Noch mehr Braunfäule: Schrecken ohne Ende?

Eigentlich hatte ich nicht vor, das Sprichwort aus dem Titel des letzten Artikels zu vollenden. Mir ist auch gerade nicht nach Metaphern. So gar nicht. Ich bin nur noch müde und traurig. Lieber wäre ich stinksauer. Aber auf wen soll ich sauer sein, wenn ich meinem mühsam gezogenem, hochgepäppeltem, gehegten und geplegtem Lieblingsgemüse beim Braunfaulen zugucken muss?

Das hier ist alles, was von den drei Bajaja-Tomaten in den Wichtelkübeln auf der Terrasse übrig geblieben ist:

Ich werde versuchen, die noch ein bisschen nachreifen zu lassen. Heute zum Abendessen hatten wir vier die ersten von denen verkostet. Die waren geraaadeso reif, hätten eigentlich noch 1-2 Tage länger dranbleiben sollen, aber ich wollte die unbedingt heute zum gemeinsamen Kosten präsentieren. Hibbelige Vorfreude und Stolz, dass die neu ausprobierte Sorte so toll trägt. Da war die Welt noch in Ordnung, da hatte ich den Befall noch nicht entdeckt.

Ich hab zwischen Feierabend und Abendessen den ersten Erdbeeren das Laub abgeschnitten, weil die Erntezeit jetzt rum ist.

Dann entfernt man nämlich alle Blätter, damit die Pflanzen Kraft sparen können. Wenn euch das nix sagt und ihr euch aufschlauen wollt: Das hier und das hatte ich mir fix reingezogen, und danach mit der Gartenschere losgelegt. Bis zum Abendessen war ich nicht fertig, also hab ich weitergemacht, nachdem die Kids im Bett waren. Als dann an die Rückseite der Tomaten sichtbar wurde, der Schock: Auch hier Braunfäule!

Von oben und von vorn sah man den Bajajas das überhaupt nicht an, weil die zu so dichten Büsche geworen waren. Erst innendrin im Dschungel, bzw. von der Erdbeerseite her wurde der Mist sichtbar. Ich hab in den letzen Tagen schon an verschiedenen Stellen um die 20 Freiland-Pflanzen gerodet und in der Mülltonne versenkt, aber ich hatte die verzweifelte Hoffnung, dass wenigstens die Bajajas auf der Terrasse durchkommen würden. Ja, die haben ebenfalls kein Dach über dem Kopf, aber die sind nur drei Meter von der Hauswand entfernt und stehen wie die Hauswand-Tomaten auch in der „Wärmefalle“. Also hatte ich gehofft, dass die Nässe bei denen schnell genug abtrocknen kann.

Irrtum.

Ich hab erst gedacht, ich schneide nur die befallenen Haupttriebe weg und lasse den Rest stehen – vielleicht erholen sich die Pflanzen ja. Aber letztlich war jeder Haupttrieb war befallen.

Manche mehr,…

…andere weniger:

Aber auch die müssen weg, denn bei denen ist der Befall nur ein paar Tage hinterher. So ein Elend! )c‘:

Am Ende des Tages sieht die Terrasse aus wie… nein, mir fällt außer „traurig“ nichts mehr anderes ein. Heute keine rhetorischen Höchstleistungen mehr.

So sah es am vergangenem Samstag (17.7.) noch aus:

Da hatten wir nochmal ordentlich Starkregen. Und seitdem einigermaßen war’s trocken, wenn auch kühl. Vermutlich war es aber auch da schon zu spät – man hat es nur noch nicht gesehen. 2021 ist einfach kein Jahr für Freilandtomaten, und für welche mit dichtem Blattwerk schon gar nicht.

Nächster Tiefschlag

Die Sibirischen Birnchen im Gemüsebeet sind ebenfalls befallen. Es war schon zu dunkel um Details zu erkennen, aber zwei Pflanzen hab ich gleich entfernt. Den Rest gucke ich mir morgen Nachmittag bei Tageslicht an, aber ich hab ehrlich gesagt kaum noch Hoffnung. Vermutlich büße ich dieses Jahr alle Freilandtomaten ein. Geht anderen ja auch so. Mit viel Glück greift die Braunfäule nicht auf die Überdachten Tomaten über, die sind bisher gesund.

Lesson learned.

Freilandtomaten sind in unseren Breiten einfach riskant, Punkt.

Die letzten drei Gartenjahre waren heiß und trocken, daher lerne ich diese Lektion jetzt erst. Das ist bitter und tut überraschend weh.

Letztes Jahr hab ich meine komplette Kohlzeile an diverse Schädlinge verloren. Blumenkohl, Rosenkohl, Sellerie, Weißkohl. Ich hatte das Schutznetz zu spät drübergezogen und dann nicht oft genug kontrolliert, abgesammelt und gespritzt (natürlich nur Bio-Zeugs, versteht sich!). Mein Fehler. Die brummsche Kohlapokalypse war schlimm, aber hey, das war nur ein Ausprobieren. Ich kann ohne Kohl leben, auch wenn ich Rosenkohl liebe und liebend gern Selbstangebauten auf dem Tisch gehabt hätte. So what, machste nächstes Jahr eben was anderes auf’s Beet.

Tomaten sind aber etwas komplett Anderes. Das ist nicht nur ein Versuch, die stehen im Mittelpunkt meines Gärtnerns. Ich hatte dieses Jahr 55 Tomaten vorgezogen, plus ca. 20 Selbstausgesäte, die alle einen Platz gefunden hatten. Nach dem letzten Größtertopfen in die Fünflitereimer hatten wir für Wochen dreieinhalb Schubkarren Kompost im Haus! Wir haben ca. 40€ Stromkosten mit den Anzucht-LEDs verbraten, eigentlich total unvernünftig. Aber hey, das ist halt Hobby. Ich hab mich so auf gedörrte Tomaten von Herbst bis Frühjahr gefreut, weil die so unheimlich lecker sind.

Und jetzt das. )o:

Man weiß im Frühjahr bei der Aussaat – oder noch eher, bei der Sortenauswahl – ja noch nicht, ob’s ein warmes und trockenes Jahr wird oder eins wie 2021. Klingt banal, und ist es letztlich wohl auch. Also bleibt nur eins:

Erwartungsmanagement.

Die Freilandtomaten muss ich gedanklich als Bonus ansehen, darf die aber nicht allzu fest in die Gartenplanung einkalkulieren. Wenn’s was wird mit der Ernte: Toll. Wenn nicht, dann eben nicht. Oder halt doch den Garten mit Tomatendächern vollzimmern? Nee, ich will mir den Garten nicht zu sehr verschandeln, und optisch schöne Tomatendächer sind mir noch nicht untergekommen.

Ich würde das hier gern mit etwas positivem schließen, aber manchmal geht das einfach nicht. Sorry, Leute. Nächstes Mal wieder!

2 responses to “Noch mehr Braunfäule: Schrecken ohne Ende?”

  1. Brunhilde sagt:

    oh jeh wie schade….ich würde ein paar Ausgeißtriebe von den gesunden Tomatenpflanzen nehmen ..die wachsen echt schnell…so klappt es vieleicht doch noch. Zudem würde ich mal die Gartencenter durchstreifen ..jetzt sie viele Gemüsepflanzen start reduziert.. hatte letztes Jahr noch tolle Auberginen Pflanzen ergattert. liebe Grüße Brunhilde Degener

  2. […] gedeihen, wurden meine geliebten Bajajas von der vermaledeiten Kraut- und Braunfäule dahingerafft. Wir sprachen auch darüber. Die letzte überlebende Pflanze steht jetzt auf Schwiegermutters Balkon, ich hoffe dass ich von da […]

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