Bosch Roxx‘x Staubsauger reparieren

Unser alter Staubsauger hat uns fast 15 Jahre lang treu gedient, aber irgendwann neulich begann er, jede Minute die Selbstreinigung zu aktivieren. Dafür unterbricht er das Saugen, rattert ein paar Sekungen lang rum und fährt dann wieder fort – aber nur für kurze Zeit, dann beginnt der ganze Zirkus von vorn. Wenn er das 3-4 Mal gemacht hat, stellt er die Arbeit komplett ein und muss aus- und wieder angeschaltet werden.

So kannste türlich nich arbeiten, das nervt kollosal.

Stammleser, die hier sind wegen des Garten- oder Hobby-Contents kommen heute nicht auf ihre Kosten. Der Beitrag ist vermutlich nur für Leute mit dem selben Problem relevant, die das selbst reparieren wollen und über eine Onlinesuche hier gelandet sind.

Daher in Kürze:

  • Unser Modell ist ein beutelloser Bosch Roxx’x (E-Nr. BGS61430/02)
  • Ich konnte die Ursache finden (verdreckter Differenzdrucksensor) und
  • das Problem beheben (Sensor deaktivieren; alternativ reinigen).
  • Schwierigkeitslevel: Laie / Heimwerker. Man muss kein Ingenieur oder Elektriker sein, braucht keine besonderen Werkzeuge, im simpelsten Fall nur ein paar Schraubendreher (und evtl. Spezialbits), wobei ein Akkuschrauber zu empfehlen ist, weil’s einfach schneller geht.
  • Die einzige Herausforderung ist, bei der De- und Remontage den Überblick zu behalten.
  • Was hilft: Vor jedem Schritt Fotos machen und alle Teile so ablegen, dass man weiß, welche Schraube zu welchem Teil gehört.

Ursachenfindung

Die Onlinerecherche brachte mich darauf, dass ein Drucksensor das Problem ist: Der verdreckt irgendwann, funktioniert nicht mehr richtig und der Staubi denkt, er sei verdreckt, dass der Saugdruck abnimmt.

In Wahrheit misst der Sensor die Druckdifferenz zwischen „wieviel Luft zieht der Motor“ und „wieviel davon kommt am Saugrohr an“ (das meint den Saugdruck/-zug, der nach den Filtern noch herrscht) in 2 verschiedenen Druckkammern. Die genaue Erklärung spare ich mir, wen’s interessiert, dem sei folgende Beschreibung aus der 2. Anleitung empfohlen:

Hier die beiden Anleitungen, die ich finden konnte:

Anleitung 1 ist rein verbal, aber trotzdem einigermaßen hilfreich.

https://forum.teamhack.de/thread/62918-staubsauger-bosch-roxx-x-sensor-lahmlegen-und-automatische-reinigung-unterbinden/?postID=330905#post330905

Anleitung 2 enthält Fotos, ohne die man eigentlich keine für Laien (wie mich) verständliche Reparaturanleitung nicht machen kann.

https://roehren-radio.eu/reparatur-eines-bosch-roxxx-staubsaugers

Ich hab eigentlich nicht viel Neues zu ergänzen – mit diesen beiden Anleitungen kam ich klar – aber falls es irgendjemanden da draußen gibt, der dasselbe Problem mit diesem Staubsauger hat: Vielleicht hilft mein Reparaturbericht ja noch ein bisschen. Als Bonus-Anleitung, sozusagen.

Erster Reparaturversuch

Ich hatte das Gerät Ende April schon mal geöffnet und mich bis zur Platine vorgearbeitet, auf der der Drucksensor sitzt. Der Sensor ist so verbaut, dass man ihn kaum gescheit knipsen kann – im folgenden Bild ist er in dem rot markierten Bereich versteckt:

Wie man sieht, kommste an das Teil nicht ran. Also geht „aufmachen und säubern“ schonmal nicht, jedenfalls nicht ohne weiteres Auseinanderbauen der Innereien – und an der Stelle war mir das Ganze dann zu heikel: Die Anleitungen blieben mir zu vage und ich wollte nichts versehentlich kaputtreparieren. Also hatte ich mich darauf beschränkt, den Schlauch der Zuluft (Wie man sieht, kommste an das Teil nicht ran. Also geht „aufmachen und säubern“ schonmal nicht, jedenfalls nicht ohne weiteres Auseinanderbauen der Innereien – und an der Stelle war mir das Ganze dann zu heikel: Die Anleitungen blieben mir zu vage und ich wollte nichts versehentlich kaputtreparieren.

Also hatte ich mich darauf beschränkt, den Schlauch der Zuluft (im Foto gelb markiert) abzustöpseln und zu hoffen, dass es dadurch besser wird. Die Remontage gelang problemlos und wider Erwarten waren am Ende auch keine Teile mehr übrig, allerdings blieb die erhoffte Besserung aus. Im Gegenteil: Durch den abgestöpselten Schlauch kam jetzt gar keine Luft mehr am Sensor an. Ergebnis: Die Selbstreinigung unterbricht den Saugbetrieb jetzt ungefähr aller halben Minuten.

Ganz ehrlich: Danach war meine Motivation weg und ich habe die Reparatur den gesamten Sommer über erfolgreich weg-prokrastiniert. Staubsaugen macht ohnehin keinen Spaß, aber jetzt isses quasi unerträglich. Das Teil professionell reparieren zu lassen kommt nicht in Frage, weil a) die Kosten verglichen mit einem Neugerät vermutlich untragbar sind und b) ich ja eigentlich weiß, wie’s geht…

Neuer Anlauf

Heute war der Frust über die Situation groß genug, um aktiv zu werden: Ich hab nach nem neuen Staubi gesucht, konnte mich aber auch nach drölfzig Testberichten nichtmal annähernd auf ein Modell einschießen und konnte mich dann endlich dazu durchringen, es nochmal mit der Reparatur zu versuchen.

Ich hab wie beim ersten Mal versucht, jeden wichtigen Schritt zu knipsen, damit ich nicht vergesse, welche Schraube wohin und welcher Stecker in welche Buche kommt. Lacht nicht. Sicher, vielleicht könnt ihr euch sowas merken (vor allem die Ingenieure unter euch haben damit vermutlich weniger bis keine Probleme), aber ich kann mich nicht darauf verlassen, dass ich nach ner halben Stunde wildem Rumgeschraube außerhalb meiner heimwerkerlichen Komfortzone (Elektrogeräte sind weniger meins) noch jedes kleine Detail fehlerfrei im Kopf hab.

Ich hab’s ohne Zwischenfall bis an die Stelle geschafft, wo ich letztes Mal war:

Die technisch Begabteren unter euch werden beim Vergleich der beiden letzten Fotos feststellen, dass auf dem 2. Bild die Motorabdeckung rechts der Platine fehlt (sorry, hatte keine vorher/nachher-Fotos gemacht) . Diese Abdeckung verhindert, dass man die Platine nach oben herausziehen kann. Also muss sie weg…

Obwohl sie scheinbar nur mit 4 Schrauben befestigt war, war ich mir unsicher, ob ich sie einfach so ohne irgendwelche unerwarteten Komplikationen demontieren kann. Die Abdeckung musste aber zwingend weg, sonst käme ich heute an dieser Stelle wieder nicht weiter…

Nach einem inneren „F*ck you, ich versuch’s jetzt einfach!“ ging das dann erstaunlich einfach:

  • 4 Schrauben raus
  • Abdeckung vorsichtig runternehmen
  • Platine rausziehen

Na bitte, geht doch! (c:

Das rot markierte Gedöns ist besagter Drucksensor. Die schwarze Kappe sitzt sehr straff, muss aber runter. Beherztes Hebeln mit einem flachen & breiten Schraubendreher hilft. Drinnen sah’s dann so aus:

Dieser Dreck (Sand) sorgte dafür, dass der Sauger nicht mehr richtig saugte. Die graue weiche Gummikappe kann man noch abziehen, dann kommt man an die untere Druckkammer ran. In der war zwar kein Dreck, aber dort wohnen eine Feder und ein Metallplättchen:

Jetzt gibt’s 2 Möglichkeiten:

  1. Reinigen und alles wieder zusammenbauen – dann läuft der Staubi wieder wie vorher, jedenfalls bis zum nächsten Mal, wenn dieser blöde Sensor wieder verdreckt ist. Zugegeben, das hat bei uns locker über ein Jahrzehnt gedauert bis das Problem auftrat, aber die Reparatur war für mich ein so epischer Sackgang, dass ich das nicht nochmal machen möchte. Die Selbstreinigung brauchste auch nicht unbedingt. Also entscheiden wir uns für Tor 2:
  2. Die Feder, das Metallplättchen und den Zufuhrschlauch ausbauen und weglassen. Dann selbstreinigt sich der Staubi nie mehr, das muss man dann also selbst machen (was wir eh tun), aber das nervige Problem tritt auch nicht mehr auf.

Wir wählten Tor 2. Der Sensor war schnell entkernt und wieder zusammengebaut, aber dann folgte das, wovor ich den meisten Bammel hatte:

Der komplette und fehlerfreie Zusammenbau in der richtigen Reihenfolge und ohne Teile zu vergessen. Uff…

Ey, lacht nicht! Nicht jeder ist Elektriker oder Ingenieur.

Vor allem deshalb nicht, weil es dabei keine Pannen gab. Ich kann stolz berichten dass der Staubi wieder saugt und wir bis auf die ausgebauten Teile nix weiter übrig haben. Erste kurze „Stecker rein, Staubi an“-Proben ergaben keine Auffälligkeiten, ich bin also guter Dinge und klopfe mir innerlich auf die Schulter. (c:

…na gut, einen Vorfall gab’s dann doch noch:

Beim Aufräumen musste ich nochmal kurz überlegen. Ich war mir nämlich nicht sicher, was…

…dieser Rosenglanzkäfer an den Bits wollte. War das ein verspätetes Hilfsangebot? Eine unangekündigte Werkzeuginspektion? Wo kam der her? Wo wollte er hin?

Fragen über Fragen. (c:

Für’s Protokoll: Ich hab ihm für die mutmaßlich angebotene Hilfe gedankt und ihn vor die Tür gesetzt. Sonniger Herbsttag und so, da kann er sich nicht beschweren.

Sorry für das übliche ausschweifende brummsche Gelaber. Wer nur für Reparaturhinweise hier gelandet ist: Ich hoffe ihr bekommt eure Reparatur erfolgreich und vor allem schneller als ich hin, und braucht nicht auch von April bis September.

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