Laptopständer selber bauen

Was bisher geschah

In Brummehausen isses inzwischen regelmäßig laut. Der Grund: Kind Eins hat seit einer Weile seinen eigenen Laptop und zockt täglich mit seinen Freunden. Kind Zwei zockt ebenfalls, und wir hören dann die Dialoge zwischen den beiden Zimmern. Die Kids chatten parallel zum Zocken mit ihren Feunden und altersbedingt können Teens ja nicht mehr leise sprechen. Wobei man fairerweise die einfache und leicht nachvollziehbare Kausalkette

Zocken = Daueradrenalin = aufregend = leise unterhalten geht nicht

berücksichtigen muss. Den Kommunikationslärm bekommen wir also realistisch betrachtet nicht weg. Meistens ist das amüsant bis weg-ignorierbar. Auf jeden Fall ertragbar. Passt schon.

Aber.

Der Laptop von Kind Eins steht auf einem Holztisch. Der Schall vom Aufdietastaturhämmern überträgt sich ins Erd- und Dachgeschoss. Besonders in den Abendstunden ist das nervig, wenn man jeden Tastenanschlag hört. Spoiler: Es bleibt selten beim Singular.

Was Schallschluckendes muss also her.

Dazu kommt, dass der Bub ergonomisch komisch sitzt. Will heißen: Der Laptop muss noch 5 cm höher stehen, damit die Oberkante des Monitors ungefähr auf Zocker-Augenhöhe kommt. So wollen es die Götter der Ergonomie.

Beide Anforderungen kann man prima verbinden:

höher + leiser = Laptopkissen

Diese Dinger gibt’s fix und fertig in verschiedensten Varianten. Kurze Recherche brachte die folgenden Favoriten ans Tageslicht. Ich verlinke die absichtlich nicht, da Online-Artikel immer irgendwann auslaufen und ich nicht alle paar Wochen prüfen will, ob die URLs noch gelten. Ihr seid ja schlau und findet das schon. (c;

Klar ist von Anfang an:

Es wird ein Modell aus Holz.

Dieses hier kann man noch schräg stellen, es hat ein integriertes Mauspad und hinten rechts kannste dein Fon reinklemmen. Total geil.

Weniger geil ist der Preis: 60€ ist inakzeptabel. Ja ich weiß, dass isses vielleicht wert, aber das Budget ist definitiv kleiner, denn die improvisierte Lowtech-Alternative wären einfach zwei jeweils mehrfach zusammengelegte Stoffstücke auf und unter einer entsprechend hohen Konstruktion aus Holzbrettern. Das täte den Schall ebenfalls schlucken, bockt den Laptop höher und kostet… fast nüscht.

Da der Bub es aber bissel schön haben soll, will ich ihm keine Ranz-Lösung hinstellen. Wäre ja auch pädagogisch ungünstig, sonst denkt er vielleicht noch, er sei uns nix wert. (c;

Also kein Luxusmodell für 60€. Will er selbst übrigens auch nicht – in Sachen Geldsparen isser schon immer erschreckend erwachsen (will heißen: vernünftig) gewesen. Parenting done right (wobei er das eher von Frau Mama hat als von mir, hüstel).

Aber wie wär’s denn hiermit?

Nix mehr zum Schrägstellen (hat dem Bub eh nicht gefallen, brauchen wir also nicht), dafür schon mal deutlich günstiger (aber immer noch zu teuer) …und:

Man kann’s als Laptoptasche verwenden. Der Bub hat nämlich noch keine Transportlösung, falls er mal bei Freunden zockt. Spart uns also ne Laptoptasche. Sehr geil!

Aber.

Ich bin mir anhand der Fotos unsicher, wie stabil dieses Modell in der Höhe ist, d.h. ob es einsinkt, wenn da nix drin ist und man die Hände auf’m Laptop auflegt. Fällt also auch raus, dafür kommt ne neue Anforderung dazu:

höher + leiser + Transportbox = ???

Das hier kommt dem nahe, aber das Innenfach ist mittig unterteilt, sodass zwar alles Zubehör, aber der Laptop selbst nicht mehr reinpasst. Schade.

Der Vollständigkeit halber sei noch diese Minimalversion erwähnt:

Klar, damit käme der Laptop höher, aber ob diese Art Ständer mit Klebefilz bestückt genügend Schall schluckt? Weiß ich nich, Digga. Außerdem isses dann keine Transportbox mehr. Und diese Schrägstellung mag unser Zocker ja eh nicht.

Kurz: Ich hab nix gefunden, was alle Voraussetzungen erfüllt.

Also selber bauen!

Die Idee: Wir nehmen einfach zwei Deckel für die Holzkisten, wie ich sie für die brummsche Samenbank verwendet habe:

Die Deckel gibt’s im Baumarkt, die sind 30 x 40 cm x 3,3 cm groß, das passt bis auf die Höhe ziemlich perfekt. Das heißt… nur für den Laptop: Leider sind sie nicht groß genug, um neben dem Laptop auch noch Maus & Netzteil unterzubringen. Aber irgendeinen Tod muss man sterben.

Übrigens hat der Preis inzwischen von 3,95 € auf 4,45 € angezogen. Ich hatte sie glücklicherweise noch zum alten Preis bekommen. Klar, der eine Euro ist nicht entscheidend, aber meinen inneren Sparfuchs ärgert das. Kannste nüscht machen, außer Achseln zucken und abhaken.

Ungefährer Plan

  1. aus einem der beiden Deckel innen die Leisten entfernen, damit beide Deckel auf- bzw. ineinander passen
  2. außen an eine Langseite 2 Scharniere schrauben
  3. gegenüber einen wieauchimmer gearteten Verschluss und Henkel zum Tragen ran
  4. außen oben und unten 3 mm starken Filz draufkleben (Schallschutz)
  5. innen mit 2 mm starkem Filz auskleiden, damit der Laptop gepolstert ist
  6. unter die innere Filzpolsterung kommt noch ein Klettband, mit der der Laptop fixiert werden kann, ähnlich wie beim „My Fat Gorilla“ Modell.

Außen kommt 3 mm starker Filz drauf, der Bub hat sich für einen schönen Grünton entschieden:

Der Filz für innen ist nur 2mm stark und selbstklebend (der grüne leider nicht, aber Holzleim wird schon gehen).

8 € für die beiden Deckel, 12 € und 13 € für die beiden Filze, 8 € für 10 m Klettband … Ja ich weiß, damit bin ich preislich auch wieder Regionen gelandet, wo ich was Fertiges hätte kaufen können. Preistreiber ist der Filz, weil’s den nur in jeweils 2 bzw. 3 m langen Streifen gab. So viel brauchen wir nicht, da wird also viel übrig bleiben für diverse zukünftige Bastelprojekte. Filz kann man sicher auch lasern… aber dafür muss der Laser erstmal wieder repariert werden. Irgendwas ist halt immer.

Mal sehen was uns das Teil am Ende kosten wird. Ich freu mich jedenfalls auf dieses neue Bastelprojekt! Dabei wäre das Ganze fast noch gestorben, hätte ich mich eher an etwas erinnert, das seit 8 Jahren in der brummschen Speisekammer steht und Platz wegnimmt:

Plan B: Traummaße und kostenlos

Was nämlich auch gehen würde: Ein ganz normaler Aktenkoffer. Wir haben noch so’n Billigteil rumstehen, da war mal ein Bestecksatz drin und der nimmt nur Platz weg. Der Koffer hat mit ca. 10 cm eigentlich die perfekte Höhe und ist auch mehr als groß genug für Laptop und Zubehör. Leider kam mir diese Idee zu spät – die Deckel sind bereits gekauft und der Filz ist bestellt, also kommt der Aktenkoffer später wieder weg. Beim Öffnen ist mir da sowieso eine der beiden Schnappverschlüsse abgebrochen (billigster Guss mit einer gefühlt mikrometer-dünnen Schicht Messing drüber). In sowas willste keinen Laptop transportieren. Der Bub hat den Koffer ne Weile probehalber verwendet, findet ihn aber zu hoch. Also zurück zu Plan A. Ist sowieso die Variante, die uns beiden am besten gefällt.

Also los.

Die Latten des zukünftigen Oberteils müssen raus, dann passen die beiden Deckel prima eineinander . Die sind zwar nur mit jeweils 2 dünnen Stahlstiften fixiert und glücklicherweise nicht verleimt, die Stifte hielten aber erstaunlich gut und ich hatte kurz Angst, den Deckel zu beschädigen. Glücklicherweise ist nix passiert.

So Projekte mit wenigen Bestandteilen haben ihren eigenen Charme. Das hier braucht nur ne Handvoll Teile und auch kaum Werkzeug. Theoretisch bekommt man das noch bis Weihnachten hin. Ich sag’s nur… (c;

Die Scharniere hatte ich noch rumliegen (gibt’s billig beim Online-Chinesen, hatte da vor Jahren mal ne Tüte voll für’n Appel & ’n Ei geordert), inklusive der farblich passenden, winzig kleinen Schräubchen.

Da ich nicht weiß, wie gut mein Holzleim den Filz auf’m Holz verklebt, mache ich ein paar Proben. Erst wenn das getrocknet und dann ordentlich fest ist, geht’s außen weiter.

Ergebnis der Leimtests: Sowohl das Holz als auch der Holz saugen den Leim extrem gut auf, ergo muss da recht viel drauf, damit das richtig fest hält – deutlich mehr, als ich ohne die Tests verwendet hätte.

Das Klettband wird unter den Filz geklebt. Der Superglue war ein kompletter Reinfall, der hat nämlich so gar nicht halten wollen. Daher nehme ich jetzt einfach Holzleim und hoffe dass das die richtige Entscheidung war. (Spoiler: War es.)

Wenn der Holzleim nicht gut genug geklebt hätte, wäre das zwar doof gewesen, aber kein Beinbruch, denn da kommt ja noch flächig der selbstklebende graue Filz drüber, so wie hier im Deckel (unten im Bild).

Das Klettband wird natürlich nicht nur quer, sondern auch kreuz verwendet, damit der Laptop später mal nicht seitlich rumschlabockert. Zum Trocknen des Leims lasse ich das Ganze ein paar Stunden stehen. Ich hab in diversen Bastelprojekten gelernt, dass diese Zeit gut investiert ist…

Der graue selbstklebende Filz ist anschließend schnell reingebastelt. Zeit für eine erste Anprobe!

Oha… Denkfehler:
Das Klettband zieht den Filz wieder ab, wenn man’s straff anzieht, um den Laptop ordentlich anzuschnallen. Also darf das Band nicht unter den seitlichen Filzstreifen liegen, das muss ne Lücke rein:

…besser, wenn auch noch nicht richtig gut: Denn jetzt ziehen die Klettbänder nämlich den Filz der Bodenpolsterung hoch. Allerdings nicht so schlimm wie eben noch an den Rändern, und ich hab auch keine weitere Idee, wie ich das heilen könnte. Also bleibt das erstmal so. Der Bub bekommt später sowieso noch ne kleine Laptophülle aus Neopren, damit wird der Gerät nochmal bissel größer und das Problem entsprechend kleiner. Und vielleicht ist der nächste Laptop in ein paar Jahren ja auch noch ne Nummer größer. Wäre schade wenn der schöne Kasten dann zu klein wäre.

Das Innenleben ist damit fertig, jetzt geht’s außen weiter. Der grüne Filz wird kleiner als der Deckel, damit der später mal nicht am Rand „aufribbelt“. Also umlaufend ca. 1 cm abziehen, zurechtschneiden und draufkleben. Anschließend flächig beschweren und 1-2 Stunden trocknen lassen. Ich hab reichlich Leim verwendet, weil ich bei den Materialproben gemerkt habe, dass der Filz bei zu wenig Leim leicht wieder abgeht. Hoffentlich drückt da nix durch…

Glück gehabt, der Leim suppt nicht durch den Filz durch! Das konnte ich nicht einschätzen und hatte auch kein Bauchgefühl, daher waren diese Trocknungs-Stunden recht spannend.

Jetzt noch schnell die Scharniere ranschrauben, dann simmor fast fertsch. (c:

Bin einigermaßen zufrieden mit dem (Zwischen-) Ergebnis:

Sieht fast (naja…) wie ein gekauftes Produkt aus und fühlt sich einigermaßen wertig an. Klar, die Deckel sind jetzt nich gerade aus schweren, handgeschnitzten Edelholzbohlen. Aber billig fühlt es sich auf keinen Fall an. Bin gespannt wie Kind Eins das findet. (c:

Der Holzleim sollte noch richtig aushärten und dessen Geruch sich verflüchtigen. Aktuell mieft das Teil noch ordentlich. Vermutlich wird das also ein Weihnachtsgeschenk.

Was jetzt noch fehlt, sind Tragegriffe und ein Verschluss. Die brauchen wir aber erst, wenn’s tatsächlich als „Transportkoffer“ benötigt wird, da sind noch ein paar Tage Zeit. Ich vermute, dass ich Lederstreifen für die Griffschlaufen verwende, und für den Verschluss denke ich mir noch was Passendes aus – Update dann später hier.

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