Dutgemacht – Digitale Unabhängigkeit

Digitale Unabhängigkeit scheitert nicht an Alternativen, sondern an Gewohnheiten. Ab sofort ändern wir das: Jeder erste Sonntag im Monat ist ab jetzt Digital Independance Day!

Wenn euch die Häschtäggs #did bzw. #didit und #dut bzw. #dutgemacht nichts sagen, das Känguruh schlaut euch gern auf:

Wer sich die 7 Minuten sparen und auf den genialen klingschen Humor verzichten will (selber schuld!), hier das TL;DR: Es geht darum, schrittweise von den großen BigTech Quasimonopolisten loszukommen und „gute“ Alternativen zu finden. Auch der CCC (Chaos Computer Club) hat dazu was Lesenswertes zu sagen.

Der Plan

Sukzessive (bspw. jeden ersten Sonntag des Monats) einen Dienst nach dem anderen durch dezentrale Alternativen zu ersetzen. Und ja: Die Ironie, dass Marc-Uwe Kling dieses Video auf Youtube stehen hat, ist mir nicht entgangen. (c;

Falls ihr euch nicht komplett von einem Anbieter trennen könnt oder wollt, fahrt einfach die „Plus Eins„-Strategie: Installiert euch eine Alternative und nutzt eine Weile lang beides. Beispiel: Haut euch Libre Office oder Open Office drauf und guckt mal, wie sich das anfühlt. So viel anders als das seit Jahrzehnten genutzte Word, Excel und Co. isses nämich gar nicht.

So „entwöhnt“ ihr euch schrittweise vom Althergebrachten.

Keine Sorge, ihr müsst da jetzt nicht Stundenlang technische Details recherchieren. Es gibt Anleitungen in Form von Wechselrezepten, das übersichtlich, leicht verständlich, kurz & knackig erklären. Der Digitale Independance Day hat nämlich ne eigene Webseite: https://di.day/.

Viele Organisationen veranstalten sogar vor Ort „didit-Parties“, mit ein bisschen Glück auch bei euch in der Nähe: https://termine.di.day/. Dort kannste vermutlich sogar die Oma mit ihrem Laptop hin schicken, die freundlichen Nerds von Nebenan a.k.a. „Digitale Zivilgesellschaft“ helfen ihr dann. Und heute, am 4.1.2026 geht’s los. Aber seien wir ehrlich: Natürlich begleitet man die Oma (genauso wie Mutter und Vater), denn ihr als Familien-Admin werdet das dann ja später warten müssen. Und sind wir noch ehrlicher: Vermutlich lernen wir als interessierte Laien mit bestenfalls gefährlichem Halbwissen auch noch was dazu. Hach, ist das nicht toll wenn man hemmungslos von sich auf andere schließt? (c;

Wenn ihr euch also, vorbildlich wie ihr seid, dann doch ein wenig in die Details einarbeiten wollt oder über kleinere Problemchen beim Wechseln stolpert, informiert euch in der Empfehlungsecke von Mike Kuketz seinem Blog. Der Kuketz Mike ist eine der Größen in Sachen Privacy und IT-Sicherheit und hat extrem viele dieser Themen abgedeckt. Seine Anleitungen sind so geschrieben, dass man sie auch als Laie umsetzen kann.

Mein persönlicher digital independance score

Die folgende Liste zu schreiben tat richtig gut, denn erst jetzt wird mir klar, wie viel ich schon abhaken kann. Und das motiviert! (c:

Ich werde diese Listen updaten, wenn sich was ändert:

  • 199? Firefox statt Internet Explorer, mit den privacy addons ublockorigin, Idontcareaboutcookies, facebookcontainer
  • 200? Thunderbird statt Outlook
  • 2020 Ersten Laptop auf Linux (Cinnamon Mint, fühlt sich wie Windows an) umgestellt, seitdem sukzessive die PCs & Laptops der Familie nachgezogen. Selbst meine digital gehandicapten Eltern kommen mit Cinnamon Mint klar und vermissen Windows nicht.
  • 2020 OpenOffice oder LibreOffice statt MS Office, wo immer es geht
  • 2020 Registrierung bei buch7.de (amazon „notgedrungen“ bis heute beibehalten (will heißen: der Bequemlichkeit halber), aber immerhin +1
  • 2020 Signal installiert, aber mangels anderer User nie richtig genutzt. immerhin +1
  • 2022 mastodon (twitter hab ich nie bespielt)
  • 2023 pi-hole als zentralen Werbeblocker des Heimnetzes installiert
  • 2025 Reinschnuppern in HomeAssistant & nextcloud begonnen (alexa, siri, OKgoogle nie genutzt)
  • 2025 Syncthing für’s Backup der smartfones statt dropbox und co.

To do (manches nur sporadisch genutzt, von anderen hart abhängig)

  • facebook (mangels Alternativen und durch die Einbindung in verschiedene Communities schwierig & nicht beeinflussbar)
  • whatsapp (mangels weit verbreiteter Alternativen die meine Kontakte nutzen schwierig, aber über die +1 Strategie hoffentlich schrittweises Loskommen möglich)
  • diverse google-dienste: gmail, drive, youtube, analytics für’s blog (Wechseln derzeit schwierig bis unmöglich)
  • amazon (schwierig, auch wg. Prime Video)
  • onedrive & dropbox (nur sporadisch genutzt, das sind easy wins für demnächst)
  • ChatGPT (am besten ein eigenes lokales LLM, aber das braucht derzeit noch unrealistisch viel Rechenpower)
  • spotify (Musik fast nix, nur die Hörspiele der Kinder. Ausleihen aus der Bibliothek machen wir schon immer, aber komplett weg von spotify sind wir noch nicht)

Ihr seht: Viele der großen Brocken haben wir noch vor uns. Macht euch also weder Vorwürfe noch Schuldgefühle, wenn ihr nicht jetzt und sofort komplett von allem loskommt – die bessere Strategie ist es, das nach und nach zu machen. Denn ehrlich gesagt brauchen diese Wechsel auch bissel Zeit und sind nicht immer mit einem Fingerschnippen getan. Manchmal steckt der Teufel dann in irgendeinem obskuren Detail.

Heißer Tip für den leichten Umstieg

Inzwischen kann man sich bei solchen technischen Dingen sehr gut von bspw. ChatGPT helfen lassen. Ich habe damit als Laie schon mehrere kniffelige Linux-Probleme in den Griff bekommen. Es gibt da keine 100%ige Geling-Garantie, manchmal verrennt sich GPT und rät einem Dinge, die schlicht nicht zur Lösung führen, aber diese Fälle sind zumindest bei mir im letzten Jahr immer weniger geworden.

Und ja: Hinter GPT steht auch wieder ein BigTech Unternehmen, von dem es eigentlich gilt, loszukommen. Ne Opensource-Lösung wäre mir hier lieb, gehostet bei irgendeinem „guten“ Anbieter. Denn ein wirklich leistungsfähiges LLM selbst lokal zu betreiben, das geht Stand Januar 2026 wohl nur mit unrealistisch hohem Hardwareaufwand.

Und nochmal der heiße Tip von eben wiederholt: Guckt euch Mike Kuketz an. Ich kenne keine bessere Seite zu diesen Themen.

Wie weiter?

Die Idee, regelmäßig und schrittweise umzuziehen, kommt mir sehr gelegen. Weil: Alles auf einmal umzusetzen überfordert uns alle.

Und die Art, wie das als Digitaler Independance Day für die breite Masse aufbereitet und präsentiert wird, finde ich sehr gelungen. Ich habe sonst nie irgendwelchen guten Vorsätze für’s neue Jahr, weil ich das permanent und rollierend mache – also ganzjährig und unabhängig vom Datum, aber hier mache ich ne Ausnahme.

Und ihr so?

5 responses to “Dutgemacht – Digitale Unabhängigkeit”

  1. Katharina Schwab sagt:

    Cool Danke

  2. Inch sagt:

    Ich bin letztes Jahr auch auf Linux umgestiegen. Und Signal nutze ich schon länger. Leider bleiben viele meiner Kontakte lieber auf WhatsApp. Firefox habe ich eh immer genutzt. Amazon habe ich noch, wegen Prime. Aber wenn es geht bestelle ich direkt bei Deutschen Anbietern wie vidaxl, Otto oder Kaufland, gehe sowieso in Buchläden. Ich suche noch nach einem kostenlosen Mailanbieter

    • Der Brumme sagt:

      Klingt ähnlich wie bei mir/uns: Linux seit 2020, firefox seit immer und bei whatsapp spielt das Umfeld nicht mit.

      Für Bücher empfehle ich immer gern buch7.de, denn die spenden einen Teil der Erlöse an soziale Projekte. Buchpreisbindung sei Dank gibt’s preislich ja keine Unterschiede bei neuen Büchern.

      Thema kostenloser Mailanbieter: Ich habe seit den späten 90ern meine wichtigsten Adressen bei gmx und rufe die über thunderbird ab. Kostenlos, aber du bekommst halt Werbe-Spam von denen. Das kann man easy von Thunderbird wegfiltern lassen. Deren „intelligentes Postfach“ kann man deaktivieren, dann wird der Inhalt meiner Mails nicht automatisch durchsucht und analysiert (jedenfalls nicht offiziell; man weiss ja nie…) Inzwischen hab ich meine eigene domain, könnte mir also über @derbrumme.de emailadressen einrichten, aber sowas hat halt nicht jeder, klar.

      Das Prime-Abo hatten wir erst geholt, als wir auf Die Serie Good Omens aufmerksam geworden sind und das nirgendwo anders fanden. Inzwischen gucken wir dort öfter mal rein, aber die Shoppingvorteile spielen auch ne Rolle. Auch wenn das total dekadent klingt, Lieferung am nächsten Tag ist manchmal (selten, aber hin und wieder) der Lebensretter, und immer bequem. Ich bin eh bekennender Onlineshopper (nicht nur amzn), weil ich mir dadurch sehr viel Lebenszeit spare, wenn ich mir Fahrten in die Stadt oder sonstwohin vermeide… Aber „online vs. Einzelhandel“ ist schon wieder ein Thema für sich, und ich will hier nicht abschweifen. 😉

      Die aktuelle Digital Independence Baustelle bei mir ist nextcloud, das hatte ich 2023 schonmal versucht, war aber drüber abgestorben… Und seit heute bastle ich wieder daran. Hab noch nicht genug Überblick, aber schonmal erfolgreich eine Instanz installiert und zum Laufen gebracht. Jetzt muss ich das irgendwie mit Leben füllen, also sinnvolle Anwendungen dafür finden & einrichten. Ich werde berichten… irgendwann. 😉

      • Inch sagt:

        Ja, das mit nextcloud interessiert mich. Ich meine, ich brauchte schon bei der Installation von Linux Hilfe. Da möchte ich mich über Nextclud erst richtig gut informieren und die Fallstricke kennen, bevor ich drinnen hängenbleibe. GMX, da brauche ich doch nicht zwingend Thunderbird, oder? Na ich schaue mir das mal an. Danke für den Tipp

        • Der Brumme sagt:

          Nein, deine gmx -Emails kannste mit jedem beliebigen Emailprogramm abrufen (vor Thunderbird bei mit mit MS Outlook). Notfalls geht’s auch direkt im browser: Logge dich bei gmx.net ein und schon bist du in deinem Postfach. Auf dem smartfon nutze ich übrigens die angenehm schlanke App K-9.

          Was dein „ich brauchte schon bei der Installation von Linux Hilfe“ betrifft: Ich auch. Ich hab damals einen befreundeten IT’ler genervt wenn ich Probleme hatte, aber cinnamon mint ist so einfach zu installieren, dass gar nicht mal so viel Hilfe nötig war. Heutzutage bekommt man das locker mit ChatGPT hin: 95% aller Linux-Probleme kriege ich damit gelöst (und nein: ich hab keinen Werbevertrag mit OpenAI 😉 ).

          Bei Nextcloud kann ich dir noch nicht helfen, weil ich heute erst damit beginne, mich da reinzuarbeiten. Hier ein paar Links, die ich hilfreich und/oder informativ finde.

          Auf meinem Homeserver läuft ein CasaOS mit mehreren Docker Containern, einer davon ist eben Nextcloud. Daher habe ich auch die Nextcloud Instanz von BigBearTechWorld verwendet und mich beim Installieren nach dessen Anleitungen gerichtet: https://www.youtube.com/watch?v=O0fzG16COYc

          Das Nextcloud Blog (bisher nur überflogen) https://nextcloud.com/blog/
          Der Nextcloud Appstore: https://apps.nextcloud.com/
          Überblick über alle mögliche Apps: https://www.youtube.com/watch?v=MlLrcpXBB_A
          Neuer Workspace (muss ich noch komplett angucken, scheint aber informativ zu sein) https://nextcloud.com/blog/nextcloud-hub25-autumn/
          Kein spezielles Nextcloud-Thema, aber wichtig wenn man einen Homeserver betreibt und den von außen erreichbar machen will: https://www.youtube.com/watch?v=37yyXTKxSXI

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.