
Voll doof, was ich da wieder mache: Eigentlich hab ich nicht mal genug Zeit für all die aktuellen Hobbies. Von den nicht-mehr-ganz-so-aktuellen Hobbies mal abgesehen. OK, streicht das eigentlich. Verdammisch, ich hab in den letzten fuffzehn Jahren mangels Zeit mehr Hobbies absterben lassen (müssen), als andere in ihrem Leben je haben. Und nein: Ich bin darauf ganz und gar nicht stolz.
Aber wenigstens bin ich diesmal nicht selbst schuld, jawoll. Ich zitiere mich mal selbst:
Kind 1 (Achtklässler) interessiert sich – Schule sei dank – gerade für Arduino-Projekte und hat zu Ostern ein entsprechendes Bastelset bekommen. Wir überlegen jetzt, ob wir in das Beet einen Bodenfeuchtesensor reintun (die gibt’s auch im Set für größere Projekte als nur einen einzelnen Blumentopf), der dem Arduino sagt, wann er über ein Relais eine kleine Pumpe anschalten soll, die dann Wasser aus’m Teich da hoch befördert. Der Nutzen ist überaschaubar, aber zum Lernen und Probieren sicher ganz nett. Für Bastler gibt’s fertige Sets, wo die komplette Hardware dabei ist.
(aus dem Hundehüttenartikel von neulich)
Automatisierung, IoT und generell so Elektronik-Gedöns ist gerade der neue heiße Shice in Brummehausen. Ich hab das schon seit ein paar Jahren auf der „müsste man sich mal damit beschäftigen, ist sicher cool„-Liste, kam bisher aber kaum dazu. Da Kind 1 jetzt Interesse zeigt und ich das für ein sehr sinnvolles Skillset halte, auch so vong zukünftiges Leben her und so, und weil gemeinsame Vater-Sohn Hobbies eh was total Tolles sind, geht’s jetzt also los.
Das Arduino Bastelset ist da, ein entsprechendes Buch ebenfalls. Anfangen müssen wir noch, das hängt aber gerade nicht an uns, sondern an der fehlenden Zeit des Kindes (Schule, etc).
Aber.
Ich hab inzwischen bissel rumrecherchiert und bin darauf gestoßen, dass es ne spannende Alternative zum Arduino gibt: Den ESP32. Also hab ich bei Aliexpress zwei besorgt, inkl. praktischer Erweiterungsplatine. Die kamen heute an und jetzt bin ich gerade ein bisschen hibbelig.

Der ESP32 ist ein preiswerter Mikrocontroller, der dem Arduino scheinbar in allen Belangen überlegen ist:
- kleiner
- preiswerter
- rechenstärker
- vielseitiger einsetzbar
- besser connected (wlan, bluetooth)
Größe…
…ist nicht alles, jaja. Und wenn man den ESP32 auf so ne Erweiterungsplatine steckt, dann ist das Ganze sogar größer als ein Arduino. Guckst du hier:

Aber bei manchen Projekten ist die Größe bzw. die Winzigkeit eben vielleicht doch wichtig.
Als jemand, der mit Elektronik bisher nur ganz am Rande was zu tun hat, finde ich das jedenfalls immer wieder total beeindruckend, was man auf so kleinem Raum alles unterbringen kann!
Und billig… ey… stehste doch drauf!
Kennt das eigentlich noch wer außer mir? Egal. Billig sind beide. Oder sagen wir „kostengünstig“, das klingt sympatischer.
Ich hab für den ESP32 samt Erweiterungsplatine vor ein paar Tagen 5,79€ gezahlt (inzwischen sind’s knapp über 6€). Ein Zehnerpack dieser Rechenzwerge (ohne die Platine) bekommt man für unter 40 €.

Ja, da gibt’s verschiedene Varianten von dem Teil, und die kosten alle unterschiedlich und können unterschiedliches Zeug und ich hab noch überhaupt keinen Überblick… trotzdem: Wenn das Teil das Herzstück dieses Hobbys ist, dann scheint das ein relativ preiswertes Hobby zu sein. Es gibt ja auch haufenweise preiswerte Nachbauten davon, bspw. auf aliexpress:

Der Arduino Uno R3, der in unserem Experimentierset drin ist, kostet jetzt auch nicht wirklich ein Vermögen, aber so ca. 50% teurer als wie so’n ESP32 isser schon:

Wobei ich auch von dem Zehnerpacks für 30-40 € gesehen habe. Und da ich bei der Variantenvielfalt beider Modelle noch keinen Überblick habe, kann es gut sein dass ich Äpfel mit Birnen vergleiche. Generell, wirklich relevant finde ich den Preisunterschied nicht. Spannender dagegen ist…
Die Technik
Den folgenden Überblick hab ich von ChatGPT übernommen und mangels eigenem Wissen und noch nicht erfolgter Tiefenrecherche nicht gegengeprüft, sondern lediglich von einer anderen KI prüfen lassen. Ich gehe mal davon aus, dass da kein vollkommener Quatsch drin steht, aber einige Details vielleicht nicht 100% stimmen. Consider yourself warned.
| Merkmal | Arduino Uno R3 | ESP32 (CP2102 Dev Board) |
| Mikrocontroller | ATmega328P | ESP32 (z. B. D0WDQ6) |
| Architektur | 8-bit | 32-bit |
| CPU | 1 Kern | 2 Kerne |
| Taktfrequenz | 16 MHz | 80–240 MHz |
| RAM | 2 KB | ~520 KB |
| Flash | 32 KB | meist 4 MB |
| WLAN | Nein | Ja |
| Bluetooth | Nein | Ja (Classic + BLE) |
| GPIO | ~20 | ~30+ (je nach Board) |
| Betriebsspannung | 5 V | 3.3 V |
| USB | über USB-Seriell-Wandler | über CP2102 USB-UART |
| Stromverbrauch | niedrig: ~50 mA typisch (idle) | höher: ~80–240 mA typisch (WiFi aktiv), Deep Sleep <1 mA |
Man sieht deutlich, dass der ESP32 technologisch überlegen ist. Ob das aber das eine relevante Kriterium bei unseren Basteleien sein wird, kann ich noch nicht sagen. Vermutlich ist wichtiger, was einfacher zu programmieren ist, da wir ja beide absolute Noobs sind.
Wobei… Wenn ich ehrlich bin, weiß ich heute schon, dass wir uns oft von Projektideen online inspirieren lassen werden, die den verwendeten Code mitbringen werden. Und wenn wir wirklich mal was Eigenes machen, lassen wir uns sicher von GPT beim Coden helfen.
Ja, da ist der Lerneffekt deutlich geringer als wenn man sich das komplett selbst erarbeitet, aber man kommt schneller ans Ziel. Kind 1 ist KI gegenüber wesentlich skeptischer und kritischer eingestellt als ich, will Dinge lieber selbst machen und lernen – das finde ich auch extrem gut so und ermutige ihn dabei.
Kurz: Ich kann derzeit überhaupt noch nicht sagen, welchen Stellenwert „einfach zu programmieren/bedienen“ haben wird.
Einsatzgebiete
Die Einsatzgebiete – zumindest lt. ChatGPT – unterscheiden sich ebenfalls, und auch hier finde ich den ESP32 spannender als den Arduino:
| Einsatzgebiet | Arduino Uno R3 | ESP32 (CP2102 Dev Board) |
| Einstieg / Lernen | ⭐⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐ |
| einfache Elektronik (LED, Taster) | ⭐⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ |
| WS2812B kleine Projekte | ⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| WS2812B große Projekte | ⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| WLAN / IoT | ❌ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Smartphone-/App-Steuerung | ❌ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Smart Home Integration | ❌ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Sensorprojekte (einfach) | ⭐⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ |
| komplexe Projekte (Multitasking) | ⭐ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Audio / Streaming / Netzwerk | ❌ | ⭐⭐⭐⭐ |
| Batteriebetrieb | ⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ (Deep Sleep möglich) |
Lasst uns das nochmal von perplexity gegenchecken, weiterführende Quellen inklusive:
| Bereich | Arduino Uno R3 | ESP32 CP2102 Dev Board |
|---|---|---|
| Einstieg ins Programmieren | Sehr gut für erste Schritte; das Arduino Starter Kit Multi-Language und die offizielle Arduino-Dokumentation „Getting Started with Arduino UNO R3“ sind genau auf Einsteiger ausgelegt. | Ebenfalls gut, aber etwas komplexer; typische Board-Beschreibungen nennen den ESP32 als vielseitige Plattform für Hobbyisten, Studierende und Prototyping: ESP32 Development Board WIFI and Bluetooth. |
| Elektronik-Grundlagen | Ideal für LEDs, Taster, Sensoren und einfache Schaltungen; das UNO R3 Starter Kit führt mit schrittweisen Tutorials durch Verdrahtung und erste Programme. | Ebenfalls geeignet, aber oft eher für fortgeschrittene Schaltungen; die Plattform bietet viele Peripherien wie UART, SPI, I2C, ADC, DAC und PWM: ESP32 Development Board WIFI and Bluetooth. |
| Maker-Bastelprojekte | Sehr gut für kleine Modelle, Ampeln, Servo-Projekte und klassische Arduino-Bastelsets; das UNO R3 Starter Kit nennt u. a. Verkehrssignal-, Motor- und Displayprojekte. | Sehr gut für smarte Maker-Projekte mit Funk, mehr Rechenleistung und vernetzten Funktionen; der ESP32 wird häufig für Prototyping und DIY-Elektronik beschrieben: ESP32 – der ultimative Leitfaden. |
| IoT / vernetzte Projekte | Nur mit Zusatzhardware oder speziellen Shields sinnvoll; die Arduino-Dokumentation beschreibt Arduino Cloud / IoT Cloud als Plattform für Wi-Fi-gestützte Datenanbindung. | Sehr gut geeignet für IoT, Smart Home und mobile Steuerung; Board-Beschreibungen heben WLAN, Bluetooth und die Eignung für IoT-Anwendungen hervor: ESP32 Development Board WIFI and Bluetooth. |
| Lernprojekte in Schule/Workshop | Hervorragend, weil die offizielle UNO-Doku und Starter-Kits den Einstieg mit klaren Beispielen und Basic-Projekten erleichtern: Getting Started with Arduino UNO R3 und Arduino Starter Kit Multi-Language. | Gut für fortgeschrittene Lernprojekte, wenn WLAN, Bluetooth oder moderne IoT-Konzepte vermittelt werden sollen: ESP32 – der ultimative Leitfaden. |
| Prototyping | Gut für einfache Prototypen mit klarer Hardware-Logik und wenig Software-Komplexität: UNO R3 Starter Kit. | Besser für moderne Prototypen mit Funk, App-Anbindung und Cloud-Integration: Arduino Cloud / IoT Cloud. |
| Robotik / Aktorik | Gut für einfache Roboter, Servos, Relais und Motorsteuerung im Lernumfeld; das UNO R3 Starter Kit nennt explizit Schrittmotoren und Servos. | Gut für vernetzte oder intelligentere Roboter mit Fernsteuerung und Sensordatenverarbeitung: ESP32 – der ultimative Leitfaden. |
| Typische Stärken | Einfach, robust, sehr einsteigerfreundlich; die offizielle Arduino-Doku und Starter-Kits sind klar auf Lernen und Grundlagen ausgelegt: Getting Started with Arduino UNO R3 und Arduino Starter Kit Multi-Language. | WLAN, Bluetooth, deutlich mehr Leistung und eine breite Palette an Schnittstellen; Hersteller beschreiben die Boards als vielseitig für IoT und Prototyping: ESP32 Development Board WIFI and Bluetooth. |
| Typische Grenzen | Kein WLAN/Bluetooth, wenig RAM und begrenzte Leistung; dafür aber sehr übersichtlich für Lernzwecke: Getting Started with Arduino UNO R3. | 3,3-V-Logik, komplexer und nicht immer die beste Wahl für erste Elektronikübungen: ESP32 – der ultimative Leitfaden. |
Es scheint mir so zu sein, dass der Arduino so ne Art Einstiegsdroge ist, und wenn man bissel ins Thema reingekommen ist, mit dem ESP32 auf das nächst Level umsteigen tut…
Wilde erste Ideen
OK, sooo wild wird’s gar nicht. Ich hab uns ein paar WS2812B LED-Streifen besorgt. Das sind Streifen (oft mit ner praktischen Klebefläche auf der Rückseite) mit einzeln adressierbaren RGB LEDs. Also LEDs, die in allen möglichen Farben und Helligkeitsgraden leuchten können – aber vor allem: man kann die einzeln ansteuern, womit dann alle möglichen Effekte machbar sind. Erklärungen zu den Teilen findet ihr bspw. hier, da, dort und da. Und vermutlich an drölfzigdausend anderen Orten.
Was wollen wir mit den LEDs machen? Erstmal nur zusammenstöpseln und gucken, was da geht. Also die absoluten Basics. Wenn das klappt, basteln wir uns ein 1D Pong Spiel:
Weitere Anleitungen für 1D Pong gibt’s hier und da.
…ja, dafür braucht man laut obiger Anleitung keinen ESP32, sondern einen Arduino Nano, aber das ist jetzt erstmal zweitens. Verwirrt mich nicht mit Details. (c;
Außerdem gibt’s auch – wenig überraschend – ESP32 Versionen von 1D Pong.
Disclaimer und Full Disclosure
Falls das zu Beginn des Artikels noch nicht klar genug geworden ist: Hobbies und ich haben eine ...komplexe Beziehung. Will heißen: Wenn ich hier gerade sehr begeistert wirke, ist das zwar kein falscher Eindruck (im Gegenteil), aber noch lange keine Garantie dafür, dass dieses neue Hobby auch wirklich dauerhaft zündet. Kind 1 und ich haben vor 2 Jahren schonmal einen ähnlichen Anlauf genommen, sind aber dann wieder darüber abgestorben. Ich hoffe sehr, dass wir diesmal weiter kommen, weise aber vorsorglich schonmal darauf hin, dass es gut sein kann, dass ihr hier im Blog keine follow-ups finden werdet.
Natürlich steigt die Wahrscheinlichkeit für Fortsetzungen dramatisch, wenn ihr mich mit coolen Projektideen überschüttet. Also sage ich das, was alle erfolgreichen Influencer am Ende ihres Artikels/Videos von sich geben:
Und was habt ihr mit Arduino, ESP32 und Co. cooles bebastelt?
Schreibt’s doch mal in die Kommentare! (c;