Reihenmischkultur nach Gertrud Franck: Spinatreihen säen

Heute mal wieder ganz sachlich, der Brumme. Dabei fiele mir sicher irgendeine flachwitzige Überschrift ein – schließlich hab ich 12 Reihen á 5m Spinat gesät. Irgendwas mit Popeye vielleicht…?

Popeye und Spinat. Hach waren das noch Zeiten.

Na egal, jedenfalls war am Montag thun’scher Blatt-Tag während der Pflanzzeit. Und so langsam sollten die Spinatreihen in die Erde.

Häh, Daniel,… Spinatreihen? Gertrud Franck? Reihenmischkultursystem? Wovon redest du eigentlich?

Einen kurzen Überblick findet ihr hier. Außerdem lesenswert: Hier, da und dort. Und diese Rezension. Oh, und ein vierseitiges pfd von der Bayerischen Gartenakamdemie hier (den Warnhinweis des Browsers ignorieren).

Gelesen? Dann wisst ihr jetzt ja worum’s geht. (c;

Als ich das Thema 2020 erstmalig auf den Schirm bekam, hab ich per Onlinerecherche erstaunlich wenige Infos gefunden, nur geradeso genug, um zu erkennen dass das potenziell genau mein Ding ist. Also hatte ich mir ihr Buch gekauft. Das ist mein wichtigstes Gartenbuch überhaupt geworden, ehrlich.

Optionales Level-up: Wer Gertrud Franck’s System umgesetzt hat, kann sich Margarete Langehorsts Buch reinziehen. Sie baut auf Francks System auf und hat einige coole Ergänzungen entwickelt. Man findet auf youtube unter anderem einen längeren Vortrag von Frau Lamgerhorst, der eignet sich zum Kennenlernen, als Einstieg ins Thema und als Entscheidungshilfe, ob das was für einen ist. Ist mein zweitwichtigstes Gartenbuch geworden. Aber gönnt euch erstmal das von Gertrud Franck, sonst erliegt ihr einem information overflow.

Und jetzt zurück zum Spinat.

Der kommt immer zwischen die Kulturreihen, und zwar zwischen jede Reihe. Daher wird das auch so viel. Warum zwischen jede Reihe, und warum überhaupt Spinat? Weil er

  • schnell wächst und seine später keimenden Nachbarn sanft beschattet
  • den Boden durchwurzelt und damit lockert
  • recht schnell ne reiche Ernte bringt und so das hunger gap im Frühjahr schließt
  • Schädlinge wie bspw. Erdflöhe abwehrt
  • wenn er blüht, abgeschnitten und als Flächenkompost und Mulch liegen gelassen wird.

Soviel mal als kurze eingedampfte Info.

Über den Spinat und seine Rolle in Gertrud Franck’s Reihenmischkulturs gibt’s hier nen informativen Artikel. Falls ihr die vorangegangenen Links übersprungen habt, dann lest diesen einen jetzt mal fix, denn dort findet ihr alle wichtigen Infos und den Grund, warum der Brumme 60 m Spinat gesät hat.

Sechzig fu**ing Meter… Dabei hätte ich es auch der Miez gleichtun können und mich in die Sonne krachen können.

Wenigstens hat das Wetter mitgespielt.

Aber erstmal die Vorarbeiten, denn im Beet stehen noch die Reihenmarker auf ihren 2021er Positionen:

Wenn ihr die oben verlinkten Franck-Artikel gelesen habt, kennt ihr ja jetzt den Hintergrund der grünen roten und blauen A-C-B-C Reihen. Und auch, dass die jährlich um eine halbe Reihenbreite (50 cm : 2 = 25 cm) nach links versetzt werden, damit die Pflanzen nicht immer am selben Fleck stehen. Fruchtfolge und so.

Also alle Marker rausziehen und 25 cm weiter links wieder ins Beet kloppen. Ist das erledigt, spanne ich mir ne Schnur zwischen den Reihen…

…und ziehe mit dem Häckel flache Saatreihen:

Das blau markierte Stück Holz ist übrigens mein Reihenmaß: Das ist genau 50 cm lang, mit einer Markierung in der Mitte. Damit kann ich schnell und ohne auf mein Auganmaß angewiesen zu sein die Reihenbreite bestimmen. Beim Schnurziehen hilft das ungemein, aber ich brauche das mehrmals im Jahr – so oft, dass das immer hier liegen bleibt.

Sind alle Reihen gezogen, kommen die Spinatsamen rein. Ungeführ in dieser Dichte bei mir:

Frau Franck empfiehlt die Sorte Winterriesen/Verdil. Das Saatgut von Bingenheimer ist samenfest, ich ernte inzwischen mein eigenes Saatgut von denen, indem ich immer ein paar Pflanzen stehen und blühen lasse. Wenn die Pflanzen dann zu welken beginnen und die dunklen Knubbel braun werden,…

…vorsichtig abschneiden und die Samen abernten:

Die Samen nochmal in der Mai- bzw. Junisonne gut durchtrocknen, damit nix gammelt. Anschließend eintüten, beschriften und wegpacken. Aber das könnt ihr euch sicher denken.

Aber bis ihr Samen ernten könnt, dauert’s noch ne Weile. Die obigen drei Fotos sind aus 2020, und das war bekanntlich ein sehr warmes und trockenes Jahr. Da hab ich den Spinat schon am 10.März gesät – also einen Monat eher als dieses Jahr.

Jetzt wird erstmal weiter gesät – aber wir haben’s ja schon fast geschafft. Ich muss nur noch die Furchen wieder schließen, leicht antreten, etwas angießen. Fertsch.

Das war’s dann auch schon – jetzt heißt es Geduld haben und hoffen, dass die Schnecken nicht gleich alle Jungpflanzen verputzen. Ich werde hier immer mal wieder Updates reinsetzen, damit ihr seht, wie sich die Spinatreihen im Jahresverlauf entwickeln.

Wer nicht solange auf die Updates warten will: Hier noch ein paar Bilder aus 2020, damit ihr ne ungefähre Ahnung habt, wie das aussehe kann.

Gesät hatte ich wie erwähnt am 10. März. Am 26. Mai war der Spinat erntereif:

Wie ihr seht, hat er seine Nachbarn schon ganz schön überwuchert:

Wir hätten also mehr davon essen und den gezielt an diesen Stellen vorher abernten sollen, aber bei so vielen Reihenmetern kommt man irgendwann einfach nicht mehr nach.

Also wird der jetzt bodennah abgeschnitten, flachgelegt und als Mulch & Flächenkompost liegen gelassen. Die Wurzeln bleiben im Boden, denn die verrotten sehr schnell, und setzen damit Nährstoffe – also natürlichen Dünger – frei und die nach dem Verrotten zurückbleibenden Wurzelkanäle lockern den Boden auf. Habsch jedenfalls so gelesen.

Ihr könnt mir glauben, das ist ein ganz doofes Gefühl, selbst angebautes Essen einfach so zu kompostieren. Aber wenn der zu blühen beginnt, soll man den sowieso nicht mehr essen.

Und der Erfolg wird uns ohnehin recht geben. Die Jungpflanzen ringsrum haben jetzt wieder mehr Licht, Luft und Platz. Wie gesagt, ein paar Pflanzen bleiben stehen zwecks Saatgutgewinnung.

So, jetzt wisst ihr, warum ich 60 m Spinat gesät habe.

…ohmistverdammt, ich krieg Appetit auf Spinat! Aber nicht auf Popeye’s Dosenschleim…

…sondern auf erntefrischen Spinat vom Beet. Ernsthaft, der ist tausendmal leckerer und hat mit dieser grünen Pampe genau gar nix gemeinsam.

4 responses to “Reihenmischkultur nach Gertrud Franck: Spinatreihen säen”

  1. Sonja Berndl sagt:

    Hallo Daniel,

    ich bin gespannt auf deine langfristigen Erfahrungen mit dem Franck´schen System. Das Buch habe ich schon lange. Aber umsetzen werde ich es Dank unserer lieben Wühlmäuse nie.

    Außer die Wühlmäuse und ich finden irgendwann eine Form der Zusammenarbeit, bei der beiden und nicht nur den Wühlmäusen geholfen ist. 🙂

    Viele Grüße
    Sonja

    • Der Brumme sagt:

      Oha, Wühlmäuse…
      Die haben wir hier zum Glück noch nie gehabt. Ich vermute mal, die Klassiker wie diese Solarwühlmausultraschallvertreiberdingsbumse hast du schon ausprobiert, oder?

      Die langfristigen Erfahrungen, tja das wird noch die eine oder andere Saison dauern, bis ich da das Label “langfristig” ranmachen kann. Und ohnehin fehlen mir so’n bisschen die Vergleichsmöglichkeiten. Ich hab zwar noch ein paar kleinere Beete ringsrum, die nicht nach dem Franckschen System bewirtschaftet werden, aber auch da versuche ich, so gut es geht die Fruchtfolgeabstände einzuhalten. Außerdem ist es – für mich zumindest – schwer, sich ein halbwegs objektives Beurteilungssystem für den Erfolg einer Gärtnermethode zu überlegen, sodass ich nach Jahren nen guten – also objektiven – Vergleich ziehen könnte. Und das jetzt als mehrjähriges großes Systemvergleichsexperiment aufzuziehen, dafür fehlen mir sowohl Zeit als auch Ambitionen. (c;

      LG Daniel

  2. […] sind inzwischen schön die Spinatreihen aufgegangen, die zwischen den eigentlichen Kulturreihen Mitte April gesät wurden, als Teil der Reihenmischkultur nach Gertrud […]

  3. […] und da sind die Spinatreihen ein wichtiger Bestandteil. Mitte April hab ich darüber schonmal ausführlich geschrieben, das könnt ihr euch ja nochmal reinziehen wenn ihr […]

Kommentar verfassen