Tomaten: Erntevorfreude und Gärtnerfehler

Na, sind eure Tomaten schon erntereif…?

Meine nicht.

Aber!

Sie sind kurz davor. Soooo kurz.

Ich bin wie immer kurz vor den ersten Tomaten schon ganz hibbelig und kanns kaum erwarten… Also knipse ich was das Zeug hält. Nein, nicht Ausgeizen. Fotos. Das hilft meistens zuverlässig gegen brummsche Hibbeligkeit, wenigstens ein bisschen.

Dieses Jahr ist ja alles im Garten ca. einen Monat hinterher, gefühlt jedenfalls. Ich hab ca. fuffzich Tomaten vorgezogen, dazu kamen dann nochmal ca. 20 Mysterytomaten, die spontan im Anzuchtkompost bei anderen Pflanzen keimten inzwischen ihre Plätze im Beet gefunden haben. Dann der suboptimale Mai, der verregnete Juni, und der Juli sieht auch nicht direkt so aus, als wollte er ein Sommermonat sein. Also: Es bleibt spannend – doppelt soviele Pflanzen wie im Vorjahr vs. Mistwetter – mal sehn wie die Tomatenschwemme wird! Unsere Dörrothea jedenfalls steht Gewehr bei Fuß, wir bekämen quasi jede beliebige Menge an Tomaten gedörrt. Kommenden Winter will ich nicht schon im Januar das letzte Glas Trockentomaten geleert haben!

Hier also ein paar Schnappschüsse von der brummschen Tomatenterrasse und den diversen anderen Tomatenstandorten.

Fangen wir an mit dem wohl größten gärtnerischen Fehler dieses Jahr: Ich hab die Wuchsfreudigkeit der Bajajas komplett unterschätzt!

Im linken Maurertrog* (die 90L-Variante ist das) sind zwei Pflanzen, im mittleren Kübel nochmal eine Bajaja und eine Tschernie Prinz (deutlich am höheren Wuchs zu erkennen).

* Wie, ihr seht keine Maurertröge? Hier könnt ihr sie noch sehen, da waren sie noch nicht zugewuchert und versteckt. (c;

Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören und nur eine je Kübel einsetzen sollen. Aber die waren beim Umtopfen ja noch so klein und niedlich – da kann man sich nur schwer vorstellen, was das mal für Riesen werden. Wieder was gelernt… jetzt muss ich mir das nur noch bis Mai 2022 merken!

Wir haben auch schon die ersten Früchte entdeckt, mitten im Blätterddschungel. Ich zweifle ja so ein bisschen, dass dieses Blätterdickicht tatsächlich viele Früchte hervorbringen soll, aber die Sortenbeschreibung sprach von über 650 pro Pflanze in einer Saison und „muss nicht ausgegeizt werden“. Ich wäre ja schon mit der Hälfte zufrieden. (c;

Übrigens, die Schafwolle da in den Kübeln… Man liest ja immer mal, dass Schafwolle gut gegen Schnecken sei. Eine österreicher Seite wirbt damit, dass Schnecken ja zu 90% aus Wasser bestünden und es daher besonders unangenehm für sie sei, über das faserige Material zu kriechen. Mag auf den ersten Blick logisch erscheinen, aber schon bei genauerem Drübernachdenken fangen da gleich mehrere Fragezeichen im Kopf an zu blinken.

Andere Tests berichten, dass Schafwolle ihre Wirksamkeit als Schneckensperre verliert, sobald sie gewaschen wurde – Häschtägg Regen, Häschtägg Gießen… Da es bei uns die letzten Wochen sehr ausgiebig geregnet hat, kann ich das gut bestätigen. Allerdings hatte ich auch schon die kleinen Schleimer über die trockene, ungewaschene und noch ordentlich nach Wollfett (will heißen: nach Schaf) riechende Wolle kriechen sehen. Davon gibt’s keine Fotos, aber wenigstens dieses hier. Da macht sich eine Schnecke über die Bajajablätter her, und auf dem Rahmen sieht man einen Schneckenschiss – also wissen wir recht gut, woher das Tier kam. Ja gut, sie hätte jetzt auch über die Blätter und Stengel balanciert sein können, um an den im Bild dokumentierten Tatort zu gelangen. Aber ich hab Schleimspuren auf der Wolle gefunden, also ist die Sache klar.

Hier ein weiteres Beispiel. Aber Achtung, Triggerwarnung: Das Bild ist nichts für schwache Nerven!

Der pure Horror eines jeden Tomatenfreundes!

Ich betrachte diese beiden Kübel von jetzt an als Experiment: Was passiert, wenn sich VIELE Schnecken über die Tomaten hermachen? Einige Pflanzen scheinen ja auf Schneckenfraß mit einem Wachstumsschub zu reagieren. Müsste nochmal nachrecherchieren, ob das stimmt oder ob ich mir nur einbilde, das irgendwann mal gelesen zu haben. Meine sieben verschiedenen Kartoffelsorten wachsen alle supergut, obwohl einige von den Schnecken geliebt und andere komplett verschont werden. Hier ist also kein Erkenntnisgewinn zu erwarten, bzw. keine Bestätigung dieser Hypothese.

Als Mulchmaterial ist die Wolle allerdings Spitze: Darunter bleibt die Erde sehr schön feucht (OK, bei dem Regenwetter keine Kunst, aber selbst die Kübel unterm Dach wo kein Regen hinkommt, sind schön feucht), die Mulchwirkung ist wesentlich besser als mit Holzhackschnitzel. Und auch Unkraut hat es sehr schwer, hier durch zu wachsen. Schafwolle ist ab jetzt für mich das Mulchmaterial der Wahl, wenn es um Pflanzsäcke, Kübel und Töpfe geht.

Den Wichteln gegenüber stehen an der Hauswand drei kleinere 60L Maurertröge, unter anderem mit der Sorte Principe Borghese. Die hatten wir schon letztes Jahr und mochten sie gut genug, um dieses Jahr wieder 2-3 Pflanzen davon großzuziehen. Die ersten Früchte hängen schon dran:

Principe Borghese mit den ersten Früchten.

Ebenfalls dieses Jahr wieder dabei: Black Krim, eine Fleischtomate. Sieht so’n bissl aus wie die Ochsenherztomaten. Geschmacklich sind die Sorten mit den kleinen Cocktailtomaten bisher immer ein bisschen intensiver gewesen als die großen Fleischtomaten, aber die Black Krim war trotzdem lecker genug, um es dieses Jahr in den engere Auswahl zu schaffen.

Das wird übrigens – wenn alles nach Plan läuft – jedes Jahr schwieriger werden: Ich hab mir vorgenommen, immer ein paar „best of Vorjahr“-Sorten vorzuziehen und dazu immer ein paar neue Sorten auszuprobieren, auf die ich im Laufe des Gartenjahres gestoßen bin und die mich neugierig gemacht haben. Auf diese Art kommen hoffentlich jedes Jahr ein paar neue Favoriten dazu. Und da das Platzangebot endlich ist, wird dann jedes Jahr eine oder mehrere der alten Sorten weichen müssen.

Eine kleine Black Krim, ca. 3cm Ø – ich hoffe, die wird noch größer!

Die Black Krim steht an der Hausecke, und direkt daneben, um die Ecke rum kommen gleich vier oder fünf wuchernde Pflanzen, bei denen ich mit dem Ausgeizen nicht schnell genug war. Jetzt machen die frech einen auf Buschtomate und nehmen mehr Platz weg, als ihnen eigentlich zusteht:

Die Sorte mit den erzleckeren Cocktailtomaten und dem unaussprechbaren Namen: Vesennij Mieurinskij.

Diesem Benehmen müsste nach der brummschen Tomatenpädagogik eigentlich mit strengem und konsequenten Ausgeizen begegnet werden. Allein, es ist zu spät dafür: Einige der Geiztriebe sind fast schon so groß wie die Hauptpflanzen – und blühen eifrig. Also wird jetzt nur noch untenrum ausgegeizt, damit es dort schön luftig ist. Und neue kleine Minigeiztriebe werden – von jetzt an konsequenter – entfernt, sobald des Gärtners Auge sie erblickt.

Schon zwei volle Rispen!

Der Gigant da hinten ist die Sorte Zuckertaube:

Von den ausgesäten Zuckertrauen ist leider nur eine Pflanze gekommen. Aber wenigstens eine – wenn die so lecker ist wie angepriesen, nehme ich soviele Samen wie möglich. Spannenderweise scheint es nicht nur mir so zu gehen, sondern auch anderen:

Bei uns sind die Zuckertrauben auch ganz schlecht gekeimt dieses Jahr.Interessant, dass das mehreren so ging.

(Sandra B. aus Marie Diderich’s Wurzelwerkgruppe)

Hier auch! Von 10 Zuckertrauben sind nur drei gekeimt, das auch sehr spät und wachsen sehr langsam.

(Nina X. aus Marie Diderich’s Wurzelwerkgruppe)

Tja, und dann gibt es noch die Carport-Tomaten und die Mysterytomaten im Experimentierbeet.

Die Carportler genießen die gute Lage (Sonnig, luftig aber geschützt und leicht überdacht) und wachsen ohne Ende. Ganz rechts: Die Sorte Golden Currant, komplett unausgegeizt. Durch den sonnigen und luftigen Standort ist das (hoffentlich) kein Problem, jedenfalls haben sie schon ein Dutzend kleiner Früchte dran.

Die Pflanzen im linken Kübel sind Golden Jubilee, und dort wächst auch die aktuell größte Tomate:

Oben: Die derzeit größte Tomate.
Unten: Ein weiterer Datenpunkt gegen die „Wolle vs. Schnecken“-These.

Und die Tomaten aus dem Weidenwasser-Experiment? Die wuchern mit den 2020 vergessenen Kartoffeln um die Wette. Respekt, wenn ihr in dem Dschungel hier beide auseinanderhalten könnt!

Kartoffeln vs. Tomaten: The race is on!

Aktuell scheinen sie das Rennen zu verlieren, aber erstens werden Tomaten in der Regel größer als Kartoffeln und zweitens schmecken die Tomaten den Schnecken nicht – Kartoffellaub dagegen lieben sie:

Wobei ich nicht glaube, dass die Schnecken einen entscheidenden Einfluss auf das „wer-wächst-am-höchsten“ Rennen haben werden. Ich müsste mich eigentlich entweder für die Kartoffeln oder das Tomatenexperiment entscheiden. Eigentlich.

Uneigentlich lasse ich das jetzt einfach mal wuchern und weiß am Ende der Saison, wie sich Tomaten und Kartoffeln vertragen. Alle Mischkultur-Tabellen raten davon ab, es heißt, die beiden würden sich nicht mögen. Wollen doch mal sehen, ob das stimmt! (c:

…oh, fast hätte ich die jüngsten tomatigen Nachzügler vergessen: Meine kleinen Lauchwächter!

Die Fünfe stehen immer noch etwas schlapp im Porreebeet, aber ich hab den Eindruck, dass sie alle feste dabei sind, Wurzel zu bilden. Die experimentellen Geiztrieb-Stecklinge letztes Jahr hatten sich ähnlich benommen: Erst eine Weile „rumgemickert“ und nach so 1-2 Wochen dann ging’s los mit dem Wachsen. Die hier sollen ja eigentlich nichtmal Früchte tragen, sondenr nur mit ihrem Geruch den Lauch tarnen, sodass die Zwiebelfliege den nicht findet. Mal sehn ob der Plan aufgeht.

So, das warn jetze aber genug Tomaten für heute.

…und eure so? Erntet ihr schon oder hibbelt ihr noch? (c;

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