Paprika überwintern, oder: Das Septembermassaker

Das Große Rauspflanzen ist ja gefühlt erst vorgestern gewesen. Hach, da war die Gartenwelt noch in Ordnung: Der Sommer schien gerade erst durchzustarten. OK, mit ein bisschen Verspätung zwar und nach nem kalten Mai, aber hey, nichts ist perfekt. Guckt mal wie die Paprika am 6. Juni ’21 aussahen:

Und jetzt vergleicht mal mit dem Status Quo von heute (19.9.21). Beeindruckend, oder?

Gut, Anfang Juni ist zugegebenermaßen schon ne Weile her. Gefühlt war’s aber so irgendwie gar kein richtiger Sommer, so kalt und nass wie das war. Ihr habt sicher eure eigenen Jammergeschichten zu erzählen. Braun- und Krautfäule und Schneckenapokalypse und so. Umso beeindruckender isses da, dass die Paprika sich dermaßen gut gemacht haben!

Haufenweise Früchte – und das, obwohl nicht nur Nässe und Kälte, sondern auch die Schnecken den Pflanzen ordentlich zugesetzt haben. Ja, Schnecken fressen Paprika. Und nicht nur die Blätter, sondern auch die Früchte. Musste ich erst lernen, war mir neu. Mit ein paar abgeknapperten Blättern hättsch leben können. Aber dass die die Früchte fressen… Hmpf! (c:

Der Gipfel der Unverfrorenheit aber war, dass mir eine Schnecke ne Paprika direkt am Stiel abgeknabbert hat. Die Größte natürlich. Die lag dann einfach unten in der Mulchwolle, mit Schleimspuren am Stiel und ansonsten komplett unangefressen. Das ist dann kein Mundraub mehr (schlimm genug!), sondern waschechter Vandalismus. Echt ma! )c:

Na jedenfalls tragen die Paprika ordentlich. Auch die Panthos, die ich erfolgreich über den Winter retten konnte. Deren Früchte sind jetzt knallorange und können vermutlich geerntet werden:

Neben der Panthos steht noch ein dritter King of the North, und bei dem rötet sich gerade die erste Paprika. Hurrah!

Soweit, so motivierend.

Aber.

Ich glaube nicht, dass die diesen Sommer noch reif werden, wenn das so weiter geht. Und dass es so weiter geht (nass & kalt), daran hab ich angesichts des miesen Sommers keinen Zweifel. Also rein ins Haus mit den Pflänzgen!

Wen das Thema Paprika Überwintern interessiert, dem empfehle ich diesen Artikel hier.

Für eine „warme Überwinterung“ hätte ich eigentlich schon vor 2-3 Wochen umtopfen müssen. Habsch nicht gemacht, in der Hoffnug auf einen milden Altweibersommer. Nu isses diese Woche aber ordentlich abgekühlt, und ich wollte eigentlich verhindern, dass die Pflanzen vorm Reinholen in den Wintermodus übergehen. Denn dann müsste ich die irgendwo bei ca. 10°C halten, und so kallt isses bei uns drinnen nirgendwo.

Die Woche über war nach Feierabend keine Zeit, also musste das bis zum Wochenende warten. Heute früh zeigte das Thermometer, dass es nachts nur noch 9,7°C waren – allerhöchste Zeit also! Vermutlich ist es schon zu spät und die haben jetzt in den „huchwardaskaltichglaubeswirdHerbst!„-Modus gewechselt. Aber so what – selbst dann würde ich sie reinholen.

Heute ist keine thunsche Pflanzzeit und ein Blütentag. In einer perfekten Gärtnerwelt würde ich bis zu einem Fruchttag in der Pflanzzeit warten, aber das wird nix. Der nächste Termin dafür wäre Samstag in zwei Wochen, und bis dahin isses garantiert zu spät – ich glaube nicht, dass es bis dahin nochmal spätsommerlich warm wird.

Also: ein paar 10L-Eimer geschnappt und vorsichtig die Pflanzen ausgebuddelt!

So groß ist der Wurzelballen.

Oben drauf habe ich wieder ne 2-3 cm dicke Sandschicht gemacht, damit keine Krabbelviecher rein- und raus kommen. Das hat sich in der diesjährigen Vorzucht schon bewährt, wo wir dreieinhalb Schubkarren voll Kompost im Haus hatten und trotzdem nur sehr wenig Mitbewohner. Stichwort Trauermücken.

Die drei King of the North kommen an die Treppenfenster an der Ostseite. Das sieht auf dem Foto dunkler aus als es ist, aber ja: Es ist kein optimaler Standort. Trotzdem hatte die Panthos dort erfolgreich überwintert, also habe ich Hoffnungen.

Die hier ist so ausladend gewachsen, dass sie ein ganzes Fensterbrett für sich braucht:

Und die Panthos? Die ist ca. 15 cm zu hoch für’s Fensterbrett, also kommt sie ins Wohnzimmer. Bin gespannt ob ihr das bekommen wird…

Ohne Unfälle ging die Umpflanzaktion leider nicht ab: Ich hab mich beim Eintopfen mal kurz däbbisch angestellt und – ZACK! – brach der größten Pflanze ein Haupttrieb ab!

Ich hätte sowas von heulen können! )c‘:

Kann man Paprika nachreifen lassen?

Ich habe den Trieb dann nochmal geteilt, ein paar Blätter entfernt und gucke jetzt mal, ob man diese Senker wurzeln lassen kann. Hat das schonmal jemand von euch erfolgreich gemacht? Meine kurze Recherche legt nahe, dass man mit Wärme im Haus Glück haben kann, Ethylen (Äpfel oder Bananen) dagegen nicht wirkt. Na mal sehn.

[Nachtrag 30.09.21]

Keine Wurzeln, die Senker sind in der Vase vertrocknet. Soviel dazu.

…so, fertsch. Alle vier Paprika sind im Haus. Am Carport stehen noch zwei Pflanzen, aber die lasse ich vorerst da stehen, mehr Platz habe ich ohne größere Umräumaktionen im Haus derzeit nicht. Und so dolle getragen wie die King of the North hatten die auch nicht.

Aber.

Ich mag diese weißen Plastikeimer nicht. So gar nicht. Ja, die sind praktisch, aber das sind trotzdem Schandflecke im Haus. Also bekommen die jetzt Übertöpfe. Brauchen die sowieso, denn ich muss unten noch Entwässerungslöcher reinbohren, und ich will ja nicht, dass mir das Gießwasser unten raus suppt. Also habsch vier Eimer mit Sprühfarben verschönert:

Die bekommen dann ein paar Abstandshalter unten reingelegt und dort kommen die weißen Eimer drauf. Deren weißer Rand guckt dann zwar immer noch oben raus, aber vielleicht verstecke ich den irgendwie. Beispielsweise mit Sackleinwand, die ich noch von der Beetumpuschelungsaktion von Anfang Mai übrig habe. Mal sehn.

Sobald die Übertöpfe fertsch sind, gibt’s ein Update hier drunter.

Update 20.9.21

…schon besser. Es geht doch nichts über ein paar fröhliche Farben im Haus! (c:

Aber wisst ihr was? Diese leere Sandfläche… das mißfällt mir. Das sieht ja aus wie zubetoniert. Ich finde das obszön. Monströs, geradezu. Das geht so nicht!

Also kommen da ein paar Kodama hin, und ein Überbleibsel aus meiner Steampunkbastelphase von vor ein paar Jahren.

Und um euch die Googelei zu ersparen: Kodama sind Waldgeister aus dem japanischen Kultfilm „Pinzessin Mononoke von Studio Ghibli. Ich bin eigentlich so gar nicht der Mangafan, aber diese Gesellen hatten’s mir sofort angetan. Und Naturgeister, die die Überwinterungspaprika beschützen… das mag ich.

Jawoll: Manga und Steampunk sind zwei völlig unterschiedliche Stile, und das passt eigentlich auch thematisch üüüberhaupt nicht zusammen. Ist mir aber egal. Mir gefällts, den Gartenzwergen gefällts und meine Frau nimmt es achselzuckend hin. (c:

Eine Treppe höher sind noch merkwürdigere Wesen eingezogen:

Kindisch? Na aber sicher! (c:

Ich frage mich ob jemand erkennt, wo die Inspiration dieser Vier herkommt…

Nochmal aus der Nähe:

…naaa, erkennt’s jemand? Walter Moers Fans, jetzt aber! (c;

Update 12.10.2021:

Der König ist tot, es lebe der König: Die drei Kings of the North sind den Blattläusen und meiner gut gemeinten Biochemiekeule zum Opfer gefallen. )c:

Details siehe hier.

One response to “Paprika überwintern, oder: Das Septembermassaker”

  1. […] aber die reifen einfach nicht. Ich würde die ja am liebsten auch noch umtopfen und ins Haus holen wie die von der Terrasse, aber daraus wird mangels Platz nüscht. Schade. […]

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