Kaffeesatz vs. Schnecken: The race is on!

Ich hab ja gestern ein Dutzend kleine Kohlrabi auf die abgeerntete Kartoffelzeile gepflanzt. Wohlwissend, dass mir links und rechts aus dem Essgebüsch hundert hungrige Stielaugen dabei zugucken. Siehe hier, ganz am Ende des Artikels.

Die frisch eingesetzten Kohlrabi, gestern Abend.

Heute Nachmittag ging über Chemnitz ne Viertelstunde lang ein veritabler Starkregen nieder. Glücklicherweise ist Brummehausen von Schäden verschont geblieben. Aber natürlich ist die Erde jetzt wieder schööön nass, genau so wie die Schnecken das lieben. Obwohl… die wären sicher auch über trockene Erde zu den Jungpflanzen gekrochen.

Jetzt weiß ich als schlauer Gärtner ja, dass Schnecken Jungpflanzen lieben, und Kohl für sie die Delikatesse schlechthin ist. Ich könnte nachts Gläser drüberstülpen, aber da wachsen meine Schützlinge schnell raus, und meine richtig großen Vorratsgläser sind mir dann doch zu schade dafür. Außerdem müsste ich die ja allabendlich drüberstülpen und allmorgendlich vor der Fahrt zur Arbeit abnehmen. Ich mach zwar überdurchschnittlich viel im Garten, aber dafür bin ich dann doch zu faul, ganz ehrlich. Außerdem glaube ich, dass sich die Schleimer sowieso ganz einfach unter dem Glasrand durchquetschen würden.

Ihr seht: Gläser fallen aus ganz anderen Gründen als brummscher Faulheit aus. (c;

Den Schneckenkragen mißtraue ich, denn ich kenne die Kletterkünste meiner Beetmitbewohner mittlerweile recht gut. Selbst die legendäre brummsche Beetumpuschelung (siehe hier, da und dort) hilft nur so mittelgut, und bei nassem Wetter erwische ich öfter mal nen Kletterkünstler auf der Leinwand.

Heute Abend – ich war gerade dabei, ein Schneckenvideo vom Landei zu gucken – ergriff des Gärtners Herz ein gar mulmiges Gefühl. Es war schon halb zehn, also fortgeschrittene Dämmerung, der Garten war noch tropfnass vom nachmittäglichen Regen, die Kohlrabi standen schutzlos im Beet… Nein, da gehste lieber nochmal raus. Jetzt, gleich, sofort. Also das Video pausiert, schnell noch mein wichtigstes Gartengerät geschnappt: Das Wischkästl, mit dem man nicht nur Fotos machen kann, sondern das auch als Taschenlampe des Gärtners nächtlichen Weg erleuchtet. Und ja: Heute ist Genitiv-Tag. Muss auch mal sein, den mag ja sonst keiner mehr.

Was ich vorfand, war absolut nicht überraschend:

Schnell, aber nicht schnell genug.

Eine krabbelte gerade von außen über die Umpuschelung, die zweite kam aus dem Dickicht im Beet selbst und marschierte schnurstracks auf ein armes, unschuldiges Pflänzchen zu, ungezügelte Freßgier im Blick. Oder so. Jawoll, ich hab ne lebhafte Fantasie. Und? (c;

Aber echt ma, hört ihr im nicht auch Hinterkopf die Hitchcock-Geigen, wenn ihr so ne Szene seht? Furchtbar, das!

Beide Schnecken haben inzwischen – ganz im Sinne der Permakultur – einen anderen Nahrungskreislauf geschlossen. Unsere Karpfen lieben die. Und nein: Wir werden die Karpfen sicher nicht mehr essen. Die dürfen alt werden. Im Gegensatz zu den Schnecken.

Aber damit war ja nur eine Schlacht gewonnen – den nächtlichen Krieg würde ich mit Sicherheit verlieren. Ich kann ja nicht die ganze Nacht draußen bleiben und das Beet gegen die Schleimer verteidigen. Vor dem Morgengrauen hätten mich die Mücken gefressen, und über die Reste würden sich – genau – die Schnecken hermachen. So einen Anblick muss ich natürlich meinen Mitbewohnern ersparen. Die Kohrabis will ich aber trotzdem nicht kampflos aufgeben.

Also probiere ich es nochmal mit chemischer Kriegsführung. Oder biologischer? Na egal, jedenfalls hab ich den fast leeren Fünflitereimer mit dem getrockneten Kaffeesatz geholt. Den haben wir den Herbst und Winter über ganz diszipliniert Kanne für Kanne gesammelt und auf dem Ofen getrocknet. Die Restbestände sind fast alle. Da ich seit zwei Wochen komplett Kaffee-clean bin (juhu!) und meine Frau nicht soviel trinkt wie ich es tat, werd‘ ich auch nicht so schnell wieder Nachschub kriegen. Ihr seht, das Zeug ist richtig wertvoll.

Aber das sind meine Kohlrabi auch. Das sind die Trostpflanzter, die mich über die ca. vierzig der Braunfäule zum Opfer gefallenen Tomaten hinweg trösten sollen! Wenn ich die jetzt an die Schnecken verliere, verfalle ich vielleicht der Gärtnerdepression, wer weiß? Niemand wöllte das, am allerwenigsten ich.

Also immer drauf mit dem Braunen Gold!

Bisher hatte ich den Kaffeesatz immer breitwürfig in die Fläche gestreut, aber diesmal hab ich zusätzlich dazu großzügige Häufchen um die Pflanzen rum gemacht. Wenn ich Glück habe, regnet es heute Nacht nicht oder wenig. Mal sehn wie’s morgen früh aussieht…

3 responses to “Kaffeesatz vs. Schnecken: The race is on!”

  1. Sonja Berndl sagt:

    Hallo Daniel,

    ich habe vor Jahren das mit dem Kaffeepulversatz ausprobiert. Die Schnecken sind tatsächlich nicht über den Ring aus Kaffeesatz gekrochen, sondern vorher umgekehrt.

    Allerdings war die Versuchsfläche sehr klein und wenn man das um alle leckeren Gemüse machen würde, die den Schnecken schmecken, bräuchte man mindestens eine Kaffee-Manufaktur und einen Diener, der ständig Kaffeesatz ausstreut.

    Und dann wachsen die Pflanzen ja drüber hinaus. Ich finde, dass Kaffeesatz zwar wirksam, aber unpraktisch ist.

    Herzliche Grüße
    Sonja Berndl

    • Der Brumme sagt:

      Die Kohlrabis sind zwei Wochen später immer noch da. 🙂
      Keine Fraßspuren von Schnecken, nur ein paar Knabbereien von anderem Getier. Insofern scheint der Kaffeesatz gewirkt zu haben.

      Deinem „wirksam, aber unpraktisch“ schließe ich mich vollumfänglich an. Also müssen wir jetzt Caffees, Hotels und Restaurants abklappern une ne verlässliche Quelle für das Zeuch auftun. 😉

  2. […] vorher hatte ich Kartoffeln geerntet und tags drauf die Lücke mit Kohlrabis bepflanzt, der von den Ringelblumen nebenan langsam wieder überwuchert […]

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