
Alles vor dem ersten Kaffee zählt bekanntermaßen nicht. Kannste jeden fragen.
Daher ist das Folgende auch überhaupt nicht verwunderlich. Erklären muss ich es wohl trotzdem.
Ich bin heute morgen wie immer zur Arbeit gefahren. Jedoch: Als ich dort angekommen ausstieg, hatte ich mir plötzlich und für alle Beteiligten vollkommen unerwartet einen uralten Fahrgast eingelatscht, der sich auf der dreiviertelsten Rückbank breit machte, einigermaßen muffig roch und definitiv nicht aussteigen würde.
Glaubt mir, ich war genauso verwirrt wie ihr jetze.
Nachdem ich den ersten Bürokaffee des Tages intus hatte und selbiger zu wirken begann – will heissen: ich meine Umgebung bewusst wahrnahm und langsam zurechnungsfähig wurde – fügten sich die Puzzleteile zügig zusammen und ergaben ein stimmiges Bild. Das Folgende muss sich so oder so ähnlich zugetragen haben:
- Ich hatte im Vorbeifahren am Straßenrand einen Sperrmüllhaufen gesehen. Lauter interessantes Zeuch.
- Star dieses Ensembles war ein antiker Röhrenfernseher.
- Da hinter mir niemand fuhr, gefährdete weder die Vollbremsung noch das folgende 180° Umlenkmanöver andere Verkehrsteilnehmer.
- Aussteigen. Umgucken. Keine Zeugen zu sehen.
- Die kurze Inspektion im Licht der Smartfon-LED ergab keine optischen gravierenden Mängel am Gerät. Die Nacht war kalt aber trocken gewesen, ergo kein Regenschaden.
- Schnelles Foto für später gemacht.
- Die Entscheidung ist zu diesem Zeitpunkt bereits in einem ganz bestimmten Bereich des brummschen Kleinhirns oder Rückenmarkes (so genau weiss das keiner) gefällt worden. Die folgenden zwei Minuten arbeiten die Muskeln daher autonom und ohne Zutun weiterer Hirnareale.
- Der Gerät passte gerade so durch die Beifahrertür. Eine Sitz und Lehne schützende Decke war nicht vorhanden(1), aber wird schon nichts passieren. Für’s Anschnallen war der Bolide zu groß, der nach hinten geschobene Beifahrersitz verkeilte den Gerät aber ausreichend. Schnelle Kurven waren für heute trotzdem gestrichen.
- Kurze Sichtung des restlichen Ensembles ergab ein Set verlockend großer Lautsprecher, Zustand „die gehn bestimmt noch“ sowie weitere Objekte minderen, aber nicht negativen Interessantheitsgrades. Die leise (sehr leise) Stimme der Vernunft obsiegte jedoch, der Jagd- und Sammlerinstinkt begnügte sich mit der Beute auf der Rückbank.
- Mit Beginn der Weiterfahrt machte sich ein dezent muffiger Schimmelgeruch breit. Wird schon gehen, ist ja nur für ein paar Stunden. Schimmel sind auch nur Pilze.
- Heute falle ich durch besonders achtsame Fahrweise auf (untypisch, leider).
- Sichere Ankunft am Arbeitsort.
(1) Memo an mich selbst: Unbedingt ne alte Decke in den Kofferraum legen. Kannste immer mal brauchen.
Mit anderen Worten: Ich hab mal wieder interessanten(?) Sperrmüll gefunden.
In der Frühstückspause sorgte der brummsche Beutezugbericht für die tägliche Gutelaune-Dosis im Team. Ich hab mir – nicht zu knapp – die erwarteten (und vollkommen verdienten, wohlgemerkt) Kommentare abgeholt. Meinen Whatsapp Status fülle ich sonst eher selten, aber heute gab’s das obige Bild und spontan entstandene Sperrmüll-Lyrik:

Und ja: Ich suche tatsächlich immer noch ne richtige Knaller-Idee.
Was kann man aus so nem Teil machen?
Erste Vorschläge hab ich schon, bzw. sind schon eingetrudelt:
- Neues Zuhause für diverse Mini-PCs, die in Brummehausen am laufen sind
- einen Flatscreen bzw. ein Display reinzaubern und dann irgendwas darauf anzeigen
- Schubfächer zum Rausziehen für die brummschen CDs
(statisch schwierig, falls das Gewicht der rausgezogenen oberen Schublade das ganze Möbel nach vorn kippen lässt. Außerdem nutzen wir die CDs kaum noch, die werden wohl irgendwann digitalisiert und verschwinden dann in ne Umzugskiste – zu geringer Nutzen also.) - vorn ein Bild/Display rein, das Oberteil abnehmen und einen großen Blumentopf reinpacken
- Häuschen für die Kaninchen (abgewählt wegen Rumknabberei)
- Aquarium (wir wollen keine Fische)
- Bücherregal für extravagante Titel
- hier könnte eure Idee stehen!
Derzeit führt der erste Punkt, ggf. kombiniert mit dem zweiten. Aber das kann sich jederzeit ändern. Durch euch beispielsweise. Was würdet ihr daraus machen?
Vorläufiger Plan, so im Groben
Ein Medienschrank, …sort of: Wenn das alte Innenleben nämlich erstmal raus ist, ist da drinnen sehr viel Platz. Für drei Computer beispielsweise.
Da würde nämlich nicht nur ein kleiner Mini-PC mit dem brummschen Heimserver* reinpassen, ich könnte dort auch den Raspberry reinpacken, auf dem unser Pi-Hole Werbeblocker (und sonst nichts) läuft.
Sowohl besagter Mini-PC als auch der Pi-Hole Raspi laufen ja jetzt schon, stehen aber irgendwo im Haus rum, wo sie keiner sieht – was auch vollkommen OK ist, weil das ja keine Deko-Objekte sind. Aber dieser TV wäre ein ultra-stylischer Ort für beide.
* meine Homelab Spielwiese: Darauf läuft ein Minecraft-Server für die Kids sowie mein experimenteller Home Assistant und ne Smartfon Backup-Lösung. Was man mit so nem Homeserver alles machen kann, seht ihr bspw. hier bei den IT-Nerds vom Dienst.
Der dritte Mini-PC steht hinter und steckt an unserem TV im Wohnzimmer. Diesen „Fernseh-PC“ hatte ich eingerichtet, weil die Youtube App des Smart TV jedes Video aller furzlang mit Werbung unterbricht, was von Monat zu Monat schlimmer wird. Kennt ihr vermutlich. Gucken wir aber Youtube auf’m PC über den Browser, ist das dank Pi-Hole komplett werbefrei. Außer mir sind alle anderen Familienmitglieder meist zu faul, den PC hochzufahren (was zügig geht, wohlgemerkt) und die regen sich dann über die Werbung auf. Kein Mitleid mehr von meiner Seite. Du kannst die Pferde zur Tränke führen, aber saufen müssen sie selbst. Oder so.
Also drei kleine Rechner.
Vorne eventuell noch ein Display rein, wobei die runden Ecken der Originalfront mir da noch Kopfzerbrechen bereiten… Anyway. Auf dem Screen könnte dann …was weiss ich… meinetwegen die Best of Brummefamilienfotos durchlaufen. Oder der Wetterbericht. Oder die Daten der PV-Anlage mit dem aktuellen Stromverbrauch des Hauses. Oder das Livebild aus’m Kaninchengehege (ja, das gibt’s). Oder einfach nur ne Uhr.
Irgendwelche guten Ideen, anybody?
Aber eigentlich ist so ein permanent annes Display ja gar nicht mal so cool, weil nicht wirklich nachhaltig. Ergo Display auf Standby, bis jemand den daran angeschlossenen PC aus seinem Standby aufweckt? Klingt schon besser.
Oder halt gar kein Display, dafür Bühne frei auf das optisch ansprechend arrangierte Innenleben mit den drei Minirechnern…? Vielleicht dezent beleuchtet…? Weiß noch nicht.
Ihr seht, alles noch offen. Das wird jedenfalls nicht über’s Knie gebrochen, das will gut überlegt sein und der Anspruch ist eigentlich, dass da nur hammermäßig geile Ideen umgesetzt werden.
Der Gerät im Detail
Nachdem ich erstmal alle derzeitigen Ideen rausgehauen habe, hier noch ein paar Blicke auf den Gerät.
Das Ausladen aus’m Auto war bissel schwierig (rein ging’s irgendwie leichter als raus) aber ich hab’s mit Hilfe meiner Holden* unfallfrei die steile und enge Werkstatttreppe hoch gebracht.
* die beim Türaufhalten nur geringfügig seufzte und auch nur andeutungsweise die Augen verdrehte, die Gute!
Jetzt wohnt der Gerät auf der Werkbank, und wir können die brummsche Beute erstmals bei ordentlichem Licht betrachten:

Auf dem Transport ist die Front rausgefallen (the front fell off, I know…), aber die hätte für Reinigung und Umbauarbeiten eh raus gemusst. Dafür haben wir jetzt einen ersten guten Blick auf das Innenleben:


Beeindruckend. Total verdreckt, aber beeindruckend.
Übrigens bin ich heilfroh, dass mir auf der Fahrt nicht durch irgendein dummes Schlagloch die Bildröhre implodiert ist. War ech so’n bissel mein Bedenken.
Da ich genau Null Erfahrung mit so alten Teilen habe, dachte ich heute früh ja, das Teil könnte möglicherweise sogar noch von „vor’m Krieg“ sein, also aus den 40er oder gar 30er Jahren. Isses aber nicht, wie ein Blick auf’s Heck offenbart:

Hier das relevante Detail, das uns zumindest ne grobe historische Einordnung erlaubt:

Für alle Nicht-Ossies unter euch: Ein VEB ist ein Volkseigener Betrieb, also stammt das Teil aus DDR-Zeiten. Es kann frühestens 1956 gebaut worden sein, denn erst seit diesem Jahr gab’s den VEB RAFENA-WERKE.
Aber guckt mal hier, das führt uns doch sicher weiter:

Aha!
Das DDR-Museum hat sowas: Scheinbar ist das ein Rubens FE 855 C1
FE 855 C Rubens
gebaut ab 1955
Hersteller: VEB RAFENA Werke, Sachsenwerk Radeberg
Gewicht: 29,60 Kg
Ich hab noch’n bissel weiter gebuddelt und wurde beim Radiomuseum und in einem dortigen Forum fündig: Das Modell wurde wohl nur 1956 bis 1957 gebaut. Das passt zur „57“ auf meinem Typenschild.
Es gibt sogar Bastler, die solche Antiquitäten wieder aufmöbeln. Wäre so gar nicht meins (schonmal mangels technischer Ahnung), aber ich verstehe dass man sowas toll findet.
Aber isses jetzt selten? Wertvoll, gar? Darf ich das ohne schlechtes Gewissen ausschlachten?
Kleinanzeigen hat ne Handvoll dieser Geräte für um die 100€ im Angebot. Also weiß ich schonmal, dass es keine extreme Rarität ist – dann wär’s teurer.

So ganz ahnungs- und hemmungslos ausschlachten will das Teil aber auch nicht gleich. Glücklicherweise kenne ich einen altgedienten Rundfunktechniker und Sammler von so nem Kram, der mich da aufklären kann. Vielleicht endet das Teil ja doch nicht als brummsche Serverfarm und findet stattdessen ein warmes Plätzchen bei einem wertschätzenden Sammler, der es liebevoll restauriert.
Ich halte euch auf dem Laufenden.
In der Zwischenzeit warte ich gespannt auf eure Ideen, was man daraus machen könnte!