
Untertitel: Einmal Doppelflausch, bitte! (c:
Am Ostermontag sind 10 Entenküken geschlüpft. Da guckt, ganz hinten, am anderen Teichufer. Konzentration jetzt bitte, nicht von der fantastischen brandneuen bepflanzbaren Hundehütte im Vordergrund ablenken lassen! (c;

Wir waren uns nicht sicher, ob in dem Häuschen auf der schwimmenden Insel eine wieder Ente brütet, weil
a) wir das Haus so gebaut hatten, dass man nur schwer reinsehen kann (privacy, u know?) und
b), weil Mama Ente’s stealth skills dieses Jahr mehrere Level-ups bekommen haben muss: Stockenten brüten ungefähr 4 Wochen lang – sonst haben wir sie immer mal zu Gesicht bekommen, wenn sie vom Brüten eine kurze Pause gemacht hat, aber dieses Jahr?
Nope. Not even once.
Respekt!
Es gibt erstmal nur ’n paar verwackelte Schnappschüsse der Marke „Handykamerazoom an der Kotzgrenze“. Ich wollte nicht allzu nah ans Teichufer gehen, um das Familienglück nicht zu stören, denn in den ersten Stunden nach dem Schlüpfen ist Mama Ente immer besonders paranoid. Und das völlig zu Recht: 10 wuselige Flauschbällchen*, die in alle Richtungen flitzen – und im Garten unsere und der Nachbarn Katzen sowie Krähen und wenn’s doof kommt, ein Graureiher mit Appetit auf Snacks. Nachts dann Marder, Waschbären und gelegentlich Füchse.
* glücklicherweise gibt’s hier im Blog keine Autokorrektur. Als ich die 2025er Flauschbällchen in meinen Status gestellt hatte, griff mein Fon vermutlich wohlmeinend, jedoch von mir unbemerkt ein und machte aus den Küken niedliche Fleischbällchen, woraufhin ich mir diverse Kommentare bezüglich meines „robusten Humors“ anhören konnte.
Keine Sorge, die nächsten Tage gibt’s sicher noch weitere schöne Bund schärfere Bilder als dieses hier.
Wer entdeckt Mama Ente?
…na?

Flauschige Tradition
Wir haben jetzt seit über 30 Jahren jedes Jahr Entenküken auf’m Teich, also einige Erfahrung mit dem Thema. Spannenderweise schlüpfen die Küken fast immer rund um Ostern, und ich würde sagen, auffällig oft am Ostersonntag. Keine Ahnung wie Mama Ente das Timing managed… Dieses Jahr lag sie nur einen Tag daneben.
Wie fast immer gilt auch 2026: Keine Brut ohne Drama. Wenn man sich auf eines verlassen kann, dann dass nicht alle Küken durchkommen. Das ist besonders hart, je kleiner die Kinder sind, die das dann mitbekommen. Klar kannste jetzt argumentieren, dass sie so „live“ lernen, dass die Natur nun mal eben kein Ponyhof ist. Trösten tut diese Erkenntnis aber genau null.
Das diesjährige Drama begann gleich am Tag Null: Die Kleinen waren Ostermontag am späten Mittag oder zeitigen Nachmittag geschlüpft. Die Luft war kalt und es war sehr windig, aber wir hatten strahlend blauen Himmel und schönsten Oster-Sonnenschein. Die Kleinen waren quietsch – Verzeihung: piepsfidel.
Aber.
In der Dämmerung flogen Mama und Papa* Ente nochmal fix weg… und blieben dann weg.
* die Erpel-Väter haben zwar meistens auch einen gewissen Anteil am Familienleben, insbesondere wenn es darum geht, die Kinderstube (und vor allem Mama Ente) gegen feindliche und paarungswütige Fremderpel zu verteidigen und ein bis zwei Augen auf die Umgebung zu haben (Katzen etc – wir sprachen darüber), kümmern sich aber weniger um die Küken selbst.
…lange.
Sehr lange!
Die Sonne war längst untergegangen, es war also nicht nur stockdunkel, sondern wurde auch ordentlich kalt. Für die Nacht waren -4°C angekündigt, und ich hatte wenig Hoffnung, dass die Kleinen das überleben, trotz Flausch und schützendem Entenhaus.
Kurz vor 21 Uhr bin ich mit Taschenlampe nochmal raus, wiel ich keine Ruhe hatte. Da saßen die meisten von ihnen vor und unter dem Häuschen auf dem feuchten Holz statt im trockenen und warmem Heu. Sobald sie das Licht der Taschenlampe traf, fingen sie an zu piepsen… :‘-(

Zum Heulen, ey. Mein Kopfkino lief schon auf Hochtouren, und diese Version von „Frozen“ war gar nicht mal so lustig…
Trotz dass sie uns seit Jahrzehnten jährlich besuchen, war ich mir nicht sicher, ob sich Stockenten nachts orientieren können*. Klar fliegen die im Sommer zu gottlos früher Stunde bei uns ein (ab 4 Uhr früh haste im Sommer das Naken des Grauens direkt vor’m Schlafzimmerfenster!), aber da dämmert es schon. In stockdunkler Nacht dagegen… Keine Ahnung.
* das Internat meint, ja sie können. Kannste googeln.
Ich hatte gegen 22 Uhr bei der Chemnitzer Tiernotrettung angerufen, aber a) hatten die Jungs & Mädels keinen mobilen Bereitschaftsdienst mehr und b) hätten auch sie keine Möglichkeit gehabt, im Dunklen die Küken von der schwimmenden Insel zu holen – die wären ja sofort ins Wasser geflüchtet, wenn wir uns dem Entenhaus genähert oder es mit einer Stange ans Ufer gezogen hätten. Trotzdem bin ich denen immer wieder dankbar (wir haben da schon öfter was vorbei gebracht, frisch geborene Spitzmausfindelkinder, verletzte Mauersegler und Fledermäuse… diesen Leuten kann man gar nicht genug danken).
Keine Chance also, da hilft nur Hoffen.
Die Nacht war nicht schön, ich bin im ersten Dämmerlicht sofort raus…

Woah, Happy End – srsly?!?
Tatsächlich: Mama Ente mit eins-zwei-drei-vier…sehr vielen Küken! Genau zählen ging nicht, dafür wuselten sie zu sehr rum. Aber nirgendwo trieben leblose Etwasse im Wasser und auch sonst keine Anzeichen von Verlusten. Durchzählen können dann andere Brummehausener tagsüber…
Boah war ich erleichtert!
Die erste Zählung am Vormittag ergab neun Küken, und das wäre eine sehr gute Bilanz der ersten Nacht gewesen. Nachmittags kamen wir dann auf volle 10 – also keine Verluste!!!

Das Haar in der Suppe…
Das ist aber noch lange kein Happy End: Entenmütter halten es selten länger als drei Tage auf dem „Geburtsgewässer“ aus, dann treibt sie irgendein mir völlig unverständlicher Wandertrieb dazu, mit Küken, Kind und Kegel aufzubrechen und …irgendwohin zu ziehen. Quer durch katzenverseuchte Gärten, über vielbefahrene Straßen… bis in irgendwelche kilometerweit entfernten Teiche, Bäche und Flüsse. Irgendwann nach zwei bis drei Wochen kehren sie meistens zurück, aber nie mit vollzähliger Familie.
Die Kids kommen damit inzwischen klar, aber verstehen kann das hier keiner! Der Teich in Brummehausen ist ca. 10 x 20 m groß, die Ufer gehen senkrecht rein und das Wasser ist 1,5 – 2 m tief. Von oben schützen zwei große Trauerweiden vor den meisten Raubvögeln, die erwähnten Räuber klingen beim Lesen dramatischer als in der Realität. Ich würde sagen im Umkreis von mehreren Kilometern ist es das sicherste Gewässer für Enten. Und wenn es etwas noch sicherereres geben täte: Warum zum fck brüten Madame dann nicht gleich dort? Und erspart den Küken die mörderische frühkindliche Reise?
Ich meine… dieses Verhalten muss ja im Sinne der Evolution irgeneinen Sinn ergeben, sonst hätte sich das nicht durchgesetzt! Ich mag solche hartnäckigen Wissenslücken nicht, und dass hierbei niedliche Tierbabies draufgehen, macht’s nicht besser.
Gut, genug schlechte Laune verbreitet, sorry for that.
Ich hatte euch Doppelflausch versprochen, und ich gedenke, euch nicht zu enttäuschen.
Flausch Teil zwo
Vor dem zweiten Flausch gibt’s noch ein Gartenthema: Ich möchte nochmal Werbung für’s Wintergärtnern machen! Wer im Herbst nämlich Garten– und Feldsalat sät, kann jetzt im zeitigen Frühjahr schon ernten.
Und das ist ziemlich geil, ehrlich gesagt. Da liegste warm eingemummelt auf der sonnenverwöhnten Terrasse…

…und kannst dem Feldsalat in den Wichtelbeeten beim Wachsen zugucken:

Der ist im Herbst gesät worden (natürlich aus eigenem Saatgut!), konnte den Winter über langsam wachsen und legt jetzt wo’s wärmer wird, so richtig los.
Feldsalat ist nämlich sehr winterhart! Der ist sogar frostfester als mein geliebter Gartensalat Baquieu (oben verlinkt), den ich ebenfalls im Herbst gesät hatte – aber der diesen Winter zum ersten Mal nicht überstanden hat: Die kleinen Baquieus sind im Januar alle erfroren.
Was bissel traurig ist, aber keine Katastrophe, denn wenn ich von einer Sache mehr als genug habe, dann von Baquieu-Saatgut. Wäre Baquieusamen aussieben ein Beruf, brächte der einen Stundenlohn von 18.000 € Jawoll, achtzehntausend Euro. Hab ich ausgerechnet.
Also hatte ich Ende März nochmal in diversen Beeten breitwürfig Baquieusamen verstreut und jetzt, zwei Wochen später, gehen zwischen den vertrockneten Ringelblumen des Vorjahres die ersten Babysalate auf:

Kommt mal näher ran und guckt. Sind die nicht niedlich?

…jaja Daniel, alles sehr schön. Baquieu ist cool, aber wo bleibt denn nun der versprochene Flausch…?!?
Nicht so ungeduldig. Geht gleich los. Vorher noch’n bissel Hobbygärtner-Schwärmerei:
Wenn man am späten Nachmittag mit Salatsieb durch den Garten schlendert, ist das im Wortsinne erdend: Ihr pflückt euch nicht nur was für’s Abendessen zusammen, sondern kontrolliert dabei auch gleich die Beete, und wenn irgendwas nicht stimmt, fällt euch das beim Ernten auf. Ein bisschen in der Erde wühlen, paar Steine aus dem Beet lesen… es gibt wenig entspannendere Dinge, die man zum Feierabend machen kann, um den Arbeitsalltag aus’m Kopf zu bekommen.
Und seitdem wir Hühner und die beiden Kaninchen haben, wird selbst das nebenbei erledigte Unkrautjäten zur Ernte: Sowohl die Hühner als auch unsere zwei Fellnasen freuen sich über Löwenzahn, Giersch und Co.!
Hier der Beweis, und damit endlich – ihr habt’s euch verdient! – der zweite Flausch.

Die beiden haben die Handvoll Läwenzahn schneller weg gemümmelt, als man „wie niedlich!“ sagen kann…
Übrigens: Seht ihr das Loch im Boden, oberhalb vom rechten Kaninchenkopf? Das ist das heutige und gestrige Tagwerk, der Gang geht inzwischen weiter rein als ich mit dem Arm tasten kann. Wir schütten aller paar Tage solche Tunnel wieder zu, sehr zum Leidwesen der beiden Schwestern, die sich nicht entmutigen lassen und ihrem Nestbautrieb immer wieder nachgehen.
Mein Tip: Wenn ihr den Alltagsstress hinter euch lassen wollt: Gönnt euch eine Minute lang Kaninchen-Chillout!
Ich bin felsenfest davon überzeugt: Diese Welt wäre eine bessere, wenn jeder Mensch einmal täglich für ein paar Minuten gezwungen wäre, Kaninchen beim Chillen zuzugucken. Prove me wrong.