das in der Mitte wuchert ist – ihr ratet’s – Feldsalat.

Damit sind wir am Ende des 2026er Rauspflanzenings. Schön dass ihr bis hier durchgehalten habt. 🙂
Belohnt wird das mit einem Update zu den am Ostermontag geschlüpften Enten:

In den gut 40 Jahren, die ich in diesem Garten wohne, kam es vielleicht 2 oder 3 mal vor, dass eine Entenmutter nicht spätestens am 3.Tag nach dem Schlüpfen ihrem Wandertrieb erlag und mit den Küken loszog. Wenn (falls!) sie wiederkam, dann sowas wie 2-3 Wochen später und immer mit stark reduzierter Kinderzahl.
Dieses Jahr hatten wir 2 Entenfamilien, und während die eine Mutter nach und nach alle 10 Küken an die Kälte und diverse Räuber verloren hatte, haben es von der zweiten Familie über die Hälfte der Küken bis jetzt geschafft. Seit dieser Woche sind die kleinen im Teeniealter, deutlich erkennbar an den Rüpeleien: Während sie bis jetzt von anderen erwachsenen Enten gerne mal gejagt und gedisst wurden, hat sich Anfang der Woche der Spieß umgedreht: Die Teens vertreiben jetzt die erwachsenen Enten und beanspruchen den Teich für sich.
Dieses Jahr ist Tänzer dabei, leider haben wir den Moonwalk nur einmal zu Gesicht bekommen und seitdem nicht nochmal. Sehr Schade!
s