Wintergärtnern, oder: Frühlingsgefühle im Oktober

Der Sommer ist definitiv vorbei. Da können auch pralle Herbstsonne und mildes Oktoberwetter nicht drüber hinwegtäuschen. Wobei, fast wäre ich heute darauf reingefallen: Am Samstag Nachmittag zeigte das Thermometer auf der Terrasse 23°C an.

Mein liebster Herbstindikator: Der brummsche Essigbaum.

Aber zum Faulenzen und in der Sonne Rumlümmeln war natürlich keine Zeit: Die thun’sche Pflanzzeit hat wieder begonnen und heute Vormittag bis 14 Uhr ist Blatt-Tag. Guckt mal auf dem folgenden Foto hinter den Kübel mit der Physalis: Seht ihr dort den schwarzen Eurobehälter stehen? Genau, der aus dem diverses Grünzeug quillt… Das will alles heute bis 14 Uhr in die Erde!

Aber Daniel, jetzt ist Herbst! Da wird geerntet und nicht gepflanzt…!

Falsch. Auch jetzt wird noch gesät und rausgepflanzt. Wintergärtnern ist das Zaubewort. Guckt mal, was man im Oktober noch alles säen und pflanzen kann. Spannend, das!

Wintergärtnern ist eines der Dinge, die ich für ein gärtnerisches Level-up halte. Das hebt das Gärtnern jeweils auf ein ganz neues Level. Andere solche Gamechanger sind Marie’s Kompostbeete (Pappe auf die Wiese, Kompost drauf, fertig!) und ihre Holzhackschnitzelmulchmethode (ne 5-10cm dicke Schicht davon unterdrückt das Unkraut und erspart das Gießen!) zählen für mich genauso dazu wie Gertrude Francks Mischkultursystem. Und natürlich Maria Thuns Aussaattage. Aber während die beiden erstgenannten Dinge relativ leicht zu „meistern“ sind, kann man Mischkultur, Aussaattage und eben auch das Wintergärtnern eben nicht einfach so von heute auf morgen „können“. Da muss man Erfahrungen sammeln, Fehler machen und das alles systematisch auswerten, d.h. möglichst alles aufschreiben. Weil merken kann man sich das natürlich nicht alles. Ich jedenfalls nicht. Und das Wintergärtnern mache ich erst seit kurzem, und auch noch nicht so dolle erfolgreich bisher, vom Mangold mal abgesehen, aber der ist ja eh unkompliziert. Dieses Jahr probiere ich wieder verschiedene Kohlsorten, außerdem jede Menge Salat.

Sorry für die brummsche Abschweifung, zurück zum Thema! (c;

Vorher der ganzen Rauspflanzerei kommt jedenfalls erstmal die Physalis dran, die den Sommer über auf der Terrasse für sich hin dümpelte. Ich will der noch ne Chance geben und sie den Winter über ins Haus holen. Zwei solche großen Kübel mit Physalissen sind schon drin, für eine von denen musste ich ein Gerüst bauen, weil die nach beiden Seiten extrem ausladend ist und ich die irgendwie stützen muss. Das war ein vergnüglicher Feierabend in der Werkstatt plus ein paar Stunden nach acht, als die Zwerge endlich schliefen, und am Ende kam dann das hier raus:

Sieht nach nüscht aus, erfüllt aber seinen Zweck.

…und heute kommt eben Kübel Nummer Drei rein. Ich nehme hier mal den Schafwollmulch runter, weil der mir zu unansehnlich fürs Wohnzimmer geworden ist. Stattdessen kommt da ne Hanfmatte rein. Die ist noch vom Wurmhotel übrig und macht sich bestimmt sehr gut als Abdeckung.

Na, sieht doch chic aus, oder?

So, jetzt isses aber höchste Zeit! Es ist schon später Vormittag und bis 14 Uhr muss das hier alles irgendwo eingepflanzt sein!

Hinten: Wintersalat und Baquieu, vorn: Zierkohl und Abessinischer Kohl. Bin gespannt wie Bolle, ob das was wird.

Nicht nur das – ich will die Kohlse in die Tomatenkübel auf der Terrasse am Haus pflanzen. und da muss ich vorher natürlich die Tomaten rausnehmen. Ein kompletter Kahlschlag würde ja schnell gehen, aber einige Pflanzen haben noch Tomaten dran, bei denen ich mir Hoffnung auf rechtzeitiges Reifen mache…

Tomaten im Oktober: Schön ist anders.

Also ist erstmal semi-hektisches Rumschnippeln angesagt: Hier ein vertrockneter Stiel, dort ne ganze Pflanz rause. Hier ne halbleere Rispe abgemacht und auf den „die reifen vielleicht noch nach!“-Haufen gelegt, dort ne Pflanze komplett stehen lassen wegen fünf halbreifen Tomaten. Manchmal bringt man’s eben einfach nicht übers Herz.

Das dauert. Am Ende ist es dann deutlich leerer, und ich hab Platz für die Kohlse:

Noch ne brummsche Abschweifung: Vor diesem Radikalschnitt haben die Gartenzwerge Mitte der Woche noch einmal alles abgeerntet was halbwegs reif war.

Not sponsored by Disney.

Die wurden alle aufgeschnitten…

…und von unserer Dörrothea getrocknet:

Schade dass man Gerüche nicht posten kann. Das ganze Haus duftet immer, wenn Dörrothea arbeitet!

Ich mache solche Aktionen immer Abends und lasse das Dörrgerät auf 40°C (bis 42°C = Rohkostqualität, und unser Gerät ist in 5°-Schritten einstellbar) für 24 Stunden laufen, danach ist alles schön knusprig. Irgendwann hänge ich da der Neugier halber mal den Energiemesser ran…

…wobei mir das Ergebnis fast egal ist, denn der Geschmack ist einfach unübertroffen!

Leider hält so ein bisschen nicht sehr lange, das wird in wenigen Wochen alle sein. Wir hacken 1-2 Handvoll davon klein…

…und pimpen damit die Tomatensoße für die Nudeln.

Zusammen mit gebratenen Zwiebeln, Tomatenmark und entweder etwas Zucker oder gleich einem Schwubb Ketchup. Achtung, Suchtgefahr!

Ode an die Trockentomate.

Ende der Abschweifung, zurück zur Pflanzaktion:

In die Ex-Tomatenkübel am Haus setze ich Zierkohl, einfach weil der schön aussehen soll und ich auf der Terrasse gern was habe, wo das Auge mit isst. Immer schön vorsichtig zwischen die Schafwolle. Die kleinen Pflänzchen sind super empfindlich, die knicken im Handumdrehen ab.

…so, die Tomatenkübel auf der Terrasse sind bepflanzt, ein knappes Viertel der Vorzucht ist damit im Boden. Der Mittag nähert sich mit großen Schritten, und ich kann die Uhr förmlich ticken hören. Manchmal ist Gärtnern definitiv nicht entspannend!

Auf dem Querbeet* standen Kartoffeln und Tomaten, das ist jetzt schon seit Wochen leer. Die vordere Hälfte bekommt Zierkohl, hinten steht der Abessinische Kohl. Pflanzabstand ca. 30cm, mal sehn ob das reicht oder sich als zu eng herausstellt…

* so benannt, weil es quer zum großen Gemüsebeet liegt.

Hier hab ich öfter mal nen Marder drin, der mir tiefe Löcher reinbuddelt. Hoffentlich lässt er die kleine Kohlse drin, sonst gibt’s Ärger!

Zwischendurch ne Zwangspause, weil einer der Gartenzwerge nen jungen Igel entdeckt. Da haste alle Hände voll zu tun, die kleinen und größeren Knirpse zu bändigen und zu verhindern, dass sie ihm zu nah auf die Pelle rücken.

Suchbild: Finde den Igel. (c:

Die Kids sind begeistert, und wie immer bei solchen „Pfengen“ stelle ich mir die klassische „junger Igel im Herbst„- Frage: Isser groß genug um den Winter zu überstehen…?

Er hat von den Kids ein bisschen Katzentrockenfutter bekommen, das ihm offensichtlich so schmeckte, dass er sich von den nicht gerade leisen Kindern nicht stören lies. Entweder war er wahnsinnig hungrig oder die mangelnde Scheu liegt an der fehlenden Lebenserfahrung. Oder beides.

Später kommt hier vielleicht noch ein Igelvideo rein, mal sehn…

Zurück zum Salat.

Der Kürbis ist „durch“ und muss aus dem Hochbeet raus. Anschließend noch ne Schubkarre voll Kompost rein, weil sich die Erde um ca. 20cm gesetzt hat. Dann können die Baquies rein.

Ein knappes Dutzend Sweet Dumplings. Bin gespannt wie die schmecken – auch das war eine neue Sorte in diesem Gartenjahr. Toll aussehen tun sie schon mal! (c:

So, jetzt aber: Ein ganzes Beet voller Baquieu! (c:

Baquieu-Saatgut ist auch dieses Jahr wieder kaum zu bekommen, und ich bin froh dass ich ein paar Salate hatte blühen lassen. Die Enkel von Berthold Baquieu waren ergiebig – jetzt hab ich genug Saatgut für ne ganze Salatwiese. (c;

Die restlichen vorgezogenen Baquieus kommen ins große Gemüsebeet, dort wo ihre Vorgänger dieses Jahr standen. Im Frühjahr werden die dann abgeerntet, dann rücke ich gemäß Gertrud Francks Mischkultursystem eine halbe Beetreihe weiter.

Schließlich hab ich dann gerade noch so alles rechtzeitig in die Erde gekriegt. Manchmal ist Gärtern entspannend, und manchmal muss man da eben einfach durch. Klar, ich hätte mir heute ne Stunde sparen können, wenn ich gestern schon die Tomatenkästen vorbereitet hätte. Aber dafür hätte gestern Zeit gewesen sein müssen.

Und bevor ich mich jetzt weiter in zweifelhaften Zeitformen ergehe, beenden wir das hier besser, oder? (c;

…oh, und wenn ihr Rezeptideen für Sweet Dumpling Kürbisse habt: Immer her damit!

2 responses to “Wintergärtnern, oder: Frühlingsgefühle im Oktober”

  1. Sonja Berndl sagt:

    Hallo Daniel,

    ja, dieses semi-rumschnipseln an den Tomaten kenne ich nur zu gut!

    Ich habe den Mulch um die Tomaten im Topf weggemacht und da Feldsalat und Winterpostelein und so was gesät und gepflanzt. Somit muss ich die Tomaten noch nicht wegmachen und kann drunter schon was ernten – oder zumindest beim Wachsen zuschauen!

    Liebe Grüße
    Sonja

    • Der Brumme sagt:

      Solche „wintergärtnerliche Unterpflanzungen“ sind bei mir dieses Jahr auch ein großes Thema.

      Bisher hab ich das gezielte Wintergärtnern nur so am Rande gemacht und mich mit diesem spannenden Thema noch nicht beschäftigen können. Obowhl ich Wolfgang Palme’s Buch dazu schon seit Monaten auf dem „unbedingt lesen!“-Stapel habe…

      Die Kübel am Haus (Süd- und Westseite, schön geschützt unter’m Dachvorsprung) haben ja jetzt Kohl reingepflanzt bekommen – das ist das erste Jahr, dass ich die den Winter über stehen lasse und nicht wegräume. Bin megagespannt ob sich das bewährt!

Kommentar verfassen