Weidenwasser-Experiment, Teil 3 – oder: Ende mit Schrecken

Irgendwie ist das nicht mein Gartenjahr. Jedenfalls bisher. Erst zu kalt, dann zu nass. Aber wem sag ich das. Im Angesicht der Hochwasserkatastrophe im Westen der Republik traue ich mich kaum zu jammern, aber trotzdem… alles Mist irgendwie.

Gut, das bezieht sich jetzt hauptsächlich auf Kartoffeln und Tomaten, anderes Zeug wächst ganz gut. Die Möhren sind dieses Jahr fast ein Komplettausfall bisher, aber dafür kommen die Zwiebeln ganz gut. Der Salat ist zufriedenstellend, die Auberginen finde ich nicht mehr, da überwuchert. Der Mangold überwuchert alles, die zum ersten Mal ausprobierten Gurken sind bisher auch nicht schlecht… also eigentlich hab ich gar nicht sooo viel Grund zum Jammern.

Aber manchmal ist einem eben einfach nach Jammern zumute. Heute zum Beispiel: Ich musste heute mein Weidenwassertomatenexperiment endgültig abbrechen. Nach tagelangem Bangen, Zittern und Hoffen. Grund: Beginnende Braunfäule. Würx.

Ich hab einige Fehler gemacht die das Ganze begünstigt haben, aber ausschlaggebend war – vermute ich – am Ende das Wetter. Siehe oben.

Fehler Nummer eins: Bad Neighbours

Ich hatte auf dem 2m x 1m großen Experimentierbeet ja noch ein paar Kartöffelchen sprießen, und wollte gleich mit testen, wie die sich mit den Tomaten vertragen. Hier nochmal das Bild von vor einem Monat:

Das Kartoffeln zum Wuchern neigen, wusste ich ja. Ich wollte rausfinden, wie sich die Tomaten bei solcher Konkurrenz schlagen: Gehen die sang- und klanglos unter oder legen die richtig los, um genügend Licht abzubekommen? Konkurrenz belebt ja angeblich das Geschäft. Es bleibt allerdings fraglich, ob diese BWL-Metapher auch im Gartenbeet Sinn ergibt. Ich bin jedenfalls noch nicht davon überzeugt.

Die Tomaten waren in letzter Zeit kaum noch zu entdecken, was dadurch begünstigt wurde, dass das Laub denen der Kartoffeln ähnelt. Aber hauptsächlich lag es daran, dass die Kartoffeln einfach schneller wuchsen und trotz Schneckenverbiß (den die Tomaten übrigens kaum hatten) auf die Überholspur gingen und uneinholbar davonzogen.

Dass dann auch noch ein Paar 2 m hohe Sonnenblumen dazu kamen, half auch nicht unbedingt.

Fehler Nummer zwei: Bodenständigkeit ist nicht immer gut

Die Kartoffeln haben die Tomaten also überwuchert, und da ich Letzteren keine Stützen oder andere Rankhilfen angeboten habe, machten sie genau das, was meine wilden Tomaten in den letzten beiden Saisons taten: Sie bildeten ordentlich dicke Stengel aus und krochen dann bodennah herum. Nun waren 2020 und 2019 (und 2018 auch, ich weiß) heiße und trockene Jahre, da ging das problemlos. Ich konnte von den Kriechtomaten noch im Oktober ernten. Und zwar richtig fett.

Fehler Nummer drei: Das Wetter

Aber 2021 ist nunmal anders. Wir haben’s Mitte Juli und ich hab heute Abend bei 16°C gegärtnert. Und vom Regen will ich gar nicht erst anfangen! Kurz gesagt: Kriechende Tomaten sind Mist, zumindest wenn’s nicht gerade ne heiße & trockene Saison ist. Weiß man das vorher? Nö. Also: Lesson learned.

Freilandsorten sind ebenfalls betroffen

Ich hatte am Wochenende schon den kompletten Satz „Ruthje“ entsorgen müssen, eine als robust beschriebene Freilandtomate, die ich dieses Jahr neu ausprobieren wollte und die sich bis Anfang letzte Woche fantastisch schlug: Sechs Pflanzen, die mannshoch aus dem Ess-Dschungel ragten und richtig viele und große Früchte trugen! Hier ein Bild von Mitte letzter Woche, also vor 5 Tagen. Heute hab ich die letzten Ruthje’s gerodet, die Tomaten waren inzwischen fast doppelt so groß. Da blutet einem das Herz. )c:

Freilandtomate „Ruthje“, ein Opfer der 2021er Braunfäule.

Und im Experimentierbeet sah es inzwischen ähnlich aus. Egal welche Pflanze ich untersuchte, alle waren infiziert:

Ein Fall für die Mülltonne.

Kurios finde ich, dass manche Pflanzen nur an einer Stelle befallen waren, von der aus sich der Pilz dann ausbreitet – der Rest der Pflanze schine kerngesund. Da tut es doppelt weh, die zu entsorgen.

Man beachte: Bis auf die braune Stelle am Stengel sieht die Pflanze kerngesund aus. Aber soweit ich das recherchiert habe, ist es sinnlos, da zu hoffen. Raus damit und ab in die Tonne, bevor der Pilz sich weiter verbreitet! Hier, das Elend nochmal aus der Nähe:

Auge in Auge mit dem Feind

Gegenmaßnahmen

Die Braun- und Krautfäule befällt ja Tomaten und Kartoffeln gleichermaßen. Und damit das den restlichen Pflanzen nicht passiert, bzw. damit sich die Pilze nicht noch weiter verbreiten als jetzt schon, hab ich mich aufgeschlaut. Am empfehlenswertesten fand ich diesen Beitrag vom Landei, da habe ich auch die folgende Idee her:

Ackerschachtelhalm for the win!

Ich hab mir nach kurzer Googelei diese Anleitung vom NABU zu Herzen genommen, bin zum Teichufer gestiefelt…

Das unauffällige fedrige Gefussel zwischen den großen Staudenblättern und dem Schilf ist der Ackerschachtelhalm. Das andere unauffällige fedrige Gefussel in dem schwimmenden Häuschen ist Mama Ente, der Schrecken aller Jungraben.

…und hab nen kleinen Haufen Ackerschachtelhalm geerntet:

…gut, das war jetzt ’n bissl zuviel, eigentlich hätte es die Hälfte auch getan. Aber gut, viel hilft viel – dann wird die Brühe eben konzentrierter. Das muss jetzt 24 Stunden lang im Regenwasser ziehen (davon gibt’s genug) und dann wird’s aufgekocht. Muss erstmal sehen, worin ich zehn Liter von dem Zeuch aufkoche – vermutlich geht das nur auf mehrere Male. Egal, das muss jetzt werden!

Das Zeugs wirkt natürlich nicht heilend, sondern nur prophylaktisch. Es stärkt die Pflanzen, düngt und die Kieselsäure da drin soll wohl ganz toll gegen alle möglichen Schädlinge wirken. Die dringt in die Zellwände ein und verstärkt selbige, das mache die Pflanze kräftiger und die kleinen Scheißer beißen sich die Zähne an unserem geliebten Grünzeug aus. Heißt es. Mal sehn. Ich hab mir jedenfalls noch ne 2 Liter Pumpsprühflasche bestellt – damit pirsche ich demnächst durch die Beete.

Die Kartoffeln im Experimentierbeet haben übrigens minimale bis keine Anzeichen von Braunfäule, wobei ich mir gar nicht mal sicher bin, dass das nicht auch was Anderes sein könnte. Einige sind fast tot und abgewelkt, jawoll, aber das kann auch am exzessiven Schneckenfraß liegen: Wenn die Biester nicht an den Blättern nagen, sondern sich am Stengel zu schaffen machen, klar – dann welkt die Pflanze eben komplett ab. Ein paar solcher abgewelkter Kartoffelpflanzen hab ich notgeerntet. Ergebnis: Drei kleine Knollen, die man volumentechnisch in einem Ü-Ei hätte unterbringen können. Satz mit X also.

Das große Gemüsebeet gegenüber dem Experimentierbeet beherbergt ja ebenfalls zwei Kartoffelzeilen, und ich hab mal versuchsweise eine Handvoll Stengel der La Ratte vo-hor-sich-tig gelupft, um zu sehen ob die vielleicht schon weiter sind. Nur die, die sich über den Beetrand richtung Seuchenbeet neigten. Rein vorbeugend natürlich. Hatte nüscht mit Neugier zu tun. Ach wo.

Ergebnis: Oh ja, die sind tatsächlich schon weiter! (c:

Gut, ertragreich würde ich das jetzt noch nicht nennen. Aber es macht Hoffnung, denn die Reihe sieht noch so aus, als würde sie bei besserem Wetter noch ein paar Wochen durchhalten. Also hat sich die allabendliche Schneckenjagd durchaus gelohnt.

Wobei: Aus irgendeinem Grund haben die Schnecken die La Ratte dieses Jahr eher gemieden und sich auf andere Sorten gestürzt. Muss ich mir merken – das wäre ein zweites gewichtiges Argument für meine Lieblingssorte. Wobei ich das gar nicht bräuchte: Die Ratten werden allein wegen ihres gigantischen Geschmacks sowieso auf der Must-Have!!!-Liste bleiben.

So ein richtiges Fazit kann ich jetzt gar nicht ziehen. Aber ich halte euch auf dem Laufenden, was die Ackerschachtelhalmsudsprühwirkung angeht, die Braunfäuleeindämmungsversuche und andere Wortmonster, die ich mir noch ausdenken muss.

Falls ihr Tipps gegen die Fäule habt, immer her damit. Tobt euch gern in den Kommentaren aus! (c:

One response to “Weidenwasser-Experiment, Teil 3 – oder: Ende mit Schrecken”

  1. […] hatte ich nicht vor, das Sprichwort aus dem Titel des letzten Artikels zu vollenden. Mir ist auch gerade nicht nach Metaphern. So gar nicht. Ich bin nur noch müde und […]

Kommentar verfassen