Der Brumme ist gut zu Vögeln, oder: ornitologische Abenteuer

Gleich vornweg: Ja, der Titel ist niveautechnisch flach. Unterirdisch, gar. Na und? Ich hab zum Glück nie behauptet, hier würde das Niveau wohnen. 😉

Also, diesmal was mit Vögeln.

Wir haben immer mal Krähen in den Gärten ringsrum. Ich mag die irgendwie, auch wenn das düschdsche Lärmschweine sind. Und ja, die kriegen auch hin und wieder mal nen Jungvogel oder räumen ein Nest aus. Alles schon erlebt. Ist halt so. Trotzdem mag ich die irgendwie.

Gestern machten zwei Krähen den ganzen Sonntag Rabatz, langanhaltend und ausdauernd. Irgendwann nervte das selbst mich ein bisschen – die sind ja nu nich gerade die Sänger unter den Vögeln. Nachmittags sahen wir dann eine Krähe am Teich rumhüpfen, allerdings recht ungeschickt: Die kletterte auf den Binsen im Teich rum, fiel mehrfach fast ins Wasser und machte generell einen merkwürdigen Eindruck. Bauchgefühl: Entweder ein verletzter Vogel oder ein Jungtier.

Als wir einen besseren Blick auf sie/ihn erhaschen konnten, war aufgrund der Größe klar dass das ein Jungtier sein musste. Die beiden nervenden Rabauken waren also die Eltern, die sich Sorgen um ihr eben erst flügge gewordenes Junge machten. Aha.

Linker Kreis (ja ich weiss, das ist ein Ei!) – dort huppte die Krähe im Ufergestrüpp rum.

Ihr sehr das Entenhäuschen im Teich? Mit der Ente drauf? Klar seht ihr das, hab’s ja extra eingekreist. Jetzt stellt euch vor, die Ente säße dort nicht gut sichtbar draußen, sondern hockte, von außen nicht zu sehen, da drinnen. Wie man das eben so macht, wenn man brütet.

Die Krähe war scheinbar schon recht erschöpft – logisch, die ist vermutlich gerade erst ausm Netz gehüpft und hat noch kein Flugtraining, jedenfalls schaffte sie es gerade so bis zum Entenhaus. Die Landung war eine einzige Katastrophe: Frontal und volle Möhre mit dem Krähenschnabel gegen die Rückwand des Entenhauses geknallt, rückwärts getorkelt und konnte sich gerade so noch auf der kleinen Holzplatform gehalten. Ich vermute, Frau Ente war ob dieser Randale schon ziemlich angepisst…

Die Krähe hat sich recht schnell wieder gefangen und trippelte nach einer Weile einmal neugierig ums Häuschen herum. Stellte fest, dass vorn offen ist und guckte rein.

Fehler.

Drinnen saß Mama Ente. Auf ihrem Gelege. Und hatte eine Krähe vorm Schnabel. Krähen sind – wir sprachen darüber – Nest- und Gelegeräuber. Mama Ente sieht erwartungsgemäß rot bzw. schwarz und stürzt sich wie eine griechische Furie auf das arme Jungtier. Sie hackt nicht nur nach der Krähe, sondern packt sie regelrecht mit dem Schnabel und schüttelt sie durch. Junior krächzt herzerweichend, die Kräheneltern rabauken zurück, greifen aber nicht direkt ein.

Und es kommt noch schlimmer.

Habt ihr schonmal gesehen, wie sich Enten paaren? So direkt romantisch ist das nich wirklich, jedenfalls nach menschlichen Maßstäben. Das Ganze findet im Wasser statt, und wenn der Erpel Madame Ente besteigt, drückt er sie mit seinem Gewicht unter Wasser. Manchmal geht das Ganze schnell, d.h. wenige Sekunden. Aber manchmal dauert das gut und gerne ne halbe Minute oder länger. Ganz übel wird es, wenn das Geschlechterverhältnis ungünstig ist, d.h. drei bis vier Erpel und nur eine Ente. Alles schon erlebt bei uns – wir haben seit Jahren ein Pärchen das immer wieder kommt, plus eine dreiköpfige Jungesellen-Crew. Und wenn diese Erpelbande im Frühjahr in Wallung kommt, stürzen die sich zu zweit oder zu dritt auf die Ente. Die hätten die Ärmste schon mehrfach fast ersäuft, wenn wir nicht ästewerfend eingeschritten wären. Lange Rede, kurzer Sinn: Entensex ist wenig romantisch.

Zurück zur Krähe. Die bekam jetzt von Mama Ente eine ungefragte Kostprobe Entenromantik: Die wütende Ente drückte die Krähe ins Wasser, machte einen auf Erpel und fing an sie unter Wasser zu drücken. Glücklicherweise konnte sich Junior irgendwie befreien und schwamm wie ein olympischer Schmetterlingsschwimmer um sein Leben auf den Rand des Teiches zu. Der ist dummerweise mit senkrechten Platten abgestützt – keine Chance für ne nasse Krähe, da raus zu kommen. Glücklicherweise stand ich schon mit nem Laubrechen da und hab sie rausgefischt.

Meine Mutter hat sie dann vorsichtig mit beiden Händen gegriffen, kurz untersucht – noch alles dran, keine sichtbaren Wunden – und auf einen Baumstamm gesetzt (die kleine rote Markierung rechts oben im Foto).

Dort saß der arme Kerl nun, tropfnass und zitternd wie Espenlaub.

Die Eltern lärmten weiterhin rum und kamen immer wieder angeflogen, landeten aber auch dann nicht bei dem Jungtier, als wir uns wieder entfernt haben. Fürs Protokoll: Die Fotos sind sehr eilig aus ca. 5m-10m Entfernung und mit wackeligem Smartfon-Zoom gemacht worden, weil wir so schnell wie möglich und so weit wie möglich von dem Tier weg sein wollten – daher die folgende Pixelorgie.

Herzerweichend, oder?

Wir haben dann bis zum Abend gewartet. Eigentlich hatten wir gehofft, dass das Tierchen irgendwann wieder mit seinen Eltern wegfliegt, die ständig in der Nähe waren und es riefen. Aber scheinbar war die Luft komplett raus, und das unfreiwillige Bad hat die letzten Kraftreserven gekostet. Da die Krähe dort ohne Deckung und wie auf Präsentierteller saß, haben wir sie in die gleich daneben stehende Kiefer gesetzt, dort war sie wenigstens optisch ringsum geschützt:

Heute Morgen sind wir schon wieder mit Krähenlärm geweckt worden: Sobald es dämmerte, ging das Gekrächze wieder los. Kurz nach 6 Uhr ging ich dann nachschauen. Die Krähen flogen um und in die große Fichte direkt neben unserem Haus, das ist eine andere Ecke des Gartens. Aha, Junior hat also den Standort gewechselt…

Na prima, das hieße ja dann: Junior hat die Nacht überlebt!

…oder?

Suchbild: Irgendwo in diesem Bild hat sich ein Vogel versteckt.

…na, gefunden? Nicht? Kommt, strengt euch mal an! (c;

Na gut, ich helfe euch. Ist auch nicht einfach, weil der Vogel echt gut getarnt ist und man nur Teile vom Federkleid sieht. Hier ne Collage aus mehreren verwackelten, rangezoomten Schnappschüssen. Mehr war leider nicht drin, sorry.

Sieht so gar nicht nach Krähe aus, nor?

Wenn ihr jetzt verwirrt seid, geht’s euch wie mir. Da ich nie das ganze Tier sehen konnte, hatte ich keine richtige Vorstellung davon, wie groß es ist. Aber die typische Kopfbewegung hat ganz klar auf eine Eule oder einen Kauz hingedeutet.

Geiler plot twist, oder? (c:

Meine Frau war gerade dabei, die Kinder zu wecken. Kurz darauf standen wir mit zwei noch komplett verbuzelten Gartenzwergen unter der Fichte und haben um die Wette gespäht. Viel mehr als auf den Bildern oben war auch „in echt“ nicht zu sehen – der Kauz / die Eule hatte sich wirklich eine der dichtesten Stellen im Baum ausgesucht – aber die Kids waren begeistert.

Und nicht nur die. Wir hatten vor 35 bis 40 Jahren schonmal einen Kauz hier im Garten, aber seitdem nie mehr – und jetzt das. Ich muss mich erstmal in Richtung Eulentiere aufschlauen, falls das ne längerfristige Sache wird. Boah… (c:

Fast forward heute abend…

Auf des Nachbars Dachfirst sitzt:

Wieder nur verwackelte Bilder…

Das war 21:45 in der Dämmerung – mehr gibt der Sensor der Smartfon-Kamera nicht her. Aber ich konnte die zehn Sekunden in einem Video einfangen, als der Vogel losflog. Im Sitzen geschätzte 40 cm groß, bzw. knapp darunter. Beim Losfliegen würde ich auf ca. 1m Flügelspannweite tippen. Das bedeutet dann wohl: Kein Kauz, sondern eine Eule.

Boah, wir hamm ne fucking Eule im Garten! (c:

Ich bin gespannt wie Bolle, ob wir ihn/sie die nächsten Tage wiedersehen. Und: Ich muss uuunbedingt recherchieren! Bin totaler Eulenanalphabet, hab viel zu wenig Ahnung von denen.

…und Junior?

Nach Feierabend hab ich ihn heute nicht mehr gesehen oder gehört, aber meine Eltern meinten, tagsüber wären noch mehrere Krähen hier rumgeflogen. Also gehen wir mal davon aus, dass er/sie sich berappelt hat, mit seinen Eltern davongeflogen ist und nehmen ein Happy End an. Kommen Krähen eigentlich zu ihren Kinderstuben zurück? Wir werden’s sehen, oder auch nicht.

One response to “Der Brumme ist gut zu Vögeln, oder: ornitologische Abenteuer”

  1. […] Das unauffällige fedrige Gefussel zwischen den großen Staudenblättern und dem Schilf ist der Ackerschachtelhalm. Das andere unauffällige fedrige Gefussel in dem schwimmenden Häuschen ist Mama Ente, der Schrecken aller Jungraben. […]

Kommentar verfassen