Erste Kartoffelernte 2021: La Ratte, Adretta, Muse

Sonntag, regenfrei, Thun’scher Wurzeltag. Der Rest der Familie ist bei den Schwiegereltern, der Papa hat also schon seit Freitag Haus und Garten ne Woche lang für sich. Quasi wie Urlaub. Sonnenschein, das Thermometer sagt 26 Gräderiche. Also?

Ab ins Beet! (c:

Die erste Sorte, die dran ist, sind unsere geliebten La Ratte. Mal sehn wieviele das dieses Jahr werden. Wenn ich es schaffe, buddel ich noch die zweite Zeile aus, die ist hälftig mit Adretta und Muse bepflanzt. Da es heute noch gewittern soll, könnte das knapp werden. Häschtägg Spannungsbogen.

Salat Baquieu

Aber vorher noch ein kurzer Ausflug zu einer anderen Leckerei: Der Gartensalat Baquie. Dessen Saatgut war ja die letzten zwei Jahre kaum zu bekommen, daher haben viele Baquieufans ein paar Pflanzen gezielt zur Saatgutgewinnung stehen gelassen. Der Brumme ebenfalls. Vorn im Bild seht ihr die Children of Berthold, das sind die wild ausgesäten Nachkommen von Berthold Baquieu, meinem schönsten 2020er Samenlieferanten. Schon mehrfach hier erwähnt, jetzt werden die langsam reif: Die ersten Blüten sind schon trocken – höchste Zeit also!

Vorn links im Bild sind die Saatgut-Baquies.

Ich bin mehrfach gefragt worden, woran man erkennt, dass die Samen reif sind. Also, kommt mal näher…

Nee, noch näher, sonst seht ihr nüscht. Hier, guckt mal:

Die hellbraunen Kapseln sind schon trocken und können vorsichtig abgeknipst werden. Der Rest kommt jetzt nach und nach. Jede Kapsel enthält ca. 15 Samen – letztes Jahr hatte ich ein Dutzend davon geöffnet und nachgezählt. Das Erstaunliche: In jeder – wirklich jeder! – waren exakt gleich viel Samen drin. Spannend! Demnächst zeige ich euch das mal im Bild.

Die ersten 2021er Baquieu-Samen, hier noch in den Kapseln.

Und weiter hinten in derselben Zeile stehen weitere Saatgut-Salate (die Sommersorte Pirat). Das reicht für nen ganzen Acker!

La Ratte

Aber zurück zu den Ratten.

…oder auch nicht – gleich die erste Pflanze war ne Überraschung: Nanu, lila?!¿!?

Komisch, das sind definitiv keine La Ratte – das sind die kleinen Gelben rechts daneben – das sieht doch aus wie Violetta, aber die habsch im Frühling doch ganz woanders hingesetzt! Zwei Pflanzen später fiel’s mir dann wieder ein: Ich hatte beim Kartoffelnstecken noch genau eine Violetta übrig am Ende, und hatte die dann dort vorn versteckt. Wohlwissend, dass ich das bis zur Ernte wieder vergessen und mich so selbst verarschen werde – ja, jetzt kamen die Details wieder… Na bitte, Selbstverarschung gelungen! (c:

Von da an ging’s sortenrein weiter, bis am Ende der Zeile noch so ne Überraschung wartete. Aber dazu später. Spannungsbogen und so. Ihr kennt das. (c;

Als der Eimer reichlich halb voll war – nach ca. einem Drittel der Zeile – endlich mal ein schönes Kartoffelerntemotiv, ohne dass ich da erst noch irgendwas hindrapieren müsste damit’s ein schönes Bild wird:

Herrlich, oder?

Selbst wenn viele Kartoffeln winzig sind, ich freu mich über jede Knolle! Da wir seit letztem September Hühner haben, muss ich mich über diese Winzlinge auch nicht mehr ägern: Früher – will heißen: im brummschen Prähuhnzeitalter – hätte ich die Kleinsten von denen irgendwie weg getan, weil der Putzaufwand viel zu groß ist. Und als Saatkartoffeln sindse auch ungeeignet, weil diese kleinen Dinger bis zum Frühjahr vertrocknet sind.

Aber jetzt? Jetzt kann ich die ungewaschen kochen und den Hühnern geben! Ich liebe das, wenn sich im Garten Kreisläufe schließen. Dann fühl ich mich immer gleich so permakulturell. (c;

Die halbe Zeile ist fast geschafft. Ein Fünflitereimer ist voll.

Wenn man so in der Erde wühlt, macht man ja auch öfter mal ne überraschende Entdeckung. Wusstet ihr zum Beispiel, dass manche Würmer offensichtlich sehr fürsorgliche Eltern sind? Nein? Ich auch nicht!

Näher ran. Kommt schon, die beißen nicht. (c;

Ja ich weiß, Würmer sind nicht gerade hübsch. Aber doch ne niedliche Szene. Übrigens, guckt mal unten in der Bildmitte. Dort ist ein komplett transparenter Wurm, bei dem man das Innenleben sehen kann. Was es nicht alles gibt… Wir latschen auf der Erde rum und wissen meist gar nicht, welche exotischen Viecher sich darin tummeln!

Andere Wurmfunde waren jetzt eher nich so prickelnd. Der Kollege Drahtwurm hier zum Beispiel, den hab ich in flagranti erwischt:

Letztes Jahr hatte ich eine Kartoffelsorte namens „Setanta“, die wurde sehr stark von Drahtwürmern befallen. Die haben dann 1-2cm tiefe Gänge in die Knollen gebohrt. Die Kartoffeln haben sich wieder geheilt, aber das heißt dann eben, dass die Schale nach innen in diese Wurmgänge reinwächst, und die musst du beim Schälen dann aufwändig ausschneiden. Total nervig! Glücklicherweise sind die anderen Sorten weniger anfällig für Drahtwürmer gewesen, und heute hab ich bei den abgeernteten zwei Zeilen á 5m nur drei Drahtwürmer gefunden. Glück gehabt! Oder nicht richtig hungeguckt. Wir werden’s nie erfahren.

Die komplette Zeile La Ratte hat zwei gehäufte 5L-Eimer Ertrag gebracht.

Die rosa Kartoffeln neben den Violettas sind übrigens besagte Setanta. Die muss ich 2020 bei der Ernte übersehen haben. Diesmal keine Drahtwurmgänge.

Links und rechts der abgeernteten Zeile kann der Gärtner jetzt seit Wochen zum ersten Mal wieder ins Dickicht gucken. Da entdeckt man dann bspw., dass der Spinat sich gerade selbst ausgesät hat…

Die Spinatsamen muss ich dringend noch absammeln.

Alles in allem bin ich mit den La Ratte ganz zufrieden:

Nur sortieren muss ich die noch. Wie, was, warum? Nein, das ist nicht die deutsche Gründlichkeit. Leider sind viele von denen so klein, dass sich das Putzen & Waschen schlicht nicht lohnt, vom Schälen ganz zu schweigen. Also gleich ungewaschen kochen und ab zu den gackernden Damen ins Gehege! (c:

Links für uns, rechts für die Hühner.

Ein Exot war auch dieses Mal wieder dabei:

So. Sortiert sindse, halbwegs abgetrocknet ebenfalls. Also: Die Großen in die Stiege, die Kleinen in den Hühnereimer. Die bekommt mein Herr Vater, der Herr der Hühner. Die Stiege kommt in die kleine Erdmiete.

…ach siehste, für die Erdmiete wollte ich ja auch mal noch nen Artikel schreiben,
wie ich die zusammengezimmert hatte. #memoanmichselbst

Die leere Kartoffelzeile habsch gleich neu bepflanzt. Ich hatte am Freitag Abend die letzten Sibirischen Birnchen roden müssen (siehe hier) und hab mir als Trostpflanzter* je 6 Kohlrabi-Jungpflanzen mitgenommen. Später mehr dazu.

* ja, das „n“ gehört da hin. Das Wort habe ich erfunden, das ist meins. Trostpflanzter sind Pflanzen (oder Samen, da bin ich nicht so streng), die über den Verlust anderer Pflanzen hinwegtrösten sollen. War euch sicher schon klar, ich schreib das nur, damit es ne offizielle Definition gibt. Wegen der Juristen und so. Wissenschon. Urheberrecht sucks.

Adretta & Muse

Die andere Kartoffelzeile im großen Gemüsebeet teilten sich die beiden obengenannten Sorten. Adretta ist mir vom Namen her schon geläufig gewesen, die hatte ich aber bisher noch nie probiert. Muse kannte ich gar nicht. Beide waren in einem Kartoffelprobierpaket enthalten und klangen sehr verlockend.

Detaillierte Erntebilder gibts nicht, einerseits weil das drölfzigtausendste Erntefoto irgendwann langweilig wird und andererseits, weil ich gegen das anrückende Gewitter an-ernten musste. Spoiler: Ich bin gerade noch so fertig geworden. (c;

Adretta hat ca. 1 1/4 Fünflitereimer Ertrag gebracht, darunter sehr viele schöne große Kartoffeln, aber was noch wichtiger ist: Die Kleinsten sind immer noch stattliche 3cm groß. Also nicht son Mini-Mist wie bei den La Ratte; hier muss nix an die Hühner verfüttert werden. Jetzt müssen die nur noch schmecken!

Muse dagegen… naja. Der Eimer war viertelst voll, mehr nicht. Immerhin ebenfalls keine Nanoknollen. Aber der Ertragsunterschied ist schon deutlich. Aber genau dafür sind ja solche Probierpakete da.

Unterer voller Eimer: Adretta. Im fast leeren Eimer sind die Muse.
Im grauen Übertopf: Ein paar Setanta (rosa) und Violetta, jeweils von einer Pflanze.

So, das Gewitter rückt an – jetze nochma ordentlich losrammeln!

Funfact am Rande:

Mit Losrammeln meint der Sachse in der Regel keine Reproduktionsaktivitäten, sondern sich bei irgendetwas zu beeilen. Ich erinnere mich da an eine Erzählung eines westdeutschen Kommilitonen, der gemeinsam mit einer einheimischen Studentin irgendwohin musste. Die beiden hatten argen Zeitdruck, was sie zu der Aussage verleitete „Jetze müssn mor abor ordendlisch losrammln!„. Der Herr Wessi hat nach eigener Aussage ne ganze Weile gebraucht, bis er kapiert hatte, worum’s ging… und worum nicht.

Aber zurück aufs Beet. Das Gewitter naht, die Ernte ist rein – jetzt müssen nur noch das Dutzend Trostpflanzter-Kohlrabi in die Erde. Die ersten Tropfen fallen schon… Spannungsbogen? Kann ich! (c:

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin gespannt ob die groß genug werden, dass wir was davon ernten können. Brumme und Kohl war bisher keine gute Kombination. Vielleicht ändern die Kleinen hier das ja. (c:

7 responses to “Erste Kartoffelernte 2021: La Ratte, Adretta, Muse”

  1. […] hey, ich will den Artikel ja nicht so negativ beschließen, daher verweise ich auf diesen Artikel. Da seht ihr, wo die Kohlrabi ihren Platz gefunden […]

  2. Melanie sagt:

    Wieder mal ein wunderbarer Artikel?
    Meine Kohlrabis wurden alle ausnahmslos von den Schnecken vernichtet, schützt du sie irgenwie?
    Spannend die unterschiedlichen Kartoffeln. Ich hatte aufgrund deiner Empfehlung erstes mal LaRatte, waren au nicht riesig, aber lecker!
    Adretta sieht echt vielversprechend aus und auf Muse bin ich au gespannt!
    Woher hast du die Kiste in deiner Erdmiete? Liegen die einfach so drin, oder auf Sand?
    Bei mir blüht zum ersten mal der Salat, morgens in hellblau? danke für den Tipp wann der Samen fertig ist.
    Ich würde die gern von den Piraten und Bertholds Kindern was abnehmen zum testen, aber diesmal mit ordentlicher Schneckenabwehr… selbst im Hochbeet fressen se rum…

    • Der Brumme sagt:

      Danke für das Lob Melanie! (c:

      Die Kohlrabis haben die erste Nacht ungeschützt und unbeschadet überstanden, aber das ha noch gar nix zu sagen… Eigentlich wollte ich abends Gläser drüberstülpen, aber a) müsste ich die am Morgen vor der Fahrt zur Arbeit dann immer wieder runternehmen (Faulheit!) und b) bin ich mir recht sicher, dass sich die kleinen Schleimerchen da drunter durchquetschen. Schneckenkragen traue ich nicht so richtig (ohne sie bisher ausprobiert zu haben), weil ich die Kletterfreudigkeit „meiner“ Schnecken kenne. Daher harrt das Problem noch einer Lösung.

      Die Kartoffeln habsch relativ früh geerntet, jedenfalls wenn man nach den üblichen Gartenkalendern geht. Aber. Das Laub war halt welk (bei einigen wenigen Pflanzen sogar schon komplett vertrocknet!) und wir haben die vermaledeite Krautfäule, die befällt ja auch Kartoffeln. Dann ernte ich lieber etwas eher und hab kleinene Knollen, als dass es zu spät ist und mir die Ernte im Boden verseucht wird oder wegen der Nässe verfault. Die anderen Sorten sind noch nicht soweit (bis auf eine, die kommt an den nächsten Wurzeltage raus), mal sehen wie die sind…

      Die Kiste in der Erdmiete ist ein Eigenbau aus einem Aluminiumverbundstoff namens „Alucore“, von dem bei meinem Arbeitgeber regelmäßig Reste anfallen. Unverrottbar und für diese Zwecke mehr als ausreichend. Eigentlich fast zu schade, aber besser als das Zeug zum Recycling zu geben. Die Kiste ist untenrum offen, wie es bei einer Erdmiete sein soll.

      Hellblauer Salat, what?!? Hab ich noch nie gesehen!
      Die Piraten & Bertholds Kinder /bzw. Enkel) schicke ich dir demnächst zu! (c:

  3. […] dass mir links und rechts aus dem Essgebüsch hundert hungrige Stielaugen dabei zugucken. Siehe hier, ganz am Ende des […]

  4. […] also, wiedermal. Die erste Ernte ist ja schon reichliche zwei Wochen her, mal sehen ob sich in der Zwischenzeit was getan hat. […]

  5. […] vorher hatte ich Kartoffeln geerntet und tags drauf die Lücke mit Kohlrabis bepflanzt, der von den Ringelblumen nebenan langsam wieder […]

  6. […] Kartoffelernte ist ja nun durch (wir sprachen ausführlich darüber: hier und hier), und bis auf die Kartoffelpyramide (Bericht vom Bau) sind alle anderen Kartoffelbeete […]

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