Pflanzstecker aus Eisstäbchen lasern

Heureka! 🙂

…oder so.

Ich habe endlich das eine Projekt angefangen, mit dem dieses ganze Laserhobby begonnen hat:

Die Pflanzstecker.

Und ja, ich weiß:

Erstens bedeutet “Heureka!” was anderes, nämlich die Freude über einen unerwarteten Geistesblitz und nicht die Freude darüber, ein lange geplantes Vorhaben endlich umgesetzt zu haben. Für Letzteres fehlt mir leider gerade die passende Vokabel. Und zweitens müsste ich jetzt, legte ich Wert auf historische Korrektheit, aus der Badewanne springen und so nackisch wie hysterisch durch die Straßen laufen. Das möchte ich der Nachbarschaft aber nicht antun. Niemand will das sehen.

Whatever. Jedenfalls hab ich mich am gestrigen Samstag spontan dazu entschlossen, die Eisstäbchen auszupacken und das Ganze endlich mal anzugehen. Warum gerade jetzt? Weil ich ein paar Dinge auf der samstäglichen to-do Liste stehen habe, die ich gerne prokrastinieren möchte. Oder anders gesagt: Die ich an future me übergeben möchte, also mich in [insert unknown positive number here] Tagen/Wochen.

Hey, wisst ihr eigentlich, dass Prokratisnation genau genommen sowas wie Zeitreisen sind? Nur dass nicht ich in die Zukunft reise, sondern meine Aufgaben. So hab ich das noch nie gesehen, faszinierend, oder? (c:

Aber ich schweife wieder ab. Die Pflanzstecker…

Die Gravurmotive entwerfen

Die Motive hab ich wie so oft einfach über Googles Bildersuche gefunden. Dort kann man sowohl nach Cliparts und Schwarzweiß-Bildern als auch nach Nutzungsrechten filtern und sich so Bilder mit Creative Commons Lizenz suchen. Solange ich meine Pflanzstecker nur für mich privat verwende, kann mir eigentlich Mumpe sein, wo die Bilder herkommen. Aber falls doch mal jemand anfragt und welche in Auftrag gäbe, sollten das schon besser lizenzfreie Motive sein, wenn ich sie schon nicht selbst entwerfe (oder der Kunde die Motive mitbringt). Ja, das ist supernervig, und ja, ich richte mich trotzdem danach. Auf diese parasitären Abmahnanwälte hab ich exakt Null Bock.

Die Motive sind also schnell gefunden, und der Rest ist inzwischen Routine:

  • Bild speichern und per drag & drop ins Lightburn ziehen
  • mit der Funktion “Bild verfolgen” (“trace image” in der engl. Version) die Grafik in Vektoren umwandeln
  • das Motiv verkleinern, ggf. drehen , spiegeln etc und dann platzieren
  • dem Motiv eine Ebene mit Gravurparametern zuweisen

Jetzt noch den Schriftzug erstellen, platzieren und ebenfalls mit Parametern versehen. Achtung, im Gegensatz zu den Grafiken wird der Schriftzug gefüllt – das erfordert andere Parameter und damit eine andere Ebene.

Das Gravieren

Los geht’s mit dem exakten Vermessen der Eisstiele. Ich hatte mir mal 2013, also vor fast einem Jahrzehnt(!) zum Basteln einen Schwung Eisstäbchen aus Buchenholz gegönnt, 400 Stück für zwölffuffzich. Überraschenderweise kosten die heutzutage immer noch genausoviel. Nimm das, Inflationsangst!

Die Stiele sind 114 x 9 mm groß, also wird dieser Umriss zehn mal aus dem Reststück einer 3mm starken Sperrholzplatte ausgelasert. So kann ich die Stiele bei jedem Durchgang an exakt dieselbe Position legen. Und viel wichtiger: Die leichten Stiele können beim Gravieren nicht mehr verrutschen. Ungesichert würde der Air Assist die nämlich einfach wegpusten. Achtung, die Löcher, in die ich die Stiele lege, müssen ne perfekte Größe haben: Zu klein und die Stiele liegen nicht ganz drin, ein paar Millimeterbruchteile zu groß und der Air Assist lässt sie tanzen:

Meine sind also etwas zu groß, und jetzt gibt es drei Wege um das abzustellen:

  1. Die Löcher nochmal neu lasern und minimal kleiner machen
  2. Die Stiele beim Lasern mit dem Finger festhalten (habsch probiert. Fällt zukünftig aus Sicherheits-, Nerv- und Zeitgründen aus)
  3. Die Stiele mit Malertape fixieren.

Ich entscheide mich für Tor Drei:

Also lege ich in jedes ausgelaserte Loch einen Stiel rein, klebe die mit Malertape ab und lasse den Laser losgravieren. Aufpassen, dass die Sperrholzplatte selbst an den Seiten mit Wabennadeln fixiert ist (oder mit Magneten, falls ihr ne magnetische Unterlage habt). Verrutschen ist einer der Endgegner beim Lasern. Das ist bei mir die Ursache Nummer Eins für die versaute und/oder abgebrochene Projekte. Da meine Kamera bisher nur so mittelgut funktioniert, hab ich dieses Problem bis jetzt noch nicht so richtig zufriedenstellend gelöst.

Was mir bei den Prototypen auch noch nicht gefällt, ist die Gravur der Schrift: Da fährt der Laser nämlich waagerecht hin und her, was sichtbare Linien im Schriftzug hinterlässt. Im Bild oben sieht man das besonders deutlich beim Schriftzug “Zwiebeln”. Diese Stäbchen hatte ich noch mit dem Finger festgehalten, und einmal ist es mir dann trotzdem leicht verrutscht – ihr seht auf halber Höhe der Schrift einen leichten Versatz nach links:

Diesen Versatz hat man natürlich nicht, wenn man die Stiele mit Malertape fixiert. Aber man kann die Zeilen trotzdem noch sehen, guckt man genau hin. Die bessere Gravur-Alternative: Die Kreuzschraffur. Da graviert der Laser im 45° Winkel erst kreuz und dann quer, also um 90° versetzt…

…und das sieht dann auch deutlich besser aus:

Das (semi-)fertige Projekt

So, neun Motive sind fertig, und ich bin ganz zufrieden:

Moment, doch nicht ganz ganz zufrieden. Ich hab ja Platz für zehn Stäbchen auf meiner Platte, aber gerade kein zehntes Gemüse, das ich unbedingt brauche. Bis auf…

Genau!

Jedes Jahr während der Vorzucht passiert es, das irgendwo ne Beschriftung verloren geht. Und dann kommt das große Rätselraten, bis sich die anonyme Jungpflanze nach ein paar Wochen so weit entwickelt hat, dass man erkennt was es ist. Für dieses Mysterygemüse brauchste unbedingt eigene Stecker!

Die Angelsachsen nennen diese Sorten “The Fuck if I knew“, was ich sehr eloquent finde, aber ums Verrecken nicht adäquat übersetzt bekomme. Also kommt da jetzt der vergleichsweise lahme Name “KeineAhnungwasdasist!” drauf.

Wenn euch was besseres einfällt –> Kommentarfeld! (c:

Übrigens seht ihr im Foto oben, dass der Laser straight durch das Malertape graviert hat. Das geht also. Allerdings sieht die Schrift an dieser Stelle auf dem Holz leicht “verschmiert” aus. Vermutlich müsste ich mit mehr Power lasern, dann geht’s sicher. Aber jetzt hab ich erstmal einen ersten Schwung Schilder und im Prinzip meine Prototypen fertig. Ich weiß welche Parameter ich nehmen und worauf ich achten muss. Ziel erreicht. Im Frühjahr kann ich die dann bedarfsgerecht und halbwegs schnell herstellen.

Die Zeit pro Pflanzstecker ist in Ordnung, mit 1 bis knapp 2 Minuten pro Stiel kann ich leben. Damit könnte ich die für 1€ pro Stiel verkaufen. Findet ihr das zu teuer? Würde mich echt interessieren! Hmmm… eigentlich ist das nicht wirklich billig. Aber billig war ja gerade nicht das Ziel, sondern edel. Trotzdem…

Die Preisfrage

Mir ist später noch ne weitere Variante eingefallen:

Ich beschrifte diese Stäbchen ja eigentlich nicht mit “Tomate”, sondern mit dem Sortenname. Also käme dort beispielsweise gleich “Sibirisches Birnchen” drauf, und den Gartensalat würde ich natürlich mit “Baquieu” beschriften. Natürlich könnte ich für jede Gemüsesorte individuelle Stecker gravieren, aber dieses Jahr hatte ich allein 27 Tomatensorten, das wird also ziemlich viel und damit dann doch wieer ne Zeitfrage.

Also wäre es vielleicht besser, nur das Tomatenbild drauf zu gravieren und dann gleich nen Streifen Klebeband drauf zu pappen, der dann individuell beschriftet wird, also mit Sortenname und den Datumsen der Aussaat und den diversen Umtopfungen. Nach Gebrauch wird das Klebeband einfach abgezogen und die Stäbchen können im Folgejahr wiederverwendet werden. Großer Vorteil: Die Laserzeit wird nochmal halbiert und ich käme mit dem zeitlichen (und damit preislichen) Aufwand in eine Region, wo das deutlich mehr Leute interessant finden…

Aber letztlich mache ich mir kaum Illusionen: Kommerziell gesehen ist das Luxus. Ich brauche im Frühjahr sowas wie 200 Pflanzsstecker, wenn ich wirklich jede Jungpflanze einzeln kennzeichnen wöllte. Wer von euch würde sich also 200 Stecker für 0,50 € oder gar 1 € leisten wollen oder können? Genau.

Sinnvoller ist es da schon, wenn man pro Sorte einen detaillierten Pflanzsstecker verwendet, der dann eine Nummer bekommt – und alle weiteren Pflanzen dieser Sorte bekommen dann nur noch nen nummerierten Stecker, der dann bspw. aus nem alten Jugurtbecher ausgeschnitten wurde. Der eine detaillierte Stecker kann dann ruhig so richtig edel sein (graviert oder bealt und bestempelt like this), alle weiteren sind dann eher minimalistisch-praktisch like this.

Das senkt die Anzahl der zu gravierendn Stecker und man käme wieder in einen reislich halbwegs erträglichen Rahmen.

Falls also jemand von euch Interesse hat, gebt mir ein Rauchzeichen. (c:

Vorlage zum Nachmachen

Wers nachlasern will, hier gibt’s die Vorlage zum Download als svg und im Lightburn Format. Kostenlos natürlich und zu entpacken mit 7zip.

Wie geht’s weiter?

Damit die Buchenstiele in der feuchten Erde nicht verrotten, müssen die untenrum geschützt werden. Optimal wäre natürlich was komplett Wasserfestes wie Zweikomponenten-Epoxidharz, das hab ich sogar da. Da ich aber nicht weiß, ob dieses Zeuch irgendwas fieses Chemisches in den Boden abgibt, fällt das kategorisch aus. Ja ich weiß, es gibt lebensmittelechtes Epoxyharz, aber für so nen Zweck werde ich mir nicht extra was davon kaufen.

Man könnte die Stäbe auch in Öl tauchen, aber das hilft vermutlich nur teilweise gegen das Eindringen von Wasser.

Meine Idee: Bienenwachs schmelzen und die Stiele dort eintauchen, damit sie untenrum vollständig gewachst sind. Ja, dieser Wachsmantel wird vermutlich irgendwann abgehen, aber ich vermute dass diese Lösung “gut genug” funktionieren wird, daher probiere ich das als erstes aus.

Ich halte euch auf dem Laufenden! (c:

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