Das Große Tomatenrauspflanzen, oder: Endlich wieder Platz im Haus!

Dreieinhalb Schubkarren Kompost haben unser Haus verlassen.

Nein, ich rede nicht vom Frühjahrsputz. Auch nicht vom Aufräumen der Kinderzimmer. Ihr habt ja den Titel gelesen und kennt daher die Pointe des Flachwitzes schon. (c;

Am 4.6., also am Sonntag, war es endlich soweit: Die Tomaten, die ab Mittwoch zum Abhärten auch nachts draußen bleiben durften, konnten – eeendlich! – rausgepflanzt werden.

Früh um 8 Uhr angefangen, mittags und machmittags ne halbe Stunde Pause, pünktlich zum Abendessen fertsch gewesen. Macht neun Stunden Gartenarbeit. Insgesamt über 40 Tomaten rausgepflanzt, dazu ein halbes Duzend Paprika, 2 Auberginen, 1 Kürbis, 6 Gurken, mehrere Physalis.

DAS war mal ein Gartentag – herrlich! Gut, es war verdammt warm, extrem schwül, und über Mittag in der prallen Sonne die Tomaten ins Beet zu buddeln war jetzt auch nur so mittelschlau, aber hey, wat mutt, dat mutt! (c:

So sah’s ab Wochenmitte auf der brumm’schen Terrasse aus. Kein Mundschutz, kein Abstand – im Gegenteil: Dicht an dicht. Aber eigentlich ich hatte mir vorgenommen, keine Coronawitze zu machen. Verschuldigung, weiter im Text!

Zum Mittag sah es auf der Terrasse schon recht gut aus:

…und hinter mir am Teich, sozusagen im Backstage-Bereich, sieht’s aus wie nach einer leicht entarteten Party:

Wobei ich ohne rot zu werden versichern kann, dass hier kein Eimersaufen stattgefunden hat. Ehrlich nich. Ich halte mich eisern an das Motto verantwortungsvoller Gärtner: Don’t drink and topf um!

Jedenfalls ging’s ganz gut voran. Da es entgegen aller Prognosen trocken blieb, konnten die Gartenzwerge im Garten rumtoben und so konnte meine Bessere Hälfte (Jawoll, groß geschrieben. Hattse verdient!) mir zur Hand gehen. Nach dem Mittagessen kam ich dann auf einen Handgriff, mit dem man auch allein die Tomaten unfallfrei aus den 5L-Eimern bekommt:

  1. Die Eimer seitlich leicht schütteln und dann mehrfach hart auf den Boden aufsetzen, damit sich das Erdreich von den Innenseiten lockert
  2. Die rechte Hand (als Rechtshänder, meine ich) zum Spock-Gruß spreizen und so auf die Erde im Eimer legen, dass der Stengel in der Mitte des V’s ist. Live long and prosper, little tomato.
  3. Auf der linken Hand steht nun der Eimerboden, und man dreht vo-hor-sich-tig den Eimer um. Achtung! Das ist kniffelig, denn man muss höllisch aufpassen, dass dabei der Stengel nirgendwo abknickt! Eigentlich braucht man eine dritte Hand, die den Stengel stützt. Aber nach ca. zwei Dutzend Tomaten am Vormittag (mit nur drei Abknickopfern, Friede sei ihrem Kompost) hat man dann irgendwann soviel Routine, dass man die Pflanzen nicht mehr stützen muss, sondern die vorher irgendwo ablegt, währen man den Eimer dreht.
  4. Jetzt kommt der schwierigste Teil, der den wir am Vormittag nur zu zweit hinbekamen: Auf der Rechten balanciert der verkehrt rumme Eimer, die Pflanze hängt im Idealfall straight nach unten. Mit der Linken fasst man den Eimer unterm Rand und am Henkel (genau das war besagter Kniff!), sodass man den Eimer vorsichtig nach oben abziehen kann. Ohne den Henkel zu fassen, klappt das nicht, weil man es nur mit der Hand unterm Eimerrand nicht hinbekommt, selbigen nach oben gerade abzuziehen.
  5. Den Eimer irgendwo fallen lassen, wo er nicht stört – jetzt zählt jede Sekunde: Wenn die Erde im Eimer noch nicht zu sehr zerbröselt ist, balanciert man jetzt den Erdballen auf der Hand. Selbstverständlich ist exakt das der Moment, wo einem irgendwas an der Nase krabbelt, ein Schweißtropfen ins Auge rinnt oder irgendein Sechsbeiner im Nacken rumkrabbelt. Oh, den angehenden Niesanfall hätte ich fast vergessen. Auf jeden Fall muss man so schnell als wie möglich den Wurzelballen stützen, sonst kippt der einem ab oder fällt auseinander.
  6. Ist der Ballen safe, dreht man das Ganze langsam um und setzt ihn ins vorbereitete Pflanzloch. Achtung, das Umdrehen ist die zweite Gelegenheit, bei der man gern Knicke in den Stengel macht.

Klingt komplizierter als es ist. Liegt vermutlich daran, dass ich versuche in Worte zu fassen, was ich als Erinnerung an den Umtopfprozess vor meinem inneren Auge sehe. Und hier drinnen macht das ja Sinn, aber ihr seid schließlich da draußen…

Na jedenfalls konnte ich über Mittag richtig Meter machen. Gegen fünfe war ich dann mit einem Highlight fertig: Zum allerersten Mal Mulchen mit Schafwolle! (o:

Keine Ahnung ob das funktioniert, aber ich bin jetzt schon begeistert! Wie das riecht! Und: Es sieht richtig dekadent aus! (c:

Im linken Kübel ist 2x die Sorte „Bajaja“, mittig siedelt eine weitere Bajaja und ein Prinz Tschernie. Unglücklicherweise hab ich beim Umtopfen in die Eimer einen kapitalen Beschriftungsfehler begangen und mich so prasselig angestellt, dass ich nicht mehr zu 100% sicher sein kann, was diese beiden Sorten angeht, die könnten jetzt vertauscht sein. Aber das müsste sich mit der Zeit an der Wuchsform zeigen. Im rechten Kübel sind zwei von drei Paprika, Sorte „King of the North“. Die Beschreibung klang gut, ich hatte bisher mit Paprika noch kein richtiges Glück, …und als Game of Thrones Fan kommt man an einer Sorte diesen Namens nun wirklich nicht vorbei. (c;

Dass die großen Kübel für die Physalis farblich perfekt zu den Zwergen passen, war kompletter Zufall. Ist mir auch erst während des Einpflanzens aufgefallen – und dann mussten die natürlich auch genau dort stehen:

Damit habt ihr übrigens auch gleich ein Update zum Diagonalbeet, das ich euch im März gezeigt hatte. Das ist nun doch um die Hausecke rum gewandert und steht jetzt neben der Terrassentür. Oben wächst derzeit Rukola, unten Gartensalat. Beides natürlich viel zu dicht – wir müssen dringend pikieren bzw. ernten.

Kurz vor Feierabend sah es dann so aus:

Das Holzbrett lehnt sozusagen als Sonnenschutz an den Maurerkübeln. Ab Nachmittag knallt die Sonne sonst ungebremst auf das schwarze Plastik, und das wird einerseits viel zu warm. Das ist schlecht für die Wurzeln und die Verdunstung und andererseits löst sich durch mehr Wärme vielleicht auch vermehrt irgendwelches chemische Zeuchs, das dann in die Erde übergeht. Das ist bei diesen Kübeln sowieso schon so eine Sache… Ich hatte die nach dem Kaufen monatelang im Freien stehen, damit die „ablüften“ können und nicht mehr so müffeln. Ansonsten gehe ich da inzwischen etwas pragmatischer ran. Diese Teile sind einfach zu praktisch, und ich hab noch keinen überzeugenden Ersatz gefunden. Falls ihr was kennt, ich bin für Vorschläge immer offen!

Der Rest der Kübel bekam natürlich auch Wolle ab. So edel sah das noch nie aus, ich bin restlos begeistert! Und: der große Sack Wolle ging fast auf, ich hatte am Schluss nur noch eine handvoll übrig (die Tage später in den Kübel mit der Inkagurke kam, aber davon später).

Am Carport stehen auch wieder Tomaten, diesmal allerdings erstmalig auch Gurken – ich probiere dieses Jahr die Sorten „Saiko“ und „Vorgebirgstraube“ am Carport aus…

…außerdem zwei Inkagurken, die ein extra Rankgerüst bekommen werden. Aber auch dazu später mehr, die Inka’s bekommen ihr eigenes Posting. Hier ein kleiner sneak peak. Nein, das ist kein Hanf. Aber diese Blattform… Ich freue mich schon, wenn diese als sehr rank- und wucherfreudig beschriebene Sorte eine 2x3m große Wand zwischen den beiden Baumstämmen bildet! Einen Teil davon kann man von der Straße aus eventuell noch sehen – ich kann mir das Getuschel schon vorstellen! (c:

Im großen Beet stehen zwei Freilandsorten. Vor lauter Grün gehen die vollkommen unter, aber wenn ihr genau hinguckt, seht ihr im ersten Viertel mehrere Spiralstäbe(ungefähr auf Höhe des zweiten blauen Reihenmarkers). Ganz unten hinten dann nochmal eine Handvoll Stäbe:

Vorn steht die Sorte „Sibirisches Birnchen“, die wir letztes Jahr zum ersten Mal hatten und von der wir restlos begeistert sind: Kaum Säure (trotzdem nicht „langweilig“ im Geschmack!) und sehr(!) viele kleine, birnenförmige Früchte. Buschiger Wuchs (nicht ausgeizen!) und perfekt zum Dörren. Die Gartenzwerge haben die schon vom Strauch weg genascht, und die gedörrten bekamen das Höchstprädikat „die schmecken sogar besser als Bonbons!“ – mehr Lob geht nicht. Gedörrt kamen die in unsere Tomatensoßen, die nie besser schmeckten. Leider war der Vorrat im Januar alle – einer der Gründe für das „Quantitative Easing“, also die mengenmäßige Eskalationder diesjährigen Vorzucht.

Die zweite Sorte, die man ganz hinten im Beet erahnt, heißt „Ruthje“. Auch ne Freilandsorte. Die Beschreibung war einfach zu gut, um sie nicht zu probieren. Googelt die mal.

Außer Es kamen noch zwei auberginen (Sorte „De Barbentane“), ein Kürbis (Samen vom letzten Jahr geerntet, Sorte unbekannt) und mehrere Physalis ins Freiland. Ein Bild mit allen Tomatensorten findet ihr hier. Das war Ende März, zur Aussaat. Die „Berner Rose“ hat sich komplett verweigert, da ist nichtmal was aufgegangen. Alle weiteren sind ganz gut gekommen.

Ich könnte euch jetzt noch mit einem Dutzend weiteren Bilder der Rauspflanzaktion vollspammen, halte mich aber zurück und beschließe den Artikel mit einer „nach der Party“ -Szene:

Wie gesagt, das Ganze war am Sonntag. Jetzt ist Mittwoch Abend, und alle Pflanzen sind sehr gut angewachsen. Nur eine Ruthje ist recht weit unten am Stengel abgeknickt und sieht nicht aus, als ob sie sich erholen will. Aber genau für diesen Fall säht man ja mehr aus als man plant. Sechs Pflanzen von sechs Sorten blieben übrig – die bekommt meine Mutter.

…und dann gibt’s ja noch die Mysterytomaten. Die aus dem Weidenwasser-Experiment. Gespannt, was mit denen passiert ist? Cliffhanger! (c;

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